
Die Blaue Kirche, offiziell die Kirche der heiligen Elisabeth, ist eine kleine katholische Kirche in der Bezručova-Straße am Ostrand der Altstadt von Bratislava. Entworfen hat sie der Budapester Architekt Ödön Lechner, geweiht wurde sie 1913, und sie ist innen wie außen blau, von den glasierten Dachziegeln bis zu den Kirchenbänken. Die Einheimischen nennen sie Modrý kostolík, das blaue Kirchlein.
Die Blaue Kirche auf einen Blick
- Wo: Bezručova-Straße, am Ostrand der Altstadt, wenige Schritte vom Donauufer entfernt.
- Erbaut: 1909–1913. Der Grundstein wurde am 23. August 1909 gelegt, die Weihe fand am 11. Oktober 1913 statt.
- Von: Ödön Lechner (in slowakischen Quellen Edmund Lechner), dem wichtigsten Architekten der ungarischen Sezession, der ungarischen Spielart des Jugendstils.
- Was sie heute ist: eine aktive katholische Kirche, der heiligen Elisabeth von Thüringen (von Ungarn) geweiht, und das bekannteste Jugendstilgebäude Bratislavas.
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten von außen, länger, wenn die Kirche offen ist und du hineingehen kannst.
Eine Schulkirche für die heilige Elisabeth
Anfang des 20. Jahrhunderts hieß Bratislava Pozsony oder Pressburg und gehörte zum Königreich Ungarn. 1906 begann Lechner mit der Planung eines neuen katholischen Gymnasiums in der Grösslingová-Straße, und daneben sollte eine Kirche für die Schule entstehen. Finanziert wurde der Bau von Gräfin Gabriela Szapáry, einer Förderin des Kirchenbaus in der Stadt. Lechner entwarf auch das Gymnasium und das Pfarrhaus nebenan im selben Stil, sodass die drei Gebäude zusammengehören.
Die Kirche ist der heiligen Elisabeth von Ungarn (1207–1231) geweiht, der Tochter König Andreas’ II., die in Deutschland als Elisabeth von Thüringen bekannt ist. Der Überlieferung nach wurde sie auf der Pressburger Burg geboren, bevor sie als kleines Kind nach Thüringen geschickt wurde. Sie wurde für ihre Fürsorge für die Armen bekannt und schon vier Jahre nach ihrem Tod heiliggesprochen. Lechner hatte eine Kuppel geplant, die nie gebaut wurde: Stattdessen entstand ein Tonnengewölbe unter einem Walmdach. Die Fassade war zunächst in hellen Pastelltönen gestrichen und wurde erst später blau, was der Kirche ihren Spitznamen gab. Lechner starb 1914, ein Jahr nach der Weihe.
Worauf du achten solltest
- Das Mosaik über dem Haupteingang: die heilige Elisabeth mit Rosen im Mantel, ein Hinweis auf die bekannteste Legende über sie (siehe unten).
- Das Dach, gedeckt mit blau glasierten Keramikziegeln, die bei tief stehender Sonne und nach Regen glänzen.
- Der runde Turm, 36,8 Meter hoch, der wie ein schlanker Zylinder am ovalen Kirchenschiff steht statt wie ein spitzer Kirchturm.
- Die Keramikdetails: blaue Majolika, ein welliges blaues Band, das um das ganze Gebäude läuft, und Doppelsäulen an den Eingängen und Fenstern.
- Innen, wenn die Türen offen sind: hellblaue Wände, blaue Holzbänke mit Blatt- und Blumenmustern und über dem Hauptaltar ein Gemälde der heiligen Elisabeth, die den Armen Almosen gibt.
- Das Gymnasium nebenan in der Grösslingová-Straße, vom selben Architekten und im selben Stil. Ein zweiter Kircheneingang liegt zur Schule hin.
Die Legende vom Rosenwunder
Der Legende nach trug Elisabeth Brot in ihrem Mantel zu den Hungernden, als Verwandte, die ihre Wohltätigkeit missbilligten, sie aufhielten. Als sie den Mantel öffnete, war das Brot zu Rosen geworden. Die Geschichte gibt es in vielen Fassungen, und deshalb wird sie so oft mit Rosen dargestellt, so wie im Mosaik über der Tür.
Tipps für deinen Besuch
- Die Kirche ist vor allem rund um die Gottesdienste geöffnet, früh am Morgen und am frühen Abend. Zu anderen Zeiten siehst du den Innenraum vielleicht nur durch die Tür, also prüfe vorher die aktuellen Zeiten der Pfarrei.
- Für ein Foto des ganzen Gebäudes überquere die Bezručova-Straße: Von nah passt der Turm kaum aufs Bild, ein Weitwinkelobjektiv hilft.
- Wenn gerade eine Messe läuft, bleib hinten, sei leise und mach deine Fotos danach.
In der Nähe
- Primatialpalais: das blassrosa klassizistische Palais in der Altstadt, in dem 1805 nach der Schlacht bei Austerlitz der Frieden von Pressburg unterzeichnet wurde.
- Čumil: der Bronzemann, der an der Ecke Panská und Rybárska brána aus einem Kanaldeckel schaut, Bratislavas beliebtestes Fotomotiv.
- Hviezdoslav-Platz: der lange, baumbestandene Platz vor dem historischen Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters.
- Das Donauufer: ein paar Minuten zu Fuß nach Süden, mit Blick über den Fluss auf die Brücke Most SNP und ihren Turm in Form eines Ufos.
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