
Die Matthiaskirche ist die gotische Kirche mit dem gemusterten Ziegeldach am Dreifaltigkeitsplatz im Budaer Burgviertel. Offiziell heißt sie Liebfrauenkirche, doch alle nennen sie nach König Matthias Corvinus, der hier beide Hochzeiten feierte. Fast 150 Jahre lang war sie eine Moschee, und 1867 wurden Franz Joseph und Elisabeth hier zu König und Königin von Ungarn gekrönt.
Die Matthiaskirche auf einen Blick
- Wo: Szentháromság tér (Dreifaltigkeitsplatz) auf dem Burgberg in Buda, direkt neben der Fischerbastei.
- Erbaut: ab der Mitte des 13. Jahrhunderts unter König Béla IV.; 1874–1896 im neugotischen Stil restauriert und weitgehend neu aufgebaut.
- Von: Die Restaurierung im 19. Jahrhundert, samt Ziegeldach, stammt vom Architekten Frigyes Schulek.
- Was sie heute ist: eine aktive römisch-katholische Kirche, in der auch Orgel- und Klassikkonzerte stattfinden.
- Zeitbedarf: 30–45 Minuten drinnen, dazu ein paar Minuten für einen Rundgang außen.
Von der Königskirche zur Moschee und zurück
König Béla IV. baute die Kirche als Pfarrkirche der neuen Stadt, die er nach dem Mongolensturm von 1241–1242 auf dem Burgberg gründete: Eine königliche Urkunde von 1255 nennt sie unvollendet, eine von 1269 neu errichtet. König Matthias (regierte 1458–1490) ließ den Südturm neu bauen, und sein Wappen von 1470, das im 19. Jahrhundert an diesem Turm entdeckt wurde, gab der Kirche ihren volkstümlichen Namen. Als die Osmanen 1541 Buda einnahmen, wurden Altäre und Bänke entfernt und die Kirche zur Moschee. Das blieb sie, bis christliche Heere Buda 1686 zurückeroberten.
Am 8. Juni 1867 wurden Franz Joseph und Elisabeth hier gekrönt, zu einer Krönungsmesse, die Franz Liszt eigens dafür komponiert hatte. Wenige Jahre später begann Frigyes Schulek seine Restaurierung von 1874–1896: Er entfernte spätere Zutaten und baute die Kirche in einer idealisierten Gotik neu auf, wobei er erhaltene mittelalterliche Teile wiederverwendete. Die letzte ungarische Krönung, die von Karl IV. und Zita, fand hier 1916 statt. Bei der Belagerung von Budapest 1944–1945 wurde die Kirche schwer beschädigt; das Innere wurde 1954–1964 restauriert, das Äußere bis 1970.
Worauf du achten solltest
- Das Dach: Rautenmuster aus glasierten Ziegeln in Orange, Grün, Gelb und Braun, hergestellt von der Zsolnay-Manufaktur in Pécs. Auch der kleinere Béla-Turm an der Nordseite ist mit bunten Ziegeln verziert.
- Der Matthiasturm: der hohe Südturm, unter König Matthias neu gebaut. Sein oberer Teil ist eine Rekonstruktion, die steinerne Spitze setzte Schulek auf.
- Das Marienportal an der Südseite: ein gotisches Portal aus dem frühen 15. Jahrhundert, dessen Tympanon den Tod Mariens zeigt.
- Das bemalte Innere: Wände und Pfeiler sind mit Schablonenmustern und Wandbildern bedeckt, viele von den Malern Bertalan Székely und Károly Lotz.
- Das Königsgrab: In einer Seitenkapelle ruhen König Béla III. und seine Frau Anna von Antiochia, deren Gebeine 1848 in der Königsbasilika von Székesfehérvár gefunden und später hierher gebracht wurden.
- Die Loreto-Kapelle unter dem Südturm mit einer Marienstatue aus dem späten 17. Jahrhundert.
Die Madonna hinter der Mauer
Eine bekannte Legende erklärt die Loreto-Statue. Während der osmanischen Herrschaft wurde eine mittelalterliche Marienstatue in der Kirche eingemauert. Bei der Belagerung von 1686, so heißt es, stürzte ein Teil dieser Mauer ein, und die Madonna erschien vor den betenden osmanischen Soldaten, die darin ein Zeichen sahen, dass die Stadt verloren war. Es ist eine Legende, doch Buda fiel in jenem Jahr tatsächlich an die christlichen Heere.
Tipps für deinen Besuch
- Geh hinein, nicht nur außen herum: Das bemalte Innere ist der eigentliche Grund für den Besuch. Morgens ist es ruhiger; ab dem späten Vormittag füllen Reisegruppen den Platz.
- Es ist eine aktive Kirche: Gottesdienste, Hochzeiten und Konzerte können sie für Besucher schließen, und Schultern und Knie sollten bedeckt sein.
- Das beste Foto vom Dach bekommst du von der oberen Ebene der Fischerbastei, die direkt auf die Kirche blickt.
In der Nähe
- Fischerbastei: die weißen neoromanischen Terrassen direkt neben der Kirche, ebenfalls von Schulek, mit weitem Blick über die Donau zum Parlament.
- Dreifaltigkeitssäule: die barocke Pestsäule in der Mitte des Platzes, errichtet im frühen 18. Jahrhundert.
- Stephansstatue: das Reiterstandbild des ersten Königs von Ungarn von Alajos Stróbl aus dem Jahr 1906, zwischen Kirche und Bastei.
- Burgpalast: der frühere Königspalast am Südende des Burgbergs, heute Sitz der Ungarischen Nationalgalerie, ein schöner Spaziergang über den Hügel.
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