
Das Marientor (Brama Mariacka) ist ein spätgotisches Tor am Ufer der Mottlau in Danzig, der Durchgang vom alten Kai in die Frauengasse (ulica Mariacka). Wenn du vom Wasser aus durch den Bogen gehst, liegt die ganze Gasse vor dir, und an ihrem Ende ragt der gewaltige Backsteinturm der Marienkirche auf: einer der schönsten Blicke der Rechtstadt.
Das Marientor auf einen Blick
- Wo: an der Langen Brücke (Długie Pobrzeże) entlang der Mottlau, am Flussende der Frauengasse in der Rechtstadt.
- Erbaut: im 15. Jahrhundert; erstmals erwähnt wird das Tor 1484. Nach der Zerstörung 1945 wurde es 1958–1961 wieder aufgebaut.
- Was es heute ist: ein öffentlicher Durchgang zwischen Flussufer und Frauengasse; in den Gebäuden daneben ist das Archäologische Museum untergebracht.
- Zeitbedarf: 10 Minuten für das Tor, 30 bis 45 Minuten, wenn du die Frauengasse bis zur Kirche hinaufgehst.
Ein Wassertor der Hansestadt
Das mittelalterliche Danzig gehörte zur Hanse und lebte von seinem Hafen an der Mottlau. Die Waren kamen über das Wasser, und eine Reihe von Toren entlang des Kais führte Kaufleute, Seeleute und Träger von den Anlegestellen in die Gassen der Rechtstadt. Das 1484 erwähnte Marientor sicherte die Gasse, die direkt zur Marienkirche führte, der Hauptpfarrkirche der Stadt.
1945 lag die Rechtstadt nach den Kämpfen um die Stadt in Trümmern, und auch das Tor wurde schwer beschädigt. Es wurde 1958 bis 1961 wieder aufgebaut, im Rahmen des langen Wiederaufbaus nach dem Krieg, der Danzig den alten Stadtgrundriss und die historischen Fassaden zurückgab. Die fast völlig zerstörte Frauengasse dahinter entstand in den 1950er- und 1960er-Jahren neu.
Worauf du achten solltest
- Der Blick durch den Bogen: Stell dich auf der Flussseite in die Durchfahrt und schau die Gasse hinauf; der Turm der Marienkirche füllt den Rahmen.
- Das Stadtwappen: Zwei Löwen halten das Danziger Wappen, zwei weiße Kreuze unter einer Krone auf rotem Schild. Ihre Farben wurden 2006 restauriert.
- Das spätgotische Backsteinmauerwerk des Tors, das zur selben Reihe von Uferbauten gehört wie die anderen Tore an der Langen Brücke.
- Die Beischläge der Frauengasse: erhöhte steinerne Terrassen vor den Kaufmannshäusern, mit verzierten Brüstungen und Stufen hinab zur Gasse.
- Die Wasserspeier: steinerne Abflüsse über den Beischlägen, manche als Drachen oder Fische geformt, die das Regenwasser von den Terrassen ableiten.
- Bernstein: Schmuckgalerien und Werkstätten säumen die Gasse, viele davon in den Kellern unter den Beischlägen.
Warum sie Bernsteingasse heißt
An der Ostseeküste wird Bernstein angespült, und Funde aus vorgeschichtlicher Zeit zeigen, dass er hier schon an der alten Bernsteinstraße gehandelt wurde. Heute haben so viele Bernsteinjuweliere ihre Läden in der Frauengasse, dass sie oft Bernsteingasse genannt wird. Am meisten los ist im Sommer während des Dominikmarkts, eines Handelsmarkts, dessen Geschichte bis 1260 zurückreicht.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen oder am Abend: Die Frauengasse ist schmal und füllt sich tagsüber mit Reisegruppen.
- Für das klassische Foto stellst du dich auf den Kai direkt vor das Tor; für die ganze Uferfront gehst du auf die andere Seite der Mottlau und schaust zurück.
- Geh die Gasse langsam vom Fluss bis zur Kirche hinauf, besuch die Marienkirche und geh dann weiter zum Langen Markt.
In der Nähe
- Marienkirche: am oberen Ende der Gasse, eine der größten Backsteinkirchen der Welt; vom Turm hast du einen Blick über die Altstadt.
- Krantor (Żuraw): der mittelalterliche Hafenkran am Ufer, heute Teil des Nationalen Meeresmuseums, ein paar Minuten den Kai entlang.
- Langer Markt und Neptunbrunnen: die Hauptstraße der Rechtstadt mit dem Artushof, ein paar Minuten zu Fuß südlich.
- Grünes Tor: das Tor am Flussende des Langen Markts, im 16. Jahrhundert als Residenz für die polnischen Könige bei ihren Besuchen erbaut.
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