Hohes Tor in Danzig: Wo der König die Stadtschlüssel bekam

The High Gate in Gdańsk

Das Hohe Tor (Brama Wyżynna) ist das Renaissancetor am Westrand der Danziger Rechtstadt, dort, wo früher Wall und Stadtgraben verliefen. Es entstand in den 1570er-Jahren und erhielt 1588 seine Verkleidung aus gemeißeltem Sandstein. Jahrhundertelang war es der feierliche Haupteingang der Stadt: Polnische Könige wurden hier empfangen und erhielten die Stadtschlüssel, bevor sie über den heutigen Königsweg zogen.

Das Hohe Tor auf einen Blick

  • Wo: Wały Jagiellońskie, am westlichen Anfang des Königswegs, gleich westlich des Stockturms und des Goldenen Tors.
  • Erbaut: 1574–1576 als Teil der neuen westlichen Befestigung; der Steinschmuck kam 1588 hinzu.
  • Von: entworfen von Hans Kramer; die Fassade gestaltete der Bildhauer Willem van den Blocke.
  • Heute: ein historisches Tor, das seit 2002 dem Museum Danzig gehört, mit einer Touristeninformation im Inneren.
  • Zeitbedarf: 10–15 Minuten, etwas länger, wenn du drinnen nach Karten und Tipps fragst.

Vom Festungstor zum Haupteingang der Stadt

In den 1570er-Jahren baute Danzig seine westliche Verteidigung neu: einen hohen Erdwall, Bastionen und einen breiten, wassergefüllten Graben. Das Hohe Tor nach Plänen von Hans Kramer war der Durchgang durch diese Linie, ein Backsteintor mit Zugbrücken, die jede Nacht hochgezogen wurden. 1588 machte Willem van den Blocke daraus ein Schaustück: Er verkleidete den Backstein mit Sandsteinplatten, drei Wappen und drei lateinischen Wahlsprüchen. Von da an war es der wichtigste und repräsentativste Eingang der Stadt.

Das Tor behielt seine Gestalt fast drei Jahrhunderte lang, die Befestigung ringsum aber nicht. 1895 wurden die Wälle eingeebnet und der Graben zugeschüttet, seitdem steht das Tor frei. Eine Geschichte erzählt, Napoleon habe 1807 vorgeschlagen, es nach Paris zu bringen. Später saß hier eine Wache und nach 1920 ein Büro der Reederei Norddeutscher Lloyd. 1945 wurde es beschädigt und nach dem Krieg repariert, als ein Reisebüro einzog. Das Museum Danzig kaufte das Tor 2002 und renovierte es 2009–2012; dabei wurden die Wappen neu bemalt und ein Besucherzentrum eingerichtet.

Worauf du achten solltest

  • Die drei Wappen auf der Attika: Polen, Königlich-Preußen und Danzig. Zusammen zeigen sie die Stellung der Stadt als selbstverwaltete Hafenstadt innerhalb der polnischen Krone.
  • Die vier steinernen Löwen oben auf der Attika.
  • Die lateinischen Inschriften im Fries. Die mittlere, ‘Iustitia et pietas duo sunt regnorum omnium fundamenta’, bedeutet ‘Gerechtigkeit und Frömmigkeit sind die beiden Grundlagen aller Reiche’. Die beiden anderen preisen Frieden, Freiheit und Eintracht als höchste Güter einer Stadt und weise Taten für das Gemeinwesen.
  • Die sechs Metallblöcke oben auf dem Gebäude. Mit Seilen, die durch sie liefen, zogen die Wachen nachts die Zugbrücken hoch.
  • Die Sandsteinplatten mit feinem Pflanzenornament, die den Backsteinkern aus den 1570er-Jahren einrahmen.

Die Schlüssel der Stadt

Danzig war eine königliche Stadt Polens, regelte seine Angelegenheiten aber selbst, und ein Königsbesuch war sorgfältig inszeniert. Der König wurde am Hohen Tor empfangen und bekam die Stadtschlüssel überreicht. Dann zog der Zug durch das Vortor mit dem Stockturm, unter dem Goldenen Tor hindurch, die Langgasse hinunter und über den Langen Markt bis zum Grünen Tor an der Mottlau. Jede Fassade am Weg war eine Gelegenheit für die Kaufleute, ihren Reichtum zu zeigen, und der Weg ist bis heute der klassische Gang durch die Rechtstadt.

Tipps für deinen Besuch

  • Beginne hier deinen Spaziergang über den Königsweg: Goldenes Tor, Langgasse, Langer Markt und Grünes Tor folgen in gerader Linie nach Osten.
  • Tritt für Fotos ein paar Schritte zurück. Direkt unter dem Tor siehst du die Löwen und Wappen auf der Attika kaum.
  • In der Touristeninformation im Tor kannst du dir vor dem Rundgang einen Stadtplan holen und nach Veranstaltungen fragen.

In der Nähe

  • Stockturm und Peinkammer: das mittelalterliche Vortor gleich östlich des Hohen Tors, die nächste Station am Königsweg.
  • Goldenes Tor: der Triumphbogen von 1612–1614 am Anfang der Langgasse mit acht Statuen der Bürgertugenden, ein paar Gehminuten entfernt.
  • Großes Zeughaus: das reich geschmückte Arsenal aus dem frühen 17. Jahrhundert am Kohlenmarkt, wenige Gehminuten nordöstlich.
  • Große Mühle: ein mittelalterlicher Mühlenbau in der Altstadt, heute Sitz des Bernsteinmuseums, ein kurzer Spaziergang nach Norden.

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