
Das Musée Granet ist das wichtigste Kunstmuseum von Aix-en-Provence. Es liegt im ehemaligen Priorat der Malteserritter neben der gotischen Kirche Saint-Jean-de-Malte und trägt den Namen des Malers François Marius Granet, der seine Sammlung seiner Heimatstadt vermachte. Die Pointe: Jahrzehntelang wollte das Museum nichts vom berühmtesten Sohn der Stadt, Paul Cézanne, wissen. Seine ersten Cézanne-Gemälde erhielt es erst 1984.
Das Musée Granet auf einen Blick
- Wo: Place Saint-Jean-de-Malte, am Rand des Mazarin-Viertels, südlich des Cours Mirabeau.
- Eröffnet: 1838 als Musée d’Aix; 1949, hundert Jahre nach Granets Tod, in Musée Granet umbenannt.
- Gebäude: das alte Priorat des Johanniterordens (der Malteserritter), ab 1860 um neue Flügel erweitert.
- Heute: das Museum der Stadt für bildende Kunst und Archäologie, mit Gemälden vom 14. bis zum 20. Jahrhundert und regelmäßigen Sonderausstellungen.
- Zeitbedarf: 1,5 bis 2 Stunden für die Sammlungen, mehr, wenn eine große Ausstellung läuft.
Vom Ritterpriorat zum Malermuseum
Das Gelände gehörte seit dem 12. Jahrhundert den Johannitern. Ihre Kirche, größtenteils in den 1270er-Jahren erbaut, gilt als erste gotische Kirche der Provence. Nach der Revolution wurden die Gebäude des Priorats anders genutzt, und 1838 öffnete hier ein städtisches Museum. Den Grundstock bildeten Antiken, die der Aixer Gelehrte Fauris de Saint-Vincens Ende des 18. Jahrhunderts gesammelt hatte.
1849 starb François Marius Granet, 1775 in Aix geboren, und hinterließ der Stadt seine Gemälde und Zeichnungen; laut Testament gingen zweihundert Zeichnungen an den Louvre. Granet hatte siebzehn Jahre in Rom verbracht und dort Klöster, Ruinen und lichtdurchflutete Innenräume gemalt. Weitere Schenkungen folgten, darunter über 800 Werke aus dem Nachlass von Bourguignon de Fabregoules 1863. Ab 1860 wuchs das Museum Flügel um Flügel, und eine große Renovierung vor der Cézanne-Jubiläumsausstellung 2006 brachte viel mehr Ausstellungsfläche.
Worauf du achten solltest
- Jupiter und Thetis von Ingres: eine riesige, eigenartige Leinwand von 1811, auf der die Meeresnymphe sich an das Knie des thronenden Gottes klammert. Das berühmteste Gemälde im Haus.
- Granet selbst: das Porträt des jungen Granet, das sein Freund Ingres in Rom malte, und Granets eigene Ansichten römischer Klöster und provenzalischer Landschaften.
- Der Cézanne-Saal: Werke, die der französische Staat 1984 als Dauerleihgabe schickte, darunter Badende und ein Porträt von Madame Cézanne.
- Rembrandts Selbstbildnis mit Barett und weitere flämische, niederländische und italienische Gemälde in der Abteilung Alte Meister.
- Archäologie aus dem Oppidum Entremont, der Höhensiedlung der keltoligurischen Salyer direkt nördlich der Stadt, die die Römer zerstörten, bevor sie Aix gründeten.
- Der Hof und der Blick auf Saint-Jean-de-Malte: Museum und Kirche teilen sich bis heute einen Garten, und der Glockenturm ragt direkt neben dem Eingang auf.
Der Kurator, der Nein sagte
Cézanne wurde 1839 in Aix geboren und nahm als junger Mann Zeichenunterricht an der städtischen Zeichenschule, die damals im Museumsgebäude untergebracht war. Trotzdem überging ihn das Museum. Sein Kurator Henri Pontier soll geschworen haben, dass zu seinen Lebzeiten kein Cézanne ins Museum komme. Die ersten Cézanne-Gemälde kamen erst 1984, als die Nationalmuseen sie nach Aix gaben, weil der Meister in der Sammlung seiner Heimatstadt fehlte.
Tipps für deinen Besuch
- Schau vorher ins Ausstellungsprogramm: Große Sonderausstellungen belegen oft einen Teil des Hauses, und manche Werke der Sammlung können umgehängt oder verliehen sein.
- Komm im Sommer früh oder am späten Nachmittag; um die Mittagszeit sind Gruppen und Hitze am größten.
- Wirf vor oder nach dem Besuch einen Blick in Saint-Jean-de-Malte; die Kirche liegt direkt nebenan und ist außerhalb der Gottesdienste frei zugänglich.
- Die Außenstelle Granet XXe in der Chapelle des Pénitents blancs zeigte ab 2013 die Sammlung Planque mit moderner Kunst; diese Sammlung hat Aix 2026 verlassen, prüfe also, was die Kapelle heute zeigt.
In der Nähe
- Saint-Jean-de-Malte: die gotische Kirche der Malteserritter, direkt neben dem Museum.
- Fontaine des Quatre-Dauphins: der Brunnen mit vier Delfinen aus dem 17. Jahrhundert mitten im Mazarin-Viertel, wenige Gehminuten entfernt.
- Hôtel de Caumont: ein Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert im Mazarin-Viertel, heute ein Kunstzentrum mit Ausstellungen und Gartencafé.
- Cours Mirabeau: die Platanenallee mit Cafés und Stadtpalais, wenige Gehminuten nördlich.
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