
Der Elisenbrunnen ist die weiße klassizistische Säulenhalle am Friedrich-Wilhelm-Platz mitten in Aachen, in den 1820er-Jahren als Trinkhalle für Kurgäste gebaut. In ihrer runden Mittelhalle sprudelt aus zwei Brunnen bis heute Thermalwasser aus einer der heißen Quellen der Stadt. Wahrscheinlich riechst du es, bevor du es siehst: Das Wasser kommt mit etwa 52 °C heraus und ist stark schwefelhaltig, mit einem unverkennbaren Hauch von faulen Eiern.
Der Elisenbrunnen auf einen Blick
- Wo: Friedrich-Wilhelm-Platz in der Aachener Innenstadt, mit dem Elisengarten direkt dahinter, wenige Gehminuten vom Dom.
- Erbaut: 1822–1827; 1943 bei einem Luftangriff zerstört und in den 1950er-Jahren originalgetreu wieder aufgebaut.
- Von: dem Architekten Johann Peter Cremer, dessen Pläne Karl Friedrich Schinkel überarbeitete.
- Was er heute ist: der einzige Ort in der Aachener Innenstadt, an dem du das Thermalwasser probieren kannst, ein Treffpunkt und Sitz der Tourist-Information.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten, länger mit einem Spaziergang durch den Elisengarten.
Eine Trinkhalle für eine Badestadt
Ohne seine heißen Quellen gäbe es Aachen nicht. Die Römer bauten hier Thermen, Karl der Große badete gern im warmen Wasser, und im 18. Jahrhundert war Aachen eines der mondänen Bäder Europas. In der Gegend entspringen mehr als 30 Quellen, manche gehören zu den heißesten in Mitteleuropa. Der Elisenbrunnen entstand, damit Gäste bei der Trinkkur das Wasser stilvoll zu sich nehmen konnten: Die Grundsteine wurden im November 1822 gelegt, fertig war der Bau 1827. Entworfen hat ihn Johann Peter Cremer, der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel überarbeitete seine Pläne. Das Wasser kommt per Leitung aus der Kaiserquelle, rund 180 Meter entfernt unter dem Büchel.
Benannt wurde die Halle nach Elisabeth Ludovika von Bayern, Kronprinzessin von Preußen und Ehefrau des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. Am 14. Juli 1943 zerstörten Bomben sie fast vollständig, nur Teile der Mauern und Säulen blieben stehen. In den 1950er-Jahren wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut, und heute beherbergen ihre Pavillons die Tourist-Information und ein Restaurant.
Worauf du achten solltest
- Die beiden Trinkbrunnen in der runden Mittelhalle. Probier einen Schluck, wenn du dich traust: Das Wasser ist heiß, salzig und schwefelig, und die meisten wollen keinen zweiten.
- Die Steintafeln an den Wänden von 1883, die an berühmte Kurgäste erinnern, darunter Peter der Große, Friedrich der Große, Giacomo Casanova und Georg Friedrich Händel.
- Die Büste von Elisabeth Ludovika, der Namensgeberin des Brunnens; ein Abguss der Marmorbüste von Christian Friedrich Tieck steht hier seit der Eröffnung.
- Die Fassade: dorische Säulen, zwei offene Arkadenflügel und an jedem Ende ein Pavillon, ein Lehrbuchbeispiel des preußischen Klassizismus.
- Der Dampf über den Brunnen an kalten Tagen, wenn das heiße Wasser auf Winterluft trifft.
Warum es nach Eiern riecht
Das Aachener Thermalwasser steigt aus großer Tiefe auf und nimmt dabei Mineralien und Schwefelwasserstoff auf. Dieses Gas sorgt für den berühmten Geruch des Elisenbrunnens. Für Kurgäste des 19. Jahrhunderts gehörte der Geruch zur Kur: Das heiße, mineralreiche Wasser sollte bei Rheuma, Gicht und Hautleiden helfen. Heute verschreibt es niemand mehr, aber die Brunnen laufen weiter, und ein Schluck ist für Besucher zu einem kleinen Aachener Ritual geworden.
Tipps für deinen Besuch
- Komm an einem kalten Morgen, dann dampfen die Brunnen und in der Halle ist es am ruhigsten.
- Nimm einen Becher mit oder forme die Hände zur Schale, aber vorsichtig: Das Wasser ist wirklich heiß.
- Geh hinten herum in den Elisengarten und weiter zum Dom und zum Rathaus, die alle nur einen kurzen Fußweg voneinander entfernt sind.
In der Nähe
- Elisengarten: der Park hinter dem Brunnen mit einem gläsernen archäologischen Fenster, das römische und mittelalterliche Fundamente aus den Grabungen von 2008–2009 zeigt.
- Aachener Dom: im Kern die Pfalzkapelle Karls des Großen, Deutschlands erste UNESCO-Welterbestätte, wenige Gehminuten entfernt.
- Aachener Rathaus: das gotische Rathaus am Markt, errichtet auf den Fundamenten der Königshalle Karls des Großen.
- Kreislauf des Geldes: der Bronzebrunnen ganz in der Nähe, der den Geldkreislauf mit lebhaften, leicht spöttischen Figuren zeigt.
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