
Das Castello Normanno-Svevo, meist einfach Castello Svevo (Stauferburg) genannt, ist die von einem Graben umgebene Festung am Rand von Bari Vecchia, der Altstadt von Bari. Ihr Kern geht auf den Normannenkönig Roger II. in den 1130er-Jahren zurück, benannt ist sie aber nach dem Stauferkaiser Friedrich II., der sie zwischen 1233 und 1240 neu aufbauen ließ. Später war sie ein Renaissancehof unter zwei Frauen, dann ein Gefängnis, und heute ist sie ein Museum.
Das Castello Svevo auf einen Blick
- Wo: Piazza Federico II di Svevia, am Südrand von Bari Vecchia, ein paar Gehminuten von der Kathedrale entfernt.
- Erbaut: erstmals um 1131 unter Roger II.; 1233–1240 unter Friedrich II. neu errichtet; Bastionsmauern im 16. Jahrhundert ergänzt.
- Was es heute ist: ein staatliches Museum des italienischen Kulturministeriums mit einem Saal voller Gipsabgüsse (der Gipsoteca), archäologischen Funden und wechselnden Ausstellungen.
- Zeitbedarf: 15 Minuten für einen Rundgang am Graben; ein bis anderthalb Stunden für einen Besuch drinnen.
Von der Normannenburg zum Renaissancehof
Die erste Burg entstand um 1131 für Roger II., den normannischen König von Sizilien, auf Resten von Häusern aus byzantinischer Zeit. 1156 zerstörte König Wilhelm I. von Sizilien sie. Friedrich II., römisch-deutscher Kaiser und König von Sizilien, ließ sie zwischen 1233 und 1240 als eine der königlichen Burgen zum Schutz seines Reiches neu errichten: ein Trapez aus Räumen um einen Innenhof, mit hohen Ecktürmen aus grob behauenem Stein. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verstärkte Karl von Anjou den Nordflügel, der damals direkt am Meer stand.
Im 15. Jahrhundert gaben die aragonesischen Könige von Neapel die Burg der Familie Sforza, den Herzögen von Bari. Isabella von Aragon, Witwe von Gian Galeazzo Sforza, und ihre Tochter Bona Sforza, die 1518 Königin von Polen wurde, machten sie im 16. Jahrhundert zum Sitz ihres Hofes. Sie umgaben den mittelalterlichen Kern mit niedrigen, geböschten Bastionsmauern, die Kanonen standhalten sollten, und ließen eine prächtige Doppeltreppe zu den Hauptsälen bauen. Nach Bonas Tod 1557 fiel die Burg an das Königreich Neapel zurück, und unter den Bourbonen wurde sie Gefängnis und später Kaserne. Für Besucher öffnete sie erstmals 1957; nach langer Restaurierung ist seit 2017 das ganze erste Obergeschoss zugänglich.
Worauf du achten solltest
- Graben und Brücke: Der Graben umgibt die Burg auf allen Seiten außer im Norden, der früher zum Meer lag. Du betrittst sie über eine Brücke auf der Südseite.
- Die Renaissancebastionen: die dicken Mauern mit geböschtem Fuß, die Isabella und Bona um die ältere Burg bauen ließen. Die Südostbastion steigt direkt aus dem Graben auf.
- Friedrichs Portal: Der ursprüngliche staufische Eingang mit reich verziertem Bogen führt aus einer gewölbten Halle auf zwei Säulen in den Innenhof.
- Das Adlerkapitell: In der staufischen Loggia ist ein Kapitell mit kleinen Adlern verziert, dem Wappentier des Kaisers, und mit einer Inschrift, die den Bildhauer nennt.
- Die Ecktürme: Drei hohe Türme mit Bossenquadern sind von der Stauferburg erhalten. Der südwestliche heißt Torre dei Minorenni (Turm der Minderjährigen), weil er im 19. Jahrhundert die Jugendabteilung des Gefängnisses beherbergte.
- Die Gipsoteca: im Erdgeschoss, unter Spitzbögen, Gipsabgüsse von Portalen, Kapitellen und Reliefs apulischer Kirchen und Burgen, 1911 von Pasquale Duretti und Mario Sabatelli für eine Ausstellung in Rom zum 50. Jahrestag der italienischen Einheit angefertigt.
Ein Heiliger, eine Königin und eine polnische Kapelle
Einer Überlieferung nach traf Friedrich II. in dieser Burg 1221 Franz von Assisi. Kein Dokument bestätigt das Treffen, es ist also eine Legende, aber in Bari wird sie bis heute erzählt. Die Verbindung nach Polen dagegen ist echt: Bona Sforza verbrachte ihre letzten Jahre in Bari, nachdem sie Polen verlassen hatte, und eine kleine Kapelle im Innenhof ist laut den Beschriftungen vor Ort dem heiligen Stanislaus geweiht, dem Schutzpatron Polens.
Tipps für deinen Besuch
- Geh zuerst einmal außen herum: Vom Platz und von der Straße am Graben aus siehst du, wie die Renaissancemauern die mittelalterliche Burg umschließen.
- Die Ausstellungen drinnen wechseln im Lauf des Jahres. Schau vorher auf der offiziellen Website des Museums nach, was gerade gezeigt wird.
- Am späten Nachmittag leuchtet der helle Kalkstein golden; in der Sommerhitze sind die dickwandigen Säle drinnen angenehm kühl.
- Verbinde die Burg mit der Kathedrale und der Basilica di San Nicola: Alle drei liegen nur ein kurzes Stück voneinander entfernt in den Gassen der Altstadt.
In der Nähe
- Cattedrale di San Sabino: Baris romanische Kathedrale, ein paar Gehminuten in die Altstadt hinein, mit einer Krypta unter dem Altar.
- Basilica di San Nicola: die romanische Basilika, gebaut für die Reliquien des heiligen Nikolaus, die 1087 aus Myra nach Bari gebracht wurden. Hinter dem Hochaltar steht das Grabmal von Bona Sforza.
- Strada Arco Basso: die Gasse zwischen Burg und Kathedrale, in der Frauen an Tischen vor ihren Türen Orecchiette von Hand machen.
- Die Uferpromenade: die Altstadtmauern an der Adria, schön für einen Spaziergang bei Sonnenuntergang.
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