
Die Vieille Bourse, die Alte Börse von Lille, ist ein Geviert aus 24 identischen flämischen Häusern um einen Innenhof mit Arkaden, zwischen der Grand Place und der Place du Théâtre. Früher handelten hier Kaufleute; heute gehört der Hof Antiquaren und Schachspielern, und er ist einer der besten Orte der Stadt, um für eine halbe Stunde zur Ruhe zu kommen.
Die Vieille Bourse auf einen Blick
- Wo: zwischen der Grand Place (Place du Général-de-Gaulle) und der Place du Théâtre im Zentrum von Lille; die nächste Metrostation ist Rihour.
- Erbaut: 1652 bis 1653, als Lille zu den Spanischen Niederlanden gehörte.
- Von: Julien Destrée, einem Architekten, der auch Holzschnitzer war.
- Was sie heute ist: ein denkmalgeschütztes Bauwerk, dessen Innenhof öffentlich zugänglich ist, mit Buchhändlern, Blumenverkäufern und Schachtischen unter den Arkaden.
- Zeitbedarf: 20 Minuten zum Schauen, viel länger, wenn du anfängst, in Büchern zu stöbern.
Eine Kaufmannsbörse für die Stadt eines spanischen Königs
1651 erhielt die Stadt von König Philipp IV. von Spanien die Erlaubnis, eine Börse für Kaufleute zu bauen, umschlossen von 24 Häusern. Die Stadt verkaufte 24 Parzellen am Marktplatz an Händler, die ihre Häuser gleichzeitig und in gleicher Höhe, Symmetrie und Gestaltung bauen mussten, während die Stadt Galerien, Pflaster und die vier Eingänge bezahlte. Destrée errichtete das Ganze zwischen Frühjahr 1652 und Herbst 1653 nach dem Vorbild der Börse von Antwerpen. Der Neubau teilte den alten Marktplatz in zwei Hälften, deshalb hat Lille heute eine Grand Place und eine Place du Théâtre.
Der Hof war ursprünglich privat und den Kaufleuten vorbehalten. 1853 empfing die Handelskammer hier Napoleon III., danach wurden Tore und Galerien restauriert. 1861 eröffnete im Gebäude eine echte Wertpapierbörse. Als Anfang der 1920er-Jahre die neue Handelskammer auf der anderen Seite der Place du Théâtre eröffnete, zogen die Kaufleute aus, und das Gebäude wurde zur Vieille Bourse, der alten Börse. 1921 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und zwischen 1989 und 1998 erneut restauriert.
Worauf du achten solltest
- Merkur auf dem Turm: Der Gott des Handels, Wahrzeichen der Börse, steht ganz oben auf dem Glockenturm und hält seinen Stab.
- Die geschnitzten Pilaster: Karyatiden, Löwen, Fruchtgirlanden und Füllhörner drängen sich an den Fassaden, typisch für die flämische Renaissance des 17. Jahrhunderts.
- Die Wappen: Über den oberen Fenstern tragen Kartuschen die Wappen der regionalen Unternehmen, die die Restaurierung unterstützt haben.
- Die Tafeln der Wissenschaftler: Such in den Galerien des Hofs nach den Tafeln zu Ehren von Wissenschaftlern und Erfindern, die in den 1850er-Jahren angebracht wurden.
- Die Buchhändler: Stände mit gebrauchten Büchern, alten Landkarten, Drucken und Plakaten säumen die Arkaden rund um den Hof.
- Die Schachtische: Unter den Arkaden lassen sich Einheimische zu Partien nieder; Zuschauen ist willkommen, Dazwischenreden nicht.
Tango im Innenhof
An Sommersonntagabenden wird der Hof der Vieille Bourse zur Tanzfläche unter freiem Himmel, auf der Paare argentinischen Tango tanzen. Jeder kann stehen bleiben und von den Arkaden aus zuschauen. Ein schönes Beispiel dafür, wie ein Gebäude, das fürs Geld gebaut wurde, zu einem der beliebtesten öffentlichen Orte von Lille geworden ist.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Nachmittag, wenn die Buchhändler aufgebaut haben und im Hof am meisten los ist.
- Geh auch einmal außen herum: Die Fassaden zur Grand Place und zur Place du Théâtre sind genauso reich geschmückt wie der Hof.
- Nimm etwas Bargeld für die Bücherstände mit, an denen meist kleine Beträge anfallen.
- Verbinde den Besuch mit der Grand Place, der Oper und dem Belfried der Handelskammer, alle nur ein paar Minuten entfernt.
In der Nähe
- Grand Place: Lilles Hauptplatz mit der Säule der Göttin, die an die Belagerung von 1792 erinnert; direkt nebenan.
- Opéra de Lille: das Opernhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert an der Place du Théâtre, gegenüber der alten Börse.
- Handelskammer: der neoflämische Bau mit seinem hohen Belfried, ebenfalls an der Place du Théâtre.
- Vieux-Lille: die Altstadt gleich nördlich, mit Kopfsteinpflaster, Häusern aus Backstein und Naturstein und der Kathedrale Notre-Dame-de-la-Treille.
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