Place Guillaume II in Luxemburg: der Knuedler und sein Bronzefuchs

Place Guillaume II and the City Hall in Luxembourg City

Die Place Guillaume II ist der große gepflasterte Platz in der Oberstadt von Luxemburg, mit dem Rathaus auf der einen Seite und einem bronzenen König zu Pferd in der Mitte. In Luxemburg nennen ihn alle Knuedler. Der Name geht auf die geknoteten Gürtelstricke der Franziskaner zurück, die hier über fünf Jahrhunderte lebten.

Die Place Guillaume II auf einen Blick

  • Wo: in der Ville Haute (Oberstadt), zwischen dem großherzoglichen Palast, der Place d’Armes und den Einkaufsstraßen.
  • Entstanden: Ab dem 13. Jahrhundert stand hier ein Franziskanerkloster; der Platz entstand nach dessen Abriss 1829, das Rathaus wurde 1838 fertig.
  • Von wem: Rathaus nach Plänen des Lütticher Architekten Justin Rémont; Reiterstandbild vom französischen Bildhauer Antonin Mercié, das Pferd von Victor Peter.
  • Heute: der wichtigste Platz der Stadt für Märkte, Konzerte und Feste, mit dem Rathaus und dem Amtssitz des Bürgermeisters.
  • Zeitbedarf: 20–30 Minuten, an Markttagen länger.

Vom Klostergarten zum Stadtplatz

Mitte des 13. Jahrhunderts bauten die Franziskaner hier Kirche und Kloster, und der Platz trägt die Erinnerung bis heute im Spitznamen: Knuedler kommt vom luxemburgischen Wort für Knoten, nach den Knoten im Strick, den die Mönche um die Hüfte trugen. In den französischen Revolutionskriegen beschlagnahmten französische Truppen 1797 das Kloster, 1804 schenkte Napoleon das Gelände der Stadt. Bis 1829 wurden die Gebäude abgerissen, und viele ihrer Steine wanderten in das neue Rathaus.

Das Rathaus entwarf Justin Rémont; der Plan wurde 1828 genehmigt, gebaut wurde ab 1830. Die Arbeiten liefen während der Belgischen Revolution weiter und endeten 1838, doch die offizielle Einweihung fand erst am 15. Juli 1844 statt, durch König Wilhelm II. der Niederlande, der zugleich Großherzog von Luxemburg war. Nach ihm ist der Platz benannt. Sein Reiterstandbild, enthüllt 1884, erinnert an den Herrscher, der dem Großherzogtum seine erste parlamentarische Verfassung gab. Die beiden Löwen am Rathauseingang kamen erst 1938 dazu, geschaffen vom luxemburgischen Bildhauer Auguste Trémont.

Worauf du achten solltest

  • Wilhelm II. zu Pferd: Der bronzene Reiter stammt von Antonin Mercié, das Pferd von Victor Peter. Der Sockel trägt die Wappen des Hauses Oranien-Nassau, Luxemburgs und der 12 Kantone des Landes.
  • Die Rathausfassade: eine schlichte klassizistische Front, teils aus Steinen des alten Klosters gebaut.
  • Die Löwen von Auguste Trémont, die seit 1938 die Rathaustreppe bewachen.
  • Das Fuchsdenkmal: Ein Bronzefuchs sitzt über einer Gedenktafel für Michel Rodange (1827–1876), dessen satirisches Epos ‘Renert’ die Geschichte von Reineke Fuchs auf Luxemburgisch erzählt. Es wurde 1932 enthüllt und 2024 nach der Restaurierung wieder aufgestellt, jetzt mit einem Trinkbrunnen per Knopfdruck, beschriftet mit ‘Drénkwaasser’.
  • Der Platz selbst: Nach einer langen Umgestaltung hat er neues helles Granitpflaster, mehr Bäume und einen größeren Spielplatz, während die Autos unsichtbar unter der Erde parken.

Ein Platz für die ganze Stadt

Auf dem Knuedler kommt Luxemburg zusammen. Der Stater Maart, der Markt der Innenstadt, baut hier mittwochs und samstags vormittags seine Stände mit Obst, Gemüse, Käse und Blumen auf. Fast drei Jahrzehnte lang, von 1991 bis 2019, füllte das kostenlose Konzert Rock um Knuedler jeden Sommer den Platz, mit bis zu 10.000 Menschen. Im Winter finden hier saisonale Veranstaltungen statt, und an Nationalfeiertagen ist der Platz oft Bühne für öffentliche Feiern.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm an einem Mittwoch- oder Samstagvormittag, wenn Markt ist: Dann ist der Platz am lebendigsten.
  • Für ein Foto des Reiterstandbilds mit dem Rathaus im Hintergrund stellst du dich auf die Seite zu den Einkaufsstraßen und wartest auf eine Lücke in der Menge.
  • Probier den Fuchsbrunnen: Drück am restaurierten Rodange-Denkmal auf den Knopf und hol dir an heißen Tagen einen Schluck Wasser.

In der Nähe

  • Place d’Armes: der kleinere, baumbestandene Platz direkt nördlich des Knuedler, mit Caféterrassen und einem Musikpavillon.
  • Großherzoglicher Palast: die offizielle Stadtresidenz des Großherzogs mit ihrer verzierten Fassade aus dem 16. Jahrhundert, wenige Gehminuten entfernt.
  • Kathedrale Notre-Dame: die Kathedrale Luxemburgs mit ihren schlanken Türmen und der Gruft der großherzoglichen Familie, ein kurzer Weg Richtung Südosten.
  • Chemin de la Corniche: der Weg entlang der alten Festungsmauern mit Blick auf das Viertel Grund und das Tal der Alzette.

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