
Der Odeonsplatz ist der große Platz, an dem Münchens Altstadt auf die breite, schnurgerade Ludwigstraße trifft. Leo von Klenze legte ihn im frühen 19. Jahrhundert für König Ludwig I. an, und die gelbe Theatinerkirche, die Residenz und die offene Loggia der Feldherrnhalle rahmen sein Südende. Er ist auch ein Ort schwerer Geschichte: 1923 endete Hitlers Putschversuch hier im Kugelhagel.
Der Odeonsplatz auf einen Blick
- Wo: am Nordrand der Altstadt, am Südende der Ludwigstraße, zwischen Residenz und Hofgarten.
- Angelegt: ab 1816, als Kronprinz Ludwig die Planung in Auftrag gab; den Namen Odeonsplatz trägt er seit 1827.
- Von: Leo von Klenze; die Feldherrnhalle an der Südseite stammt von Friedrich von Gärtner (1841–1844).
- Was er heute ist: ein Fußgängerplatz für Veranstaltungen, Open-Air-Konzerte, Umzüge und Demonstrationen, mit einem großen U-Bahnhof darunter.
- Zeitbedarf: 20–30 Minuten, länger mit einem Abstecher in den Hofgarten.
Vom Stadttor zum königlichen Prachtplatz
Bis ins späte 18. Jahrhundert stand hier das Schwabinger Tor, eines der Münchner Stadttore. Als die Mauern fielen, wollte man einen Platz, der der Straße von der Residenz nach Schloss Nymphenburg einen würdigeren Anfang gab. 1816 beauftragte Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., Klenze mit der Planung der gesamten Ludwigstraße samt diesem Platz. Klenze baute an der Westseite das Palais Leuchtenberg (1816–1821) und den Konzertsaal Odeon (1826–1828), beide nach dem Vorbild des römischen Palazzo Farnese; nach dem Odeon wurde der Platz 1827 benannt. 1841–1844 schloss Gärtner den Blick nach Süden mit der Feldherrnhalle, nach dem Vorbild der Loggia dei Lanzi in Florenz. 1862 kam ein Reiterstandbild Ludwigs I. hinzu.
Der Platz wurde Münchens Bühne für Paraden und Trauerzüge. Am 9. November 1923 endete der Marsch der Nationalsozialisten auf die Feldherrnhalle beim Hitlerputsch in einem Feuergefecht, bei dem vier bayerische Polizisten und 16 Putschisten starben. In der NS-Zeit stand an der Feldherrnhalle ein Mahnmal für die toten Putschisten, das Passanten grüßen mussten; 1945 wurde es entfernt. Eine Tafel an der Residenzwand erinnert heute an die vier Polizisten.
Worauf du achten solltest
- Die Loggia der Feldherrnhalle mit den Bronzestatuen der Feldherren Tilly und Wrede und dem Bayerischen Armeedenkmal.
- Die zwei steinernen Löwen auf den Stufen der Feldherrnhalle, 1906 aufgestellt; Münchner witzeln gern, dass der zur Residenz hin brüllt, während der zur Kirche hin den Mund hält.
- Die Theatinerkirche, 1663 begonnen und 1768 vollendet, deren ockergelbe Fassade und Doppeltürme dem Platz seine warme Farbe geben.
- Die Viscardigasse, das schmale Gässchen hinter der Feldherrnhalle, mit einer geschwungenen Spur aus polierten Bronzesteinen, 1995 ins Pflaster gesetzt.
- Das Reiterstandbild Ludwigs I. vor dem Odeon, mit Begleitfiguren, deren Tafeln seinen Wahlspruch ergeben: „Gerecht und beharrlich“.
Das Drückebergergassl
Als das NS-Mahnmal an der Feldherrnhalle stand, achtete ein Posten darauf, dass jeder Vorbeigehende den Hitlergruß zeigte. Viele Münchner wichen ihm still aus, indem sie durch die Viscardigasse hinter der Loggia gingen. So bekam das Gässchen den Spitznamen Drückebergergassl. 1995 markierte der Künstler Bruno Wank den Umweg mit einem geschwungenen Bronzeband im Pflaster. Geh ihn entlang: Er ist eine kleine, greifbare Erinnerung an alltägliche Verweigerung.
Tipps für deinen Besuch
- Für den klassischen Blick stell dich ans Südende der Ludwigstraße und schau nach Süden: Feldherrnhalle, Theatinerkirche und Residenz stehen dann in einem Bild.
- Komm am Abend, wenn die Gebäude beleuchtet sind und der Platz ruhiger ist.
- Geh durch das Hofgartentor an der Ostseite in einen stillen Garten mit Arkaden und einem kleinen Tempel in der Mitte.
- Schau in den Veranstaltungskalender der Stadt: Der Platz wird oft für Open-Air-Konzerte und Kundgebungen genutzt, dann sind Teile gesperrt.
In der Nähe
- Residenz: das ehemalige Schloss der bayerischen Herrscher direkt am Platz, mit prunkvollen Sälen und der Schatzkammer.
- Hofgarten: ein Barockgarten hinter dem Hofgartentor, ideal für eine ruhige Pause.
- Marienplatz: der Hauptplatz mit dem Neuen Rathaus und seinem Glockenspiel, ein kurzer Weg über die Theatinerstraße nach Süden.
- Frauenkirche: der Dom mit den zwei Hauben, wenige Gehminuten südwestlich.
München mit World City Trail entdecken
Unsere Schnitzeljagd in München macht die Altstadt zu einem Spiel auf deinem Handy. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert rund 3 Stunden, davon etwa 55 Minuten zu Fuß. Sie führt unter anderem zum Marienplatz, zur Frauenkirche und zur Residenz. Du kannst auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch oder Polnisch spielen.
Wenn dir ein anderes Format lieber ist: In München gibt es auch einen selbstgeführten Stadtrundgang und ein Outdoor-Escape-Game.
Die Schnitzeljagd in München spielen →
Den selbstgeführten Stadtrundgang durch München machen →
Das Outdoor-Escape-Game in München spielen →
Fakten geprüft im Oktober 2026.
