Das Opernhaus Nürnberg: Seelings Bau von 1905 und die Führerloge

The Nuremberg Opera House on Richard-Wagner-Platz

Das Opernhaus Nürnberg steht am Richard-Wagner-Platz, direkt vor der mittelalterlichen Stadtmauer beim Frauentor. Es wurde von Heinrich Seeling entworfen, 1905 eröffnet, zählt zu den größten Theatern Deutschlands und ist die Hauptbühne des Staatstheaters Nürnberg. Die Sandsteinfassade hat sich seitdem kaum verändert, den Zuschauerraum dagegen ließen die Nationalsozialisten 1935 umbauen – Kunst und politische Geschichte teilen sich hier ein Gebäude.

Das Opernhaus Nürnberg auf einen Blick

  • Wo: Richard-Wagner-Platz, am südwestlichen Rand der Altstadt, wenige Gehminuten vom Frauentor.
  • Eröffnet: September 1905, nach Baubeginn Anfang der 1900er-Jahre.
  • Von: Heinrich Seeling, einem auf Theaterbauten spezialisierten Berliner Architekten.
  • Was es heute ist: die Spielstätte für Oper, Ballett und Konzerte des Staatstheaters Nürnberg.
  • Zeitbedarf: 10–15 Minuten für die Fassade; einen Abend, wenn du eine Vorstellung besuchst.

Vom Jugendstilbau zur NS-Bühne

Seeling errichtete das Opernhaus auf dem Gelände eines ehemaligen Spitals und verband schwere neobarocke Formen mit Jugendstil-Dekor. Nur der Sandstein stammt aus Nürnberg selbst; der Entwurf war ein modernes Großstadttheater für eine rasch wachsende Industriestadt. Innen war der ursprüngliche Zuschauerraum prächtig im Jugendstil gestaltet. Lange war das Haus die städtische Bühne; erst 2005 wurde es zum Staatstheater Nürnberg.

1935 ließ das NS-Regime das Innere von Paul Schultze-Naumburg umgestalten, der den Jugendstil-Stuck entfernte und flache Decken einziehen ließ. Kurz vor dem Ende der Arbeiten wurde er entlassen; Gerdy Troost und Leonhard Gall vollendeten den Umbau. Hitler machte Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ zum festen Bestandteil der Reichsparteitage und verfolgte Vorstellungen hier aus seiner eigenen Loge. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude mit geringen Schäden; es wurde von der US-Armee genutzt und 1951 an die Stadt zurückgegeben. Der Umbau der 1930er-Jahre prägt das Bild des Saals bis heute weitgehend.

Worauf du achten solltest

  • Der Giebel der Hauptfassade: In einer Nische sitzt ein Mosaik der drei Nornen, der Schicksalsgöttinnen der nordischen Mythologie, nach einem Entwurf von Hermann Schwabe d. J.
  • Die Figurengruppe der Noris, der Personifikation Nürnbergs, flankiert von Orpheus und einer Allegorie des Theaters, mit Bronzen von Hermann Feuerhahn.
  • Die Kuppellaterne auf dem Dach: In den 1950er-Jahren modern wiederaufgebaut, wurde sie 1991 in ihrer ursprünglichen Form rekonstruiert.
  • Die Nordseite: Reliefköpfe von Philipp Kittler zwischen den Pilastern und ein Mosaik des Stadtwappens aus den 1950er-Jahren, als die Fassade vor dem Bühnenhaus neu errichtet wurde.
  • Die Gesamtwirkung: wuchtige neobarocke Baukörper mit Jugendstil-Details – ein Stil, den du in den mittelalterlichen Gassen innerhalb der Mauer nicht findest.

Die Führerloge und ein Tunnel, den es wohl nie gab

In der NS-Zeit entstand auf der Ostseite des Zuschauerraums eine eigene Loge nach dem Vorbild barocker Fürstenlogen, mit Salon und privater Toilette. Von dort sahen Hitler, Oberbürgermeister Willy Liebel und Gauleiter Julius Streicher die Vorstellungen. Seit Jahrzehnten hält sich die Geschichte, ein geheimer Tunnel habe vom nahen Hotel Deutscher Hof, Hitlers üblicher Unterkunft in Nürnberg, zum Opernhaus geführt. Die Macher der Ausstellung „Hitler.Macht.Oper“ 2018 im Dokumentationszentrum hielten ihn für höchstwahrscheinlich eine Legende.

Tipps für deinen Besuch

  • Betrachte die Fassade von der gegenüberliegenden Seite des Richard-Wagner-Platzes – dort passen Kuppel, Giebelmosaik und Figuren in ein Bild.
  • Den Saal aus den 1930er-Jahren siehst du nur bei einer Vorstellung; das Programm des Staatstheaters umfasst Oper, Ballett und Konzerte.
  • Eine lange Sanierung ist geplant: Die Stadt rechnet mit etwa zehn Jahren, in denen das Ensemble in eine Interimsspielstätte in der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zieht. 2026 stand noch kein Starttermin fest – informiere dich vor deinem Besuch.
  • Verbinde den Besuch mit dem Frauentor und der Stadtmauer und geh dann in die Altstadt Richtung Lorenzkirche.

In der Nähe

  • Frauentor: eines der Altstadttore, bewacht von einem mächtigen Rundturm, wenige Gehminuten entfernt.
  • Germanisches Nationalmuseum: eines der größten Museen für deutsche Kunst und Kultur, daneben Dani Karavans Straße der Menschenrechte.
  • St. Lorenz: die große gotische Kirche der südlichen Altstadt, im Chor hängt der Englische Gruß von Veit Stoß.
  • Schauspielhaus: Das Sprechtheater des Staatstheaters steht direkt neben dem Opernhaus.

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