
Die Ritterstraße (Odos Ippoton) ist die gerade, gepflasterte Straße, die in der Altstadt von Rhodos vom alten Hospital der Ritter hinauf zum Großmeisterpalast führt. An ihr stehen die Herbergen der „Zungen“, der nationalen Gruppen der Johanniter, die Rhodos vom frühen 14. Jahrhundert bis 1522 beherrschten. Sie wirkt fast unverändert seit jener Zeit, was allerdings auch das Werk von Restauratoren des 20. Jahrhunderts ist.
Die Ritterstraße auf einen Blick
- Wo: im Collachium, dem Ritterviertel im Norden der Altstadt, vom Museumsplatz bergauf bis zum Großmeisterpalast.
- Erbaut: Die Herbergen stammen meist aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert; im frühen 20. Jahrhundert wurde die Straße von den italienischen Behörden restauriert.
- Was sie heute ist: eine Fußgängerstraße, deren Herbergen Büros und Institutionen beherbergen; die meisten sind nicht zu besichtigen, man bewundert sie also von außen.
- Welterbe: Teil der mittelalterlichen Stadt Rhodos, seit 1988 UNESCO-Welterbe.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten für einen gemütlichen Gang hinauf, länger mit dem Palast.
Acht Zungen und eine Straße
Die Johanniter, ein geistlicher Ritterorden, eroberten Rhodos im frühen 14. Jahrhundert, nachdem sie ihren letzten Stützpunkt im Heiligen Land verloren hatten. Die Ritter kamen aus dem ganzen katholischen Europa und waren nach Sprache und Herkunft in „Zungen“ gegliedert: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragón, England, Deutschland und später Kastilien. Jede Zunge hatte eine Herberge, ein Hauptquartier, in dem sich ihre Ritter trafen, aßen und Gäste empfingen. Mehrere davon standen an dieser Straße, im Collachium, dem abgemauerten Viertel, in dem die Ritter getrennt vom Rest der Stadt lebten.
1522 eroberte der osmanische Sultan Süleyman der Prächtige Rhodos nach einer rund sechsmonatigen Belagerung, und die Ritter verließen die Insel; später ließen sie sich auf Malta nieder. Unter osmanischer Herrschaft wurden die Herbergen zu Wohnhäusern und erhielten spätere Anbauten. 1856 zerstörte eine Pulverexplosion die Johanneskirche der Ritter oben an der Straße und beschädigte den Palast schwer. Nachdem Italien 1912 den Dodekanes besetzt hatte, restaurierten die italienischen Behörden die Straße und entfernten viele der späteren Zutaten; der Palast wurde Ende der 1930er-Jahre neu aufgebaut.
Worauf du achten solltest
- Wappen: gemeißelte Schilde von Großmeistern, Rittern und Zungen über Türen und Fenstern, die ganze Straße hinauf. An der Herberge Frankreichs findest du das Wappen von Philippe Villiers de l’Isle-Adam, dem Großmeister, der Rhodos 1522 übergab.
- Die Herberge Frankreichs: die am reichsten geschmückte Fassade der Straße, mit einer kleinen Kapelle daneben und einer gotischen Madonna mit Kind in einer Nische.
- Der Bogen über der Straße: dahinter stehen sich rechts die Herberge der Provence und links die Herberge Spaniens gegenüber.
- Die Hospitalmauer unten: die lange Nordseite des Ritterhospitals, 1440 begonnen und 1489 vollendet, heute das Archäologische Museum.
- Der gotische Bogengang oben, wo die Straße vor dem Großmeisterpalast endet.
Tipps für deinen Besuch
- Geh die Straße bergauf, vom Museumsplatz zum Palast, dann bauen sich die Fassaden und der Palast vor dir auf.
- Komm früh am Morgen oder am späten Nachmittag. Tagsüber füllt sich die Straße mit Gruppen, vor allem wenn Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen.
- Die alten Pflastersteine sind glatt gelaufen und können rutschig sein: Trag Schuhe mit gutem Profil.
- Schau nach oben: Viele der schönsten Details, etwa Wappen und Fensterrahmen, sitzen weit über Augenhöhe.
In der Nähe
- Großmeisterpalast: der Festungspalast oben an der Straße, von den Italienern wieder aufgebaut, mit antiken Mosaikböden aus Kos.
- Archäologisches Museum: das frühere Ritterhospital unten an der Straße, mit einem schönen gotischen Innenhof und Funden von der ganzen Insel.
- Kirche Unserer Lieben Frau von der Burg: die byzantinische Kirche am Fuß der Straße, die den Rittern als Kathedrale diente, heute ein Museum.
- Sokratous-Straße und Süleyman-Moschee: die belebte Hauptstraße der Altstadt, die hinauf zur osmanischen Moschee führt, wenige Gehminuten entfernt.
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Fakten geprüft im Oktober 2026.
