Eine Genese aus dem Krieg: Die Geschichte des Bunkers

Die bemerkenswerte Geschichte von Sankt Sakrament beginnt nicht als Kirche, sondern als Luftschutzbunker. Im Jahr 1928 erwarb die katholische Kirchengemeinde St. Sakrament das Grundstück an der Heerdter Landstraße mit der Absicht, eine neue Kirche zu bauen. Aufgrund finanzieller Engpässe verzögerte sich das Projekt jedoch. Mit dem Ausbruch des Zweiter Weltkriegwurde das Grundstück zwischen 1940 und 1942 von der NS-Regierung für den Bau eines großen Hochbunkers enteignet.

In einem erstaunlichen Akt der Kriegstarnung und vielleicht einer subtilen Untergrabung der ursprünglichen Absicht wurde der Bunker absichtlich so gebaut, dass er einer Kirche ähnelt. Seine imposante, blockartige Form wurde mit einem Schrägdach und einer allgemeinen Silhouette versehen, die an einen Sakralbau erinnerte, angeblich um alliierte Bomber abzuschrecken. Dieser "Kirchenbunker" sollte die örtliche Bevölkerung schützen und überstand in bemerkenswerter Weise zahlreiche Volltreffer während der alliierten Bombenangriffe und blieb weitgehend unbeschädigt, während ein Großteil von Düsseldorf in Trümmern lag.

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Sankt Sakrament
Sankt Sakrament

Vom Schutzraum zum Zufluchtsort: Transformation in der Nachkriegszeit

Nach dem Krieg stand die Gemeinde, deren provisorische Holzkirche zerstört worden war, vor einer einzigartigen Herausforderung und Chance. Im Jahr 1947 übernahm Pfarrer Carl Klinkhammer, eine entschlossene und charismatische Persönlichkeit, die als "Ruhrkaplan" bekannt war, die gewaltige Aufgabe, den unnachgiebigen Betonbunker in eine voll funktionsfähige Kirche umzuwandeln. Dieses kühne Projekt wurde von dem Architekten Philipp Wilhelm Stang geleitet, der den Bunker ursprünglich entworfen hatte.

Der Umbau war ein monumentales Unterfangen. Um den für eine Kirche typischen hohen Innenraum zu schaffen, mussten massive, über zwei Meter dicke Betondecken durchgesprengt werden. Aus den über einen Meter dicken Wänden wurden Öffnungen für die Fenster herausgeschnitten. Eine neun Meter hohe Altarwand wurde errichtet, und 1952 kam ein Glockenturm aus Beton hinzu, der auf die strenge Ästhetik des Bunkers abgestimmt war. Pfarrer Klinkhammers unermüdlicher Einsatz bei der Mittelbeschaffung und sein guter Ruf ermöglichten die Verwirklichung dieser unglaublichen Vision. Am 30. Oktober 1949 weihte Kardinal Josef Frings das umgebaute Gebäude als katholische Kirche Sankt Sakrament ein.

Sankt Sakrament
Sankt Sakrament

Architektonische Identität und dauerhafte Symbolik

Die Architektur von Sankt Sakrament ist eine faszinierende Mischung aus ihren Ursprüngen und ihrer Nachkriegsnutzung. Auch wenn das Gebäude umgebaut wurde, bleibt sein "Bunker-Look" erhalten, der sich durch eine monumentale, schmucklose Betonfassade auszeichnet. Dieser robuste, fast brutalistische Stil, der durch die späteren Anbauten und inneren Veränderungen gemildert wird, verleiht dem Gebäude eine einzigartige und beeindruckende Präsenz. Der Innenraum ist trotz seiner Geschichte lichtdurchflutet, mit einem rechteckigen Kirchenschiff und einem ausgeprägten Altarbereich.

Über ihre physische Form hinaus ist die Bunkerkirche Sankt Sakrament von einer tiefen Symbolik durchdrungen. Sie erinnert eindringlich an die zerstörerische Torheit des Krieges und die Fähigkeit des menschlichen Geistes zu Frieden und Wandel. Sie wird oft als "die stabilste Kirche der Welt" bezeichnet, ein wörtliches und metaphorisches Zeugnis für ihre Widerstandsfähigkeit.

Sankt Sakrament
Sankt Sakrament

Ein neues Kapitel: Die koptisch-orthodoxe Gemeinschaft

In einem für die Kirche bedeutsamen neuen Kapitel wurde Sankt Sakrament im Dezember 2015 von der katholischen Gemeinde in eine koptisch-orthodoxe Gemeinde überführt. Am 12. Mai 2019 weihte Papst Tawadros II., das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, die Bunkerkirche als koptisch-orthodoxe Kirche ein und weihte sie offiziell wieder der Heiligen Maria. Diese Übertragung unterstreicht die sich wandelnde religiöse Landschaft in Deutschland und die anhaltende spirituelle Bedeutung dieses bemerkenswerten Gebäudes. Im Untergeschoss der Kirche sind noch Originalteile des Luftschutzbunkers erhalten, die als greifbares Denkmal an die einzigartige Vergangenheit der Kirche erinnern.

Das Sankt Sakrament in Düsseldorf, Pastor-Klinkhammer-Platz 1 (oder Heerdter Landstraße 270), ist mehr als nur eine Kirche; es ist ein lebendiges Denkmal. Sie entstand 1940-1942 aus einem Kriegsbunker und wurde 1947-1949 auf geniale Weise in einen sakralen Raum umgewandelt. Sie ist ein außergewöhnliches Beispiel für architektonische Anpassung und ein starkes Symbol für Frieden und Glauben im Herzen von Düsseldorf.

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