
Das Uphagenhaus ist ein schmales Bürgerhaus in der Langgasse 12 (Długa) am Königsweg von Danzig, eingerichtet als Wohnhaus eines reichen Kaufmanns des 18. Jahrhunderts. Es gehört zu den ganz wenigen Bürgerhäusern dieser Zeit in Europa, die du Raum für Raum besichtigen kannst, von Küche und Speisekammer bis zum Musikzimmer. Das Ungewöhnlichste sind die kleinen Seitenzimmer, deren Holzvertäfelungen mit Insekten und Blumen bemalt sind.
Das Uphagenhaus auf einen Blick
- Wo: Długa 12 (Langgasse), zwischen dem Goldenen Tor und dem Rechtstädtischen Rathaus in der Rechtstadt von Danzig.
- Erbaut: Ein Backsteinhaus stand hier schon im 15. Jahrhundert; seine heutige Rokokoform geht auf den Umbau zurück, den Johann Uphagen nach 1775 veranlasste.
- Von: dem Baumeister Johann Benjamin Dreyer, nach genauen Vorgaben Uphagens selbst.
- Was es heute ist: das Museum der Bürgerlichen Wohnkultur, eine Abteilung des Museums Danzig.
- Zeitbedarf: 45 Minuten bis eine Stunde im Haus.
Vom Gelehrtenhaus zum Museum
Johann Uphagen (1731–1802) war Kaufmannssohn, Historiker, Büchersammler und Schöffe der Stadt. Im Juni 1775 kaufte er das Haus in der Langgasse von Konstancja Mielżyńska und ließ es nach seinen eigenen genauen Plänen im modischen Rokokostil umbauen. Im Oktober 1779 zog er ein, doch der letzte Raum, der Salon, war erst 1787 fertig. Uphagen hatte keine Kinder; er vermachte das Haus seinem jüngeren Bruder, und als Majorat blieb es über ein Jahrhundert lang in der Familie.
Anfang des 20. Jahrhunderts verpachtete die Familie das Haus an die Stadt, und es wurde als Museum über Uphagens Wohnhaus eröffnet. 1944 brachten deutsche Kuratoren die Möbel aufs Land, und im März 1945 brannte das Gebäude bei der sowjetischen Eroberung der Stadt aus. Nach dem Krieg wurde es anhand erhaltener Unterlagen wiederaufgebaut, und einige der originalen Einrichtungsstücke kehrten Anfang der 1950er-Jahre zurück. Nach jahrelanger Restaurierung öffnete das Haus 1998 wieder für Besucher, als Museum der Bürgerlichen Wohnkultur.
Worauf du achten solltest
- Die ziegelrote Fassade mit drei Fensterachsen, eine der bescheideneren Fronten in einer Straße hoher Kaufmannshäuser.
- Das Insektenzimmer und das Blumenzimmer im Seitenflügel, deren niedrige Holzvertäfelung mit Käfern, Schmetterlingen und Blüten bemalt ist.
- Das Musikzimmer, der dritte der kleinen Seitensalons, und das Teezimmer, in dem der Haushalt Gäste empfing.
- Der große Speisesaal und der Salon im ersten Stock mit geschnitzten Türen, Vertäfelungen und Stuck aus Uphagens Zeit.
- Küche, Speisekammer und Köchinnenstube, die die Arbeitsseite eines reichen Haushalts zeigen, sowie das Kontor, in dem die Geschäfte liefen.
Ein Haus, zwei Straßen
Wie viele Häuser der Danziger Rechtstadt steht das Uphagenhaus auf einer langen, schmalen Parzelle. Es reicht durch den ganzen Block von der Langgasse bis zur Hundegasse (Ogarna), mit einem Seitenflügel an einer Seite. Darum fühlt sich der Rundgang wie eine Reise an: von den prächtigen Räumen zur Straße über den Seitenflügel mit seinen kleinen Salons bis zu den Wirtschaftsräumen hinten.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Vormittag, bevor die Reisegruppen die Langgasse füllen; im Haus selbst ist es selten voll.
- Nimm dir Zeit im Seitenflügel: Die bemalten Paneele sind niedrig und schnell übersehen.
- Verbinde den Besuch mit dem Rechtstädtischen Rathaus, einer weiteren Abteilung desselben Museums, nur wenige Häuser entfernt.
- Schau dir die Fassade von der anderen Straßenseite an und vergleiche sie mit den höheren, prunkvolleren Häusern ringsum.
In der Nähe
- Rechtstädtisches Rathaus: das gotische Rathaus mit seiner hohen Turmspitze, ein kurzer Weg ostwärts die Langgasse entlang.
- Langer Markt, Artushof und Neptunbrunnen: der große Platz der Stadt, gleich hinter dem Rathaus.
- Goldenes Tor: das prunkvolle Tor am westlichen Ende des Königswegs, wenige Minuten westlich.
- Frauengasse (Mariacka): die Gasse mit ihren Beischlägen, die zur Marienkirche führt, ein kurzer Weg nach Nordosten.
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