Fürstenzug in Dresden: 23.000 Porzellanfliesen und 35 Herrscher

The Fürstenzug porcelain mural on Augustusstraße in Dresden

Der Fürstenzug ist ein rund 102 Meter langes Wandbild an der Außenwand des Stallhofs des Dresdner Residenzschlosses entlang der Augustusstraße. Er zeigt die Herrscher Sachsens aus dem Haus Wettin als Reiterzug durch acht Jahrhunderte und besteht aus rund 23.000 Fliesen aus Meißner Porzellan, womit er zu den größten Porzellankunstwerken der Welt zählt.

Der Fürstenzug auf einen Blick

  • Wo: Augustusstraße in der Dresdner Altstadt, zwischen dem Georgentor des Schlosses und dem Johanneum, eine Minute von der Frauenkirche.
  • Entstanden: 1872–1876 als Sgraffito gemalt; zwischen 1904 und 1907 auf Porzellanfliesen übertragen.
  • Von: dem Historienmaler Wilhelm Walther; die Fliesen fertigte die Porzellan-Manufaktur Meissen.
  • Heute: ein Kunstwerk unter freiem Himmel an einer öffentlichen Straße, jederzeit kostenlos zu sehen.
  • Zeitbedarf: 15 bis 20 Minuten, um ihn ganz abzulaufen und die wichtigsten Figuren zu finden.

Vom gekratzten Putz zum Porzellan

Die Wand des Stallhofs war schon 1589 bemalt, doch im 19. Jahrhundert war das alte Bild verblasst. Zur 800-Jahr-Feier der Wettiner 1889 schlug der Maler Wilhelm Walther einen neuen Entwurf vor: einen Festzug aller sächsischen Herrscher. Er fertigte Zeichnungen in Originalgröße an und schuf das Wandbild zwischen 1872 und 1876 in Sgraffito, einer Technik, bei der farbige Putzschichten weggekratzt werden. Walther studierte Porträts in den königlichen Sammlungen, um Gesichter und Kostüme so genau wie möglich darzustellen.

Das schwarz-weiße Sgraffito hielt dem Dresdner Wetter schlecht stand und war um 1900 stark beschädigt. Die Manufaktur Meissen sollte es auf Porzellanfliesen übertragen, die bei sehr hohen Temperaturen gebrannt wurden. Maler in Meißen arbeiteten von Ende 1904 bis 1906 nach Walthers Originalkartons, jede Fliese wurde auf der Rückseite nummeriert, und zwischen April und August 1907 wurden die Fliesen an der Wand angebracht. Im Februar 1945 zerstörten die Luftangriffe auf Dresden fast die ganze umliegende Altstadt, doch der Fürstenzug überstand sie mit nur geringen Schäden.

Worauf du achten solltest

  • Die 35 berittenen Markgrafen, Kurfürsten, Herzöge und Könige, von Konrad dem Großen, der ab 1127 regierte, bis zu Georg, der 1902 König wurde; unter jedem steht sein Name.
  • August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, der mehr als jeder andere aus Dresden eine barocke Residenzstadt machte.
  • Die Kleidung: Jeder Herrscher trägt Rüstung und Gewand seiner eigenen Zeit, sodass das Bild auch eine Modegeschichte über 800 Jahre ist.
  • Die 59 Menschen zu Fuß, die die Herrscher begleiten, darunter Gelehrte, Künstler, Handwerker, Bauern und Kinder.
  • Die Gruppe am Ende des Zuges, in der Walther sich selbst unter den Künstlern und Gelehrten verewigt hat.

Der König, der nie mitreiten durfte

Während die Fliesen entstanden, starb König Georg, und sein Sohn Friedrich August III. bestieg 1904 den Thron. Man überlegte, den neuen König ans Ende des Zuges zu setzen, doch mit seiner Zustimmung blieb das Bild unverändert, da es bereits als historisches Werk galt. So bekam der letzte König von Sachsen, der 1918 abdankte, nie einen Platz an der Wand, und der Zug endet mit Georg, hier noch als Prinz dargestellt.

Tipps für deinen Besuch

  • Beginne an einem Ende und geh die ganze Länge langsam ab: In Pferden, Bannern und Gesichtern steckt erstaunlich viel Detail.
  • Stell dich für den Überblick auf die andere Seite der Augustusstraße und geh dann nah heran, um die einzelnen Fliesen und ihre feinen Fugen zu sehen.
  • Komm früh am Morgen oder am Abend, wenn weniger Reisegruppen auf dem Weg zur Frauenkirche durch die Straße ziehen.
  • Wirf durch das Tor einen Blick in den Stallhof hinter der Wand, wo einst Turniere stattfanden und im Winter ein Weihnachtsmarkt aufgebaut wird.

In der Nähe

  • Frauenkirche: Dresdens große evangelische Kuppelkirche, 1945 zerstört und bis 2005 wieder aufgebaut, eine Gehminute entfernt.
  • Residenzschloss: das königliche Schloss mit dem Grünen Gewölbe, direkt hinter dem Fürstenzug.
  • Brühlsche Terrasse: die erhöhte Promenade über der Elbe, bekannt als Balkon Europas, wenige Gehminuten entfernt.
  • Semperoper und Zwinger: das Opernhaus und die barocke Palastanlage auf der anderen Seite des Schlosses, wenige Gehminuten entfernt.

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