
Das Freiburger Münster ist die Kathedrale aus rotem Sandstein mitten auf dem Münsterplatz, dem Marktplatz der Stadt. Sein 116 Meter hoher Westturm war um 1330 fertig. Damit ist er der einzige große gotische Kirchturm im heutigen Deutschland, der noch im Mittelalter vollendet wurde. Der Historiker Jacob Burckhardt nannte ihn den schönsten Turm auf Erden.
Das Freiburger Münster auf einen Blick
- Wo: auf dem Münsterplatz in der Altstadt von Freiburg im Breisgau, umgeben von den Ständen des Münstermarkts.
- Erbaut: begonnen um 1200; der Westturm war um 1330 vollendet, der spätgotische Chor wurde 1513 geweiht.
- Von wem: begonnen unter Herzog Berthold V. von Zähringen; ab 1354 arbeitete Johannes von Gmünd am neuen Chor.
- Heute: Kathedrale des Erzbistums Freiburg (seit 1827) und Pfarrkirche, betreut von einer eigenen Münsterbauhütte.
- Zeitbedarf: 45 Minuten für das Äußere, die Turmvorhalle und das Langhaus; mehr, wenn du auf den Turm steigst.
Von der Herzogskirche zur Kathedrale
Die Arbeiten begannen um 1200 unter Berthold V., dem letzten Herzog von Zähringen, dessen Familie Freiburg gegründet hatte; er wurde 1218 in der Kirche beigesetzt. Die ältesten Teile, das Querhaus und die beiden kleinen Hahnentürme neben dem Chor, sind noch romanisch. Ab etwa 1230 bauten die Steinmetze im neuen gotischen Stil weiter, und die Freiburger Bürger übernahmen das Projekt. Zuerst vollendeten sie den Westturm: Um 1330 stand der durchbrochene Helm, 46 Meter steinernes Maßwerk, zusammengehalten von Eisenklammern. Er wurde zum Vorbild für spätere Turmhelme in Bern und Ulm.
Der Chor dauerte viel länger. Der Bau begann 1354, mit Johannes von Gmünd aus der Baumeisterfamilie Parler auf der Baustelle, und geweiht wurde er erst 1513. Insgesamt wurde also über 300 Jahre am Münster gebaut. Die meiste Zeit war es eine Pfarrkirche im Bistum Konstanz; zur Kathedrale wurde es 1827 mit der Gründung des Erzbistums Freiburg. Beim Luftangriff vom 27. November 1944 wurde ein großer Teil der Altstadt zerstört, auch Häuser am Münsterplatz, doch das Münster blieb weitgehend erhalten. Die mittelalterlichen Fenster waren vorher ausgebaut und eingelagert worden.
Worauf du achten solltest
- Die Turmvorhalle: mehr als 400 Figuren, über der Tür das Jüngste Gericht. Such den kleinen Teufel, der versucht, die Waage mit den guten und schlechten Taten zu kippen.
- Die Marktmaße: In die Wand neben dem Portal sind Brotmaße und andere Maße eingehauen, damit die Kundschaft auf dem Markt die Größe der Ware prüfen konnte.
- Die Wasserspeier: Das Münster hat 91 davon, Menschen, Tiere und Fabelwesen. Auf der Südseite des Langhauses streckt einer, der Hinternentblößer, der Stadt seinen nackten Hintern entgegen.
- Die Zunftfenster: Viele Fenster im Langhaus wurden von den Freiburger Zünften gestiftet. Ihre Zeichen, etwa die Brezel der Bäcker, sind in den unteren Feldern zu sehen.
- Der Hochaltar von Hans Baldung Grien im Chor mit der Krönung Mariens, gemalt im frühen 16. Jahrhundert.
- Der Turmhelm von unten: Stell dich in die Turmvorhalle und schau senkrecht nach oben durch das offene Maßwerk.
Die Hosanna-Glocke
Das Münster hat 19 Glocken. Die älteste, die Hosanna, wurde 1258 gegossen und hat einen Durchmesser von über 1,60 Metern. Sie läutet donnerstagabends nach dem Angelus und freitags um 11 Uhr zur Erinnerung an die Kreuzigung. Am 27. November läutet sie im Gedenken an den Luftangriff von 1944. Die Freiburger haben für das Freitagsläuten einen Spitznamen: die Spätzleglocke.
Tipps für deinen Besuch
- Komm vormittags, dann siehst du das Münster mit dem Münstermarkt drumherum: Bauernstände und Wurstbuden füllen den Platz an allen Tagen außer Sonntag.
- Den besten Blick auf den ganzen Turm hast du von der gegenüberliegenden Platzseite beim roten Historischen Kaufhaus oder vom Schlossberg über den Dächern der Stadt.
- Der Turm kann meist bis zu einer Aussichtsgalerie hoch über dem Platz bestiegen werden. Informiere dich vorher, denn bei schlechtem Wetter und Bauarbeiten bleibt er geschlossen.
- Das Münster ist eine Kirche im Gebrauch: Sei während der Gottesdienste leise und lauf nicht durch das Langhaus, während die Messe gefeiert wird.
In der Nähe
- Historisches Kaufhaus: die rote Kaufhalle an der Südseite des Platzes aus dem frühen 16. Jahrhundert, mit Statuen von Habsburger Herrschern an der Fassade.
- Altes Rathaus: das bemalte rote Rathaus am Rathausplatz, wenige Gehminuten westlich.
- Schwabentor: eines der beiden erhaltenen mittelalterlichen Stadttore, am Ostrand der Altstadt.
- Die Bächle: die schmalen Wasserrinnen in vielen Altstadtgassen. Der Legende nach heiratest du jemanden aus Freiburg, wenn du aus Versehen hineintrittst.
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