
Der Artushof (Dwór Artusa) ist die prächtige Halle am Langen Markt in Danzig, in der sich die Kaufleute der Stadt jahrhundertelang trafen, feierten und Geschäfte machten. Benannt nach dem legendären König Artus, ist er heute ein Museum, und innen steht ein fast 11 Meter hoher Kachelofen, der als größter der Renaissance gilt.
Der Artushof auf einen Blick
- Wo: Długi Targ (Langer Markt) 43/44, am Königsweg, direkt hinter dem Neptunbrunnen.
- Erbaut: zuerst 1348–1350; die heutige gotische Halle nach einem Brand 1476–1477, mit neuer Fassade 1616–1617.
- Von: Die Fassade stammt von Abraham van den Blocke, im niederländischen Manierismus.
- Heute: eine Abteilung des Museums Danzig; die historische Halle ist für Besucher geöffnet und dient für offizielle Empfänge.
- Zeitbedarf: etwa eine Stunde innen; 10 Minuten für die Fassade vom Platz aus.
Vom Kaufmannsclub zum Museum
Nach König Artus benannte Hallen entstanden in mehreren Handelsstädten an der Ostsee als Treffpunkte reicher Bürger, die sich gern als Erben der Ritter der Tafelrunde sahen. Die Danziger Halle wurde 1348–1350 gebaut und 1357 erstmals als ‘curia regis Artus’ erwähnt. Nach Bränden 1476 und 1477 wurde sie als die gewölbte gotische Halle wieder aufgebaut, die heute noch steht. Drinnen saßen die Mitglieder nach Bruderschaften, jede mit ihrer eigenen Bank: die Reinholds-, die Christophorus-, die Marienburger, die Dreikönigs-, die Schöppen- und die Holländerbank.
1552 erhielt der Hof zum Besuch von König Sigismund II. August eine Renaissancefassade, und 1616–1617 gab ihm Abraham van den Blocke die Front, die du heute siehst. Ab 1742 diente die Halle als Börse der Stadt. Die Kämpfe 1945 beschädigten das Gebäude schwer; am 28. März 1945 hissten Soldaten der polnischen 1. Panzerbrigade hier die polnische Flagge, woran eine Tafel an der Fassade erinnert. Ein Großteil der Ausstattung, auch der Ofen, konnte wiederhergestellt werden, weil viele Teile außerhalb der Stadt versteckt worden waren, und 1997 öffnete der restaurierte Hof wieder.
Worauf du achten solltest
- Die Fassadenfiguren: vier Helden der Antike, Scipio Africanus, Themistokles, Camillus und Judas Makkabäus, darüber Allegorien von Stärke und Gerechtigkeit und ganz oben auf dem Giebel Fortuna.
- Die Königsmedaillons: Bildnisse von König Sigismund III. Wasa und seinem Sohn Władysław IV. zu beiden Seiten des Portals.
- Der große Ofen: 1545–1546 von Georg Stelzner gebaut, fast 11 Meter hoch und mit rund 520 Kacheln bedeckt, die Herrscher der Zeit zeigen, darunter Kaiser Karl V., bekrönt von den Wappen Polens, Danzigs und des Königlichen Preußen.
- Die gewölbte Halle: schlanke Granitpfeiler tragen die Sterngewölbe, und von der Decke hängen Schiffsmodelle, eine Erinnerung daran, dass die Mitglieder ihr Geld auf See verdienten.
- Die Gemälde: Such die Belagerung der Marienburg und das Schiff der Kirche aus dem späten 15. Jahrhundert sowie Orpheus unter den Tieren von Hans Vredeman de Vries von 1596.
- Die Flaggentafel: die Gedenktafel von 1965 an der Vorderwand, die an das Hissen der polnischen Flagge im März 1945 erinnert.
Warum König Artus?
Keine Legende verbindet König Artus mit Danzig. Der Name geht auf eine Mode des späten Mittelalters zurück, als kaufmännische Eliten rund um die Ostsee ihre Clubs nach dem ritterlichen Ideal von Artus’ Tafelrunde gestalteten. Der Danziger Artushof ist die bekannteste dieser Hallen und vermittelt noch heute, wie sie aussahen.
Tipps für deinen Besuch
- Schau dir die Fassade am Morgen oder späten Nachmittag an, vor oder nach dem größten Andrang auf dem Langen Markt.
- Nimm dir drinnen Zeit für den Ofen: Die Kacheln lohnen einen genauen Blick, und viele davon sind Originale.
- Die Halle ist bei offiziellen Anlässen und Empfängen manchmal für Besucher geschlossen; informiere dich vorher.
In der Nähe
- Neptunbrunnen: der bronzene Meeresgott vor dem Artushof, seit dem frühen 17. Jahrhundert ein Symbol für Danzigs Verbindung zum Meer.
- Rechtstädtisches Rathaus: das gotische Rathaus mit dem hohen Turm am oberen Ende des Langen Marktes, nur ein paar Schritte entfernt.
- Grünes Tor: das Tor am Flussende des Langen Marktes, das sich zum Ufer der Mottlau öffnet.
- Marienkirche: eine der größten Backsteinkirchen der Welt, wenige Gehminuten nördlich.
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