
Der Neptunbrunnen steht auf dem Langen Markt (Długi Targ) in Danzig, direkt vor dem Artushof, dem alten Versammlungshaus der Kaufleute. Der bronzene Meeresgott wurde um 1615 gegossen, doch der Brunnen sprudelte erst 1633, nach jahrelangen Problemen mit der Wasserversorgung. Für eine Hafenstadt, die mit dem Ostseehandel reich wurde, war Neptun das naheliegende Symbol.
Der Neptunbrunnen auf einen Blick
- Wo: Długi Targ (Langer Markt), vor dem Artushof, in der Rechtstadt (Główne Miasto).
- Geschaffen: Baubeginn 1606; Bronzeguss um 1614–1615; erstmals in Betrieb am 9. Oktober 1633; das Rokoko-Becken kam 1757–1761 hinzu.
- Von: Abraham van den Blocke (der Brunnen); der flämische Bildhauer Peter Husen (das Modell des Neptun); Johann Carl Stender (das Rokoko-Becken).
- Was er heute ist: ein funktionierender Brunnen, als Teil der Altstadt ein geschütztes Geschichtsdenkmal Polens und der beliebteste Treffpunkt der Stadt.
- Zeitbedarf: 10 Minuten, mehr, wenn du den Artushof dazunimmst.
Ein Brunnen, der 27 Jahre bis zum ersten Wasser brauchte
Der Stadtrat unter Bürgermeister Bartholomäus Schachmann wollte vor dem Artushof ein Prunkstück, mit Neptun zu den Häusern gewandt, in denen polnische Könige bei ihren Besuchen wohnten. Abraham van den Blocke begann 1606 mit den Steinarbeiten, Peter Husen bereitete ab 1612 das Modell der Figur vor, und die Statue, etwa 2 Meter hoch und rund 650 kg schwer, wurde 1614–1615 in Bronze gegossen. Dann begannen die Probleme: Die geplante unterirdische Leitung brachte zu wenig Druck, und Arbeiten am Artushof und der Krieg mit Schweden verzögerten alles, während die Statue im Großen Zeughaus wartete. Am 9. Oktober 1633 lief der Brunnen endlich. Jahrhundertelang speisten ihn Wassertanks auf den Dächern von Rathaus und Artushof, und er lief nur an bestimmten Tagen.
Zwischen 1757 und 1761 gab Johann Carl Stender dem Brunnen ein neues Becken und einen Sockel aus Sandstein im Rokokostil, und das eiserne Gitter wurde mit den Wappen Danzigs und Polens an den Toren erneuert. In den 1930er-Jahren wurden die polnischen Adler vom Gitter entfernt. 1945 wurden Statue und Gitter abgebaut und nach Parchowo gebracht, einem Dorf bei Bytów, und überstanden so die Zerstörung der Altstadt. Nach der Instandsetzung war Neptun am 22. Juli 1957 wieder in Betrieb, mit wiederhergestellten Adlern. Die letzte umfassende Restaurierung fand 2011–2012 statt.
Worauf du achten solltest
- Neptun selbst: der bronzene Gott, der sich auf seinem Sockel dreht und den Dreizack erhebt. Die Figur war ursprünglich bemalt.
- Das Feigenblatt: 1988 von der Stadtverwaltung angebracht und seitdem mehrmals gestohlen oder verloren gegangen.
- Das Rokoko-Becken: Achte auf die Meereswesen an der Balustrade, ein Seepferdchen im Norden, eine Meerjungfrau im Süden, ein Triton mit Meerjungfrauen im Westen und ein Seehund mit einem Putto im Osten.
- Das Gitter: die vergoldeten polnischen Adler an den Toren im Osten und Westen und das Danziger Wappen, zwei Kreuze unter einer Krone, an den Toren im Norden und Süden.
- Die Inszenierung: Neptun steht auf einem dunklen Steinschaft direkt vor der Fassade des Artushofs, sodass beide wie eine Komposition wirken.
Die Legende vom Goldwasser
Eine Legende verbindet den Brunnen mit dem Danziger Goldwasser, dem Kräuterlikör mit Blattgoldflocken, der seit langem in der Stadt hergestellt wird. Die Leute, so heißt es, warfen so viele Goldmünzen für Glück in den Brunnen, dass Neptun die Geduld verlor, mit dem Dreizack ins Wasser schlug, die Münzen in winzige Flocken zerschlug und das Wasser in Likör verwandelte. Die Wirte füllten eilig ihre Fässer, fanden am nächsten Tag aber nur Wasser darin, bis auf einen ehrlichen Wirt in der Breitgasse (Szeroka), dessen Keller voller Goldwasser war. Eine Legende, natürlich, aber ein guter Grund, den Likör zu probieren.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen oder am Abend: Im Sommer ist der Lange Markt mittags voller Menschen.
- Für das klassische Foto stell dich Richtung Grünes Tor und nimm Neptun mit dem Rathausturm im Hintergrund auf.
- Das Gitter schützt den Brunnen, also kletter nicht darauf und setz dich nicht auf das Becken.
In der Nähe
- Artushof: die Kaufmannshalle direkt hinter Neptun, heute ein Museum, mit einem Renaissance-Kachelofen von über 10 Metern Höhe.
- Rechtstädtisches Rathaus: das gotische Rathaus mit hohem Turm am oberen Ende des Langen Markts, Sitz des Museums Danzig.
- Goldenes Tor: das Tor aus dem frühen 17. Jahrhundert am anderen Ende der Langgasse (ulica Długa), ebenfalls von Abraham van den Blocke entworfen.
- Grünes Tor: das Tor am unteren Ende des Langen Markts zur Mottlau hin, ein paar Gehminuten entfernt.
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