
Der Lange Markt (Długi Targ) ist die breite, platzartige Straße am Ende des Danziger Königswegs, zwischen dem Rechtstädtischen Rathaus und dem Grünen Tor an der Mottlau. Jahrhundertelang war er der wichtigste Markt der Stadt und ihre vornehmste Adresse, gesäumt von Kaufmannshäusern, dem Artushof und dem Neptunbrunnen. Fast alles, was du siehst, wurde nach 1945 wieder aufgebaut, als die Rechtstadt in Trümmern lag.
Der Lange Markt auf einen Blick
- Wo: in der Rechtstadt (Główne Miasto).
- Entstanden: als Markt der mittelalterlichen Rechtstadt; die meisten Fassaden stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert.
- Was er heute ist: ein Fußgängerplatz und der belebteste Abschnitt der Altstadt, mit Cafés, dem Neptunbrunnen sowie dem Rathaus und dem Artushof, beide Abteilungen des Museums Danzig.
- Zeitbedarf: 30 Minuten für den Weg und die Fassaden; ein bis zwei Stunden, wenn du ins Rathaus oder in den Artushof gehst.
Vom Kaufmannsmarkt zum wiederaufgebauten Prunkstück
Langgasse und Langer Markt bilden zusammen den Königsweg (Droga Królewska), die Route, der polnische Könige bei ihrem feierlichen Einzug in Danzig folgten: durch das Hohe Tor und das Goldene Tor, die Langgasse entlang und über den Langen Markt bis zum Grünen Tor. Das Rathaus wurde nach einem Brand 1556 im Renaissancestil erneuert, und 1561 setzte man eine vergoldete Figur König Sigismunds II. August auf seine Turmspitze. Im frühen 17. Jahrhundert prägte der aus Flandern stammende Architekt Abraham van den Blocke den Platz: Er entwarf den Neptunbrunnen, die Fassade des Artushofs und das Goldene Haus.
Im März 1945, bei den Kämpfen um die Stadt und den folgenden Bränden, brannte die Rechtstadt aus, und vom Langen Markt blieben vor allem Ruinen und Schutt. Der Wiederaufbau begann bald nach dem Krieg. Das Rathaus war bis 1952 weitgehend wiederhergestellt, der Neptunbrunnen sprudelte 1957 wieder, und beim Goldenen Haus verwendete man Bruchstücke der originalen Reliefs, sodass ein großer Teil des Fassadenschmucks alter Stein ist.
Worauf du achten solltest
- Der Neptunbrunnen: der bronzene Meeresgott vor dem Artushof, entworfen von Abraham van den Blocke, 1615 gegossen und seit 1633 als Brunnen in Betrieb. Das Gitter mit vergoldeten polnischen Adlern kam 1634 dazu.
- Der Artushof: die hohe Fassade mit riesigen Fenstern hinter Neptun, wo sich die Kaufleute der Stadt trafen, handelten und feierten.
- Das Goldene Haus (Złota Kamienica) Nr. 41, 1609–1618 für den Bürgermeister Jan Speymann erbaut: vergoldete Reliefs mit Herrschern und Schlachtszenen, Statuen der vier Kardinaltugenden oben und Fortuna ganz an der Spitze.
- Zwei Inschriften am Goldenen Haus, sinngemäß: „Handle gerecht, fürchte niemanden“ und „Liebe die Tugend, und sie macht dich glücklich; verfolge sie, und sie vernichtet dich“.
- Der Rathausturm am Westende, gut 80 Meter hoch, mit der kleinen vergoldeten Figur Sigismunds II. August, die sich ganz oben im Wind dreht.
- Das Grüne Tor am Ostende, 1564–1568 nach Plänen von Regnier aus Amsterdam als Residenz für polnische Monarchen auf Besuch erbaut. Tatsächlich hat nie ein König dort gewohnt.
Neptun und das Gold im Goldwasser
Eine bekannte Legende verbindet den Brunnen mit dem Danziger Goldwasser, dem Kräuterlikör mit Blattgoldflocken, der seit Jahrhunderten in der Stadt hergestellt wird. Die Leute, so heißt es, warfen so viele Münzen in Neptuns Becken, dass der Gott wütend mit dem Dreizack ins Wasser schlug und das Gold in winzige Flocken zersprang, die im Likör landeten. Es ist nur eine Legende.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen oder am Abend. Mittags ist der Platz im Sommer voll, und die Fassaden wirken im flachen Licht am schönsten.
- Für das klassische Foto stellst du dich ans Grüne Tor und schaust nach Westen zum Rathausturm. Im Sommer kannst du auch den Rathausturm besteigen und den ganzen Königsweg überblicken.
- Geh den ganzen Königsweg: Start am Hohen Tor und am Goldenen Tor, durch die Langgasse, über den Langen Markt bis zum Grünen Tor.
- Ende Juli und im August füllt der Dominiksmarkt (Jarmark św. Dominika) die Straßen rund um den Platz mit Ständen.
In der Nähe
- Das Mottlau-Ufer: Geh durch das Grüne Tor zur Uferpromenade und zum mittelalterlichen Krantor (Żuraw), dem hölzernen Hafenkran, der zum Wahrzeichen Danzigs geworden ist.
- Die Marienkirche: eine der größten Backsteinkirchen der Welt, wenige Gehminuten nördlich, mit einer astronomischen Uhr aus dem 15. Jahrhundert.
- Die Frauengasse (ulica Mariacka): die Gasse mit steinernen Beischlägen und Bernsteinläden, die von der Marienkirche zum Fluss führt.
- Langgasse und Goldenes Tor: die westliche Hälfte des Königswegs, die am 1614 vollendeten Goldenen Tor endet.
Danzig mit World City Trail entdecken
Unsere Schnitzeljagd in Danzig macht die Altstadt zu einem Spiel auf deinem Handy. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert etwa 2 Stunden, davon rund 24 Minuten zu Fuß. Sie führt zum Artushof und zum Neptunbrunnen am Langen Markt sowie zum Hohen Tor und zum Goldenen Tor am Königsweg. Du kannst auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch oder Polnisch spielen.
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