St. Nikolai in Hamburg: die Kirchenruine, die den Bombern den Weg wies

The tower and ruins of St. Nikolai in Hamburg

St. Nikolai ist die Kirchenruine mit dem hoch aufragenden neugotischen Turm an der Willy-Brandt-Straße in Hamburg, zwischen Rathaus und Speicherstadt. Als ihr Turm 1874 fertig war, war sie für kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt; im Juli 1943 nutzten alliierte Piloten sie als Orientierungspunkt bei den Angriffen, die große Teile der Stadt zerstörten. Heute bilden der Turm und die erhaltenen Mauern das Mahnmal St. Nikolai, ein Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

St. Nikolai auf einen Blick

  • Wo: Willy-Brandt-Straße, am Hopfenmarkt, ein paar Gehminuten von Rathaus und Speicherstadt entfernt.
  • Erbaut: ab 1846 nach dem Großen Brand von 1842; geweiht 1863, Turm vollendet 1874.
  • Von: dem englischen Architekten George Gilbert Scott.
  • Was es heute ist: ein Mahnmal mit Dokumentationszentrum in der Krypta und einem gläsernen Aufzug im Turm zu einer Aussichtsplattform in 76 Metern Höhe.
  • Zeitbedarf: etwa eine Stunde für Aufzug, Ruine und Ausstellung.

Vom höchsten Gebäude der Welt zum Mahnmal

Um 1195 stand hier eine hölzerne Kapelle, ab 1335 folgte eine Backsteinkirche. Im Mai 1842 zerstörte der Große Brand von Hamburg sie zusammen mit weiten Teilen der Altstadt. Die Gemeinde wählte einen Entwurf von George Gilbert Scott, dem englischen Vorkämpfer der Neugotik, und die neue Kirche wurde am 27. September 1863 geweiht. Ihr rund 147 Meter hoher Turm wurde 1874 vollendet und machte St. Nikolai zum höchsten Gebäude der Welt, bis die Kathedrale von Rouen sie 1876 überholte. Bis heute ist er Hamburgs höchster Kirchturm.

Bei den alliierten Luftangriffen der Operation Gomorrha im Juli 1943, bei denen in Hamburg mehr als 34.000 Menschen starben, diente der Turm den Bomberbesatzungen als Orientierungspunkt. Am 28. Juli trafen Bomben die Kirche; das Dach stürzte ein und das Langhaus brannte aus, doch Turm, Chor und Teile der Mauern blieben stehen. 1951 wurde der größte Teil des Langhauses abgerissen, und die Gemeinde baute eine neue Nikolaikirche in Harvestehude. 1977 wurde die Ruine zum Mahnmal erklärt, und seit 1987 setzt sich ein Bürgerverein für ihren Erhalt ein.

Worauf du achten solltest

  • Der Turm: Schau vom Sockel aus nach oben und sieh, wie viel Sandsteinschmuck am Turm erhalten ist, und vergleiche den rußgeschwärzten Stein mit den helleren restaurierten Teilen.
  • Die Ruine unter freiem Himmel: die Reste von Chor und Langhausmauern, mit Rasen und Himmel, wo früher das Dach war.
  • „Prüfung“: eine Skulptur im ehemaligen südlichen Seitenschiff, die an die Gefangenen des Lagers Sandbostel erinnert.
  • Das Nagelkreuz aus Coventry, 1993 als Zeichen der Versöhnung zwischen zwei im Krieg bombardierten Städten übergeben.
  • Der Blick aus 76 Metern: Speicherstadt, Elbphilharmonie, Hafen und Rathaus, mit Tafeln, die zeigen, wie die Stadt nach 1943 aussah.
  • Die Ausstellung in der Krypta, „Gomorrha 1943“, über den Luftkrieg gegen Hamburg, seine Ursachen und Folgen, 2013 erweitert.

Tipps für deinen Besuch

  • Fang in der Ausstellung in der Krypta an und fahr dann mit dem Aufzug hoch: Der Ausblick bedeutet mehr, wenn du weißt, was unten in Trümmern lag.
  • Dies ist ein Mahnmal. Sei in der Ruine leise und überleg dir gut, welche Fotos und Selfies passen.
  • Eine Neugestaltung des Geländes mit neuem Pavillon und einem barrierefreien Weg zwischen Nord- und Südeingang soll 2028 fertig sein. Während der Arbeiten können Teile abgesperrt sein, informiere dich also vorher.
  • Das Glockenspiel mit 51 Glocken im Turm, 1993 eingebaut, spielt jeden Tag Melodien; hör beim Rundgang darauf.

In der Nähe

  • Hamburger Rathaus: das Rathaus im Stil der Neorenaissance von 1897 mit seinem 112 Meter hohen Turm, ein paar Gehminuten entfernt.
  • Deichstraße: eine Gasse mit alten Kaufmannshäusern am Nikolaifleet, wo 1842 der Große Brand ausbrach.
  • Speicherstadt: das Lagerhausviertel aus rotem Backstein jenseits des Zollkanals, seit 2015 UNESCO-Welterbe.
  • St. Katharinen: eine der fünf Hamburger Hauptkirchen mit barocker Turmspitze, ein kurzes Stück Richtung Hafen.

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