
Das Löwendenkmal ist ein sterbender Löwe, der in eine Sandsteinwand in Luzern gehauen ist, nur ein kurzes Stück nördlich der Altstadt. Es erinnert an die Schweizergardisten, die am 10. August 1792 während der Französischen Revolution beim Verteidigen des Tuilerienpalasts in Paris getötet wurden. Mark Twain, der es in den 1870er-Jahren sah, nannte es „das traurigste und bewegendste Stück Stein der Welt“.
Das Löwendenkmal auf einen Blick
- Wo: Denkmalstrasse, in einem kleinen Park mit Teich, ein kurzes Stück nördlich der Altstadt und direkt neben dem Gletschergarten.
- Geschaffen: 1820–1821 aus dem Fels gehauen und 1821 eingeweiht.
- Von: entworfen in Rom vom dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen, in den Fels gehauen vom Steinmetz Lukas Ahorn aus Konstanz.
- Was es heute ist: ein geschütztes Denkmal und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Schweiz, etwa 10 Meter lang und 6 Meter hoch, in die Wand eines ehemaligen Steinbruchs gehauen.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten, länger, wenn du den Gletschergarten nebenan dazunimmst.
Ein Denkmal für die Schweizergarde von 1792
Jahrhundertelang dienten Schweizer Soldaten fremden Herrschern als Söldner, und die Schweizergarde war die Leibwache des französischen Königs. Am 10. August 1792 stürmte eine bewaffnete Menge den Tuilerienpalast in Paris. Ludwig XVI. hatte sich bereits in die Gesetzgebende Versammlung geflüchtet, doch die Gardisten blieben auf ihren Posten, und Hunderte von ihnen starben im Kampf oder wurden danach getötet. Das Denkmal nennt 760 Tote und 350 Überlebende; neuere Forschungen gehen von deutlich weniger Gefallenen an diesem Tag aus, vielleicht rund 300.
Die Idee stammte von Karl Pfyffer von Altishofen, einem Luzerner Gardeoffizier, der im August 1792 zufällig auf Heimaturlaub war. Er schrieb ein Buch über das Regiment und sammelte ab 1818 Geld für ein Denkmal, das meiste davon bei europäischen Königshäusern. Thorvaldsen lieferte den Entwurf aus Rom, Ahorn hieb ihn in einen stillgelegten Sandsteinbruch. Das Denkmal war von Anfang an politisch: Schweizer Liberale sahen darin eine Verherrlichung der Gegenrevolution und versuchten, die Einweihung zu stören. 2006 wurde es unter Bundesschutz gestellt, und am 10. August 2021 feierte Luzern sein 200-jähriges Bestehen.
Worauf du achten solltest
- Der Löwe: Aus seiner Seite ragt der abgebrochene Schaft eines Speers, und das Tier liegt ausgestreckt in seinen letzten Augenblicken, ein Bild der Treue bis zum Ende.
- Die beiden Schilde: Die Pranke des Löwen ruht auf einem Schild mit der Lilie der französischen Monarchie, daneben liegt ein Schild mit dem Schweizerkreuz.
- Die lateinische Widmung über dem Löwen, HELVETIORUM FIDEI AC VIRTUTI: „der Treue und Tapferkeit der Schweizer“.
- Die Inschrift darunter: die Namen von 26 Offizieren und die römischen Zahlen DCCLX (760) für die Toten und CCCL (350) für die Überlebenden.
- Der Umriss der Nische: Tritt ein paar Schritte zurück und schau dir die Form der Höhlung an, in der der Löwe liegt. Viele Besucher erkennen darin die Silhouette eines Schweins oder Ebers.
- Der Teich: Das stille Wasser am Fuß der Felswand spiegelt den Löwen, genau die Umgebung, die das Denkmal laut Twain hier eindrucksvoller macht als irgendwo sonst.
Die Legende vom Schwein
Eine Geschichte, die man sich in Luzern erzählt, besagt, der Bildhauer habe nicht den versprochenen Lohn erhalten und sich gerächt, indem er der Nische den Umriss eines Schweins gab. Belege dafür gibt es nicht, es ist also eine Legende. Ob die Form Absicht ist oder ein Zufall des Felsens, kann niemand sicher sagen, aber wer das Schwein einmal entdeckt hat, sieht es immer wieder.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen oder am Abend: Reisegruppen kommen tagsüber in Wellen, und der kleine Aussichtsbereich ist schnell voll.
- Es ist eine Gedenkstätte, also sprich leise, bleib hinter dem Geländer und halte dich vom Teich fern.
- Für das beste Foto stellst du dich ganz hinten in den Aussichtsbereich, damit die ganze Felswand samt Spiegelung ins Bild passt.
- Nimm dir ein paar Minuten für die Infotafeln im Park auf Deutsch und Englisch: Sie erzählen von den Gardisten, den Künstlern und den Debatten um das Denkmal.
In der Nähe
- Gletschergarten: direkt nebenan, mit Gletschertöpfen, die das Schmelzwasser in der letzten Eiszeit in den Fels geschliffen hat, und einem Museum.
- Bourbaki-Panorama: ein riesiges Rundgemälde der französischen Bourbaki-Armee, die 1871 in der Schweiz interniert wurde, ein paar Gehminuten entfernt.
- Museggmauer: die mittelalterliche Stadtmauer mit neun Türmen über der Altstadt; einige Türme kannst du in der wärmeren Jahreszeit besteigen.
- Hofkirche St. Leodegar: Luzerns Hauptkirche mit ihren Doppeltürmen, ein kurzes Stück Richtung See.
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