
Die Frauenkirche, offiziell Dom zu Unserer Lieben Frau, ist Münchens Kathedrale und das bekannteste Motiv der Stadtsilhouette: zwei Backsteintürme von fast 99 Metern Höhe, jeder mit einer runden grünen Haube. Sie entstand im späten 15. Jahrhundert in nur zwanzig Jahren und gehört zu den größten Backsteinkirchen nördlich der Alpen. Drinnen trägt ein dunkler Fußabdruck im Boden am Eingang Münchens liebste Legende.
Die Frauenkirche auf einen Blick
- Wo: Frauenplatz in der Altstadt, zwei Gehminuten nordwestlich des Marienplatzes.
- Erbaut: 1468 bis 1488, geweiht 1494; die Hauben kamen 1525 auf die Türme.
- Von: Baumeister Jörg von Halsbach (auch Halspach geschrieben).
- Heute: Kathedrale des Erzbistums München und Freising und weiterhin Pfarrkirche mit regelmäßigen Gottesdiensten.
- Zeitbedarf: 30 Minuten für den Innenraum, eine Stunde, wenn du auf den Südturm steigst.
Eine Kirche, viel zu groß für ihre Stadt
Ab dem 13. Jahrhundert stand hier eine romanische Kirche, damals am Rand der ummauerten Stadt. 1468 begannen Herzog Sigismund und die Münchner Bürger, sie durch einen weit größeren Bau zu ersetzen. Da es keinen Steinbruch in der Nähe und wenig Geld gab, baute Jörg von Halsbach in rotem Backstein, und die Arbeiten gingen so schnell voran, dass die Türme 1488 standen. Die Größe war außergewöhnlich: Die Kirche fasste rund 20.000 stehende Menschen, als München vielleicht 13.000 Einwohner und mit St. Peter bereits eine Pfarrkirche hatte.
Das Geld ging aus, bevor die geplanten gotischen Spitzhelme gebaut werden konnten, und die Türme blieben bis 1525 flach gedeckt. Dann erhielten sie die runden Hauben, die vielleicht von Darstellungen des Felsendoms in Jerusalem angeregt wurden. Seit 1821 ist die Kirche Kathedrale. Im Zweiten Weltkrieg brachten Luftangriffe das Dach zum Einsturz und zerstörten den Großteil der Ausstattung; die Wiederherstellung zog sich in Etappen über Jahrzehnte und wurde 1994 abgeschlossen.
Worauf du achten solltest
- Der Teufelstritt: ein dunkler, fußförmiger Abdruck in einer Bodenplatte gleich hinter dem Hauptportal.
- Der „fensterlose“ Blick: Von derselben Stelle am Eingang verdecken die Pfeilerreihen die Seitenfenster, sodass das Schiff scheinbar gar keine Fenster hat.
- Die Pfeiler: 22 schlanke achteckige Pfeiler, je etwa 22 Meter hoch, tragen das Gewölbe einer Hallenkirche, deren drei Schiffe gleich hoch sind.
- Das Grabmal Ludwigs des Bayern: das große Monument aus schwarzem Marmor für den römisch-deutschen Kaiser Ludwig IV., geschaffen von Hans Krumpper im frühen 17. Jahrhundert.
- Die Türme von außen: Vergleiche sie genau; entgegen einer beliebten Geschichte sind sie fast gleich hoch, nur etwa 12 Zentimeter Unterschied.
Die Legende vom Teufelstritt
Die bekannteste Fassung erzählt, der Teufel habe zugesagt, den Bau mitzufinanzieren, unter der Bedingung, dass die Kirche keine Fenster habe. Als sie fertig war, führte ihn der Baumeister an eine Stelle in der Vorhalle, von der aus die Pfeiler jedes Fenster verdecken. Der Teufel lachte über die vermeintlich dunkle, fensterlose Kirche, trat dann einen Schritt vor, sah das hereinströmende Licht und stampfte vor Wut auf, wobei der Abdruck im Boden zurückblieb. Ein weiterer Teil der Legende sagt, er sei hinausgestürmt und zu dem Wind geworden, der oft um die Kirche pfeift. Eine Legende natürlich, aber der optische Trick ist echt: Probier ihn selbst aus.
Tipps für deinen Besuch
- Stell dich zuerst auf den Teufelstritt, geh dann ein paar Schritte vor und sieh zu, wie die Fenster zwischen den Pfeilern auftauchen.
- Der Südturm ist für Besucher geöffnet: Eine Wendeltreppe mit 86 Stufen führt zu einem Aufzug, und bei klarem Wetter reicht der Blick bis zu den Alpen. Informiere dich vorher, da sich der Zugang ändern kann.
- Die Kirche ist ein lebendiger Dom: Kleide dich angemessen, sei während der Gottesdienste leise und besichtige nicht mitten in der Messe.
- Für das klassische Foto beider Hauben geh in die schmalen Gassen auf der Westseite oder schau vom Turm von St. Peter über die Dächer.
In der Nähe
- Marienplatz: Münchens zentraler Platz mit dem Neuen Rathaus und seinem Glockenspiel, ein paar Minuten entfernt.
- Michaelskirche: die große Jesuitenkirche der Renaissance an der Neuhauser Straße, mit dem Grab König Ludwigs II. in der Gruft.
- Viktualienmarkt: der Lebensmittelmarkt unter freiem Himmel hinter St. Peter, gut für eine Biergartenpause und bayerische Brotzeit.
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