
St. Lorenz ist die große gotische Kirche mit den zwei spitzen Türmen, die in der Nürnberger Altstadt südlich der Pegnitz die Königstraße abschließt. Sie war die Hauptpfarrkirche der südlichen Stadthälfte, und bis heute steht in ihr die Kunst, die die Patrizierfamilien vor der Reformation gestiftet haben. Das berühmteste Stück schwebt in der Luft: Veit Stoß’ geschnitzter Engelsgruß, der an einer Kette vom Chorgewölbe hängt.
St. Lorenz auf einen Blick
- Wo: Lorenzer Platz, am nördlichen Ende der Königstraße in der Lorenzer Altstadt, wenige Gehminuten vom Hauptmarkt auf der anderen Seite der Pegnitz.
- Erbaut: begonnen um 1250; das Langhaus war um 1400 fertig, der spätgotische Hallenchor entstand 1439 bis 1477.
- Von: Generationen Nürnberger Baumeister; den Hallenchor vollendete weitgehend Konrad Roriczer, die Gewölbe schuf Jakob Grimm.
- Was es heute ist: eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche, außerhalb der Gottesdienste für Besucher offen, mit 80 und 81 Meter hohen Türmen und einer der größten Kirchenorgeln der Welt.
- Zeitbedarf: 30–45 Minuten für den Innenraum.
Vom katholischen Prunkbau zur lutherischen Kirche
Um 1250 begann der Bau als dreischiffige Basilika. Im 14. Jahrhundert folgte die Westfassade mit der Fensterrose. Ab 1439 ersetzte ein hoher spätgotischer Hallenchor den alten Chor; 1477 war er fertig. Der Rat und Patrizierfamilien wie die Imhoff und die Tucher bezahlten Fenster, Altäre und Skulpturen. Mitte der 1520er-Jahre führte Nürnberg als eine der ersten Städte die lutherische Reformation ein. St. Lorenz wurde evangelisch, doch Rat und Stifterfamilien ließen die Kunstwerke aus katholischer Zeit an ihrem Platz, statt die Kirche auszuräumen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in zwei Bombennächten schwer beschädigt; Dach und Gewölbe wurden großenteils zerstört. Viele Kunstwerke, darunter der Engelsgruß, lagen da bereits im Kunstbunker im Burgberg, und Adam Krafts Sakramentshaus wurde in der Kirche selbst geschützt. Der Wiederaufbau ging schnell, am 10. August 1952 wurde St. Lorenz neu geweiht. Derzeit werden Türme und Westfassade abschnittsweise saniert, die Arbeiten sind bis etwa 2030 geplant; mit Gerüsten ist also zu rechnen.
Worauf du achten solltest
- Die Fensterrose: Das runde Fenster über dem Westportal misst etwa 9 Meter im Durchmesser und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Geh ein Stück über den Platz zurück, dann siehst du es zwischen den beiden Türmen.
- Der Engelsgruß: Veit Stoß schnitzte ihn 1517–1518 aus Lindenholz für den Kaufmann Anton Tucher. Lebensgroße Figuren von Maria und dem Erzengel Gabriel stehen in einem Rosenkranz mit kleinen Medaillons aus dem Leben Marias und Christi, umgeben von Engelchen mit Glocken und Instrumenten. Er hängt über dem Chor, also nach oben schauen.
- Adam Krafts Sakramentshaus: ein steinerner Turm aus Maßwerk und Figuren, etwa 19 Meter hoch, 1493–1496 im Auftrag von Hans Imhoff entstanden. Er steigt links vom Hochaltar an einem Pfeiler empor und biegt sich kurz unter dem Gewölbe um.
- Adam Kraft selbst: Am Fuß des Sakramentshauses kniet der Bildhauer lebensgroß mit Werkzeug in der Hand und trägt das Bauwerk zusammen mit zwei Gesellen.
- Die Chorfenster: spätmittelalterliche Glasmalereien, gestiftet von den führenden Nürnberger Familien, oft mit den Wappen der Stifter am unteren Rand.
- Die Orgel: Das dreiteilige Instrument hat rund 12.000 Pfeifen und 165 Register.
Das Tuch über dem Engelsgruß
Der Engelsgruß war nicht immer zu sehen. Ab 1519 verhüllte ihn ein grünes Tuch, das nur an Festtagen abgenommen wurde, und nach der Reformation blieb er ganz verhüllt, auch weil der Prediger Andreas Osiander die Bilderverehrung ablehnte. 1817 riss das Hanfseil, an dem er inzwischen hing, und die Skulptur stürzte zu Boden; sie wurde repariert und wieder aufgehängt.
Tipps für deinen Besuch
- Komm an einem Wochentag am Vormittag: Dann fällt schönes Licht durch die Chorfenster und es sind weniger Gruppen da. Sonntags ist die Besuchszeit wegen der Gottesdienste kürzer.
- Geh nach hinten in den Chor und schau dir den Engelsgruß von hinter dem Altar an: Von dort siehst du die Rosenkranz-Medaillons von vorn.
- Nimm Rücksicht auf Gottesdienste und Konzerte: Während der Andacht bleibst du am besten hinten oder kommst später wieder.
- Verbinde die Kirche mit einem Spaziergang nach Norden über die Museumsbrücke zum Hauptmarkt oder nach Süden die Königstraße hinunter zum Frauentor und zur Stadtmauer.
In der Nähe
- Tugendbrunnen: der Bronzebrunnen aus dem späten 16. Jahrhundert an der Nordseite der Kirche, mit Figuren der Tugenden und der Gerechtigkeit obenauf.
- Nassauer Haus: das mittelalterliche Wohnturmhaus an der Ecke von Lorenzer Platz und Karolinenstraße.
- Museumsbrücke: die Brücke über die Pegnitz wenige Gehminuten nördlich, mit dem schönsten Blick auf das Heilig-Geist-Spital, das mittelalterliche Spital über dem Fluss.
- Hauptmarkt und Schöner Brunnen: der Marktplatz mit der Frauenkirche und dem vergoldeten gotischen Brunnen, etwa fünf Gehminuten entfernt.
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