Kaiserburg Nürnberg: Doppelkapelle, Tiefer Brunnen und Sinwellturm

The Imperial Castle on its sandstone ridge above Nuremberg

Die Kaiserburg steht auf einem Sandsteinfelsen am Nordrand der Nürnberger Altstadt, dem höchsten Punkt innerhalb der Stadtmauer. Rund fünf Jahrhunderte lang machten deutsche Könige und Kaiser hier auf ihren Reisen Station, und ab 1356 legte die Goldene Bulle fest, dass jeder neu gewählte Herrscher seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten sollte.

Die Kaiserburg auf einen Blick

  • Wo: auf dem Burgfelsen über der Sebalder Altstadt, zu Fuß über die steile, gepflasterte Burgstraße vom Hauptmarkt aus erreichbar.
  • Erbaut: älteste Reste um das Jahr 1000; Palas und Doppelkapelle um 1200; Türme, Stallungen und Basteien bis in die 1540er-Jahre; nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend wiederaufgebaut.
  • Heute: eine Museumsburg der Bayerischen Schlösserverwaltung mit einer Ausstellung über die Burg und das Heilige Römische Reich, dem Tiefen Brunnen, dem Sinwellturm und den Burggärten.
  • Zeitbedarf: eineinhalb bis zwei Stunden mit Museum, Brunnen und Turm; etwa 30 Minuten, wenn du nur durch die Höfe und über die Terrassen gehst.

Zwei Burgen auf einem Felsen

Die erste schriftliche Erwähnung stammt von 1050, als Kaiser Heinrich III. in Nürnberg eine Urkunde ausstellte. 1105 eroberte der spätere Heinrich V. die Burg nach zweimonatiger Belagerung im Krieg gegen seinen eigenen Vater, Heinrich IV. Unter den Staufern begann König Konrad III. um 1140 mit einer neuen Kaiserburg; Palas und Doppelkapelle entstanden um 1200. Direkt daneben stand eine zweite Burg, die der Burggrafen, die 1191 an die Grafen von Zollern fiel, die Vorfahren der Hohenzollern, die später Preußen regierten.

Stadt und Burggrafen wurden bald zu Rivalen. 1377 baute die Stadt den Turm Luginsland, dessen Name „schau ins Land“ bedeutet, auch um die benachbarte Burggrafenburg im Auge zu behalten. Diese wurde 1420 weitgehend zerstört; 1427 kaufte die Stadt die Reste und kümmerte sich fortan um die ganze Anlage. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Burg ihre politische Rolle, 1806 kam sie an Bayern. Die Luftangriffe von 1944 und 1945 legten große Teile in Schutt; der Wiederaufbau dauerte rund drei Jahrzehnte, und 2021 wurde eine große Sanierung abgeschlossen.

Worauf du achten solltest

  • Die Doppelkapelle: zwei romanische Kapellen übereinander, nur durch eine Öffnung im Boden verbunden, oben der Herrscher und sein Hof, unten alle anderen.
  • Der Sinwellturm, der runde Bergfried aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sein Name kommt vom mittelhochdeutschen Wort sinwell, „vollkommen rund“; das oberste Geschoss und der spitze Helm kamen in den 1560er-Jahren dazu, und der Aufstieg bietet einen Blick über die roten Dächer der Altstadt.
  • Der Tiefe Brunnen in einem kleinen Haus im Vorhof: ein Schacht, rund 50 Meter tief in den Sandstein geschlagen, einst die einzige Wasserquelle der Burg.
  • Der Heidenturm neben der Kapelle. Er verdankt seinen Namen romanischen Figuren an seinen Mauern, die spätere Generationen für heidnische Götzenbilder hielten; sie wurden entfernt, als man die Burg für einen Besuch Karls V. herrichtete.
  • Der Fünfeckturm, eines der ältesten Bauwerke auf dem Felsen und der letzte echte Rest der Burggrafenburg.
  • Die Kaiserstallung auf der Ostseite, 1494 und 1495 vom Stadtbaumeister Hans Beheim dem Älteren als Kornspeicher erbaut und heute eine Jugendherberge, mit dem Luginsland gleich daneben.

Der Sprung des Raubritters

Eine bekannte Sage erzählt von Eppelein von Gailingen, einem Raubritter des 14. Jahrhunderts, der Nürnberger Kaufleute überfiel. Zum Tod am Galgen auf der Burg verurteilt, bat er als letzten Wunsch, noch einmal auf seinem Pferd sitzen zu dürfen, gab ihm dann die Sporen, setzte über die Mauer in den Graben und entkam. Spuren an der Burgmauer werden bis heute als Abdrücke des Sprungs gezeigt. In Wirklichkeit wurde er wieder gefasst und 1381 hingerichtet.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm früh am Tag, bevor die Reisegruppen eintreffen.
  • Die Höfe und die Terrasse vor der Kaiserstallung, die Freiung, kannst du auch ohne Museumsbesuch betreten, und sie bieten einen der schönsten Blicke über die Stadt.
  • Die Burgstraße und die Wege rund um die Burg sind steil und gepflastert, also zieh bequeme Schuhe an.
  • In der wärmeren Jahreszeit lohnt ein Abstecher in den Burggarten, der auf den alten Basteien angelegt wurde.

In der Nähe

  • Albrecht-Dürer-Haus: das Wohnhaus des Malers von 1509 bis zu seinem Tod 1528, wenige Gehminuten unterhalb der Burg am Tiergärtnertor.
  • Tiergärtnertorplatz: ein kleiner Platz mit Fachwerkhäusern am Fuß der Mauer, abends sehr belebt.
  • St. Sebald: eine der beiden großen gotischen Pfarrkirchen Nürnbergs, mit Peter Vischers bronzenem Sebaldusgrab.
  • Hauptmarkt: der Platz mit dem Schönen Brunnen und der Frauenkirche, ein kurzer Weg bergab.

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