
Das Schwarzhäupterhaus ist das prächtig verzierte Giebelhaus am Rathausplatz (Rātslaukums) in der Altstadt von Riga. Es wurde 1334 erstmals erwähnt und war jahrhundertelang das Versammlungshaus der Bruderschaft der Schwarzhäupter, einer Vereinigung unverheirateter fremder Kaufleute. Was du heute siehst, ist allerdings ein Nachbau: Das Haus wurde 1941 zerstört, die Ruine 1948 gesprengt und 1996–1999 von Grund auf neu errichtet.
Das Schwarzhäupterhaus auf einen Blick
- Wo: Rātslaukums 7, am Rathausplatz in der Altstadt, gegenüber dem Rigaer Rathaus.
- Erbaut: 1334 erstmals als „Neues Haus“ erwähnt; um 1620 im Stil der niederländischen Renaissance umgestaltet; im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1996–1999 wiederaufgebaut.
- Was es heute ist: Museum und Veranstaltungsort, mit Festsälen im Obergeschoss, einer Silbersammlung und Ausstellungen über Rigas Handel und die Bruderschaft im Keller.
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten für Fassade und Platz; etwa eine Stunde, wenn du hineingehst.
Vom Kaufmannshaus zum Trümmerhaufen und zurück
Das Gebäude entstand in den 1330er-Jahren als Neues Haus, in dem sich Rigas Kaufleute und Bürger versammelten und Feste feierten. Mitte des 15. Jahrhunderts begann der Rat, einen Teil davon an die Bruderschaft der Schwarzhäupter zu vermieten, die in Riga seit 1413 belegt ist: eine Gesellschaft unverheirateter fremder Händler, meist Niederdeutsche. Ihr Schutzpatron war der heilige Mauritius, meist als dunkelhäutiger Krieger dargestellt; daher stammen wahrscheinlich der Name und der Mohrenkopf im Wappen der Bruderschaft. Im 17. Jahrhundert waren die Schwarzhäupter die einzigen Nutzer des Hauses, 1713 wurden sie seine Eigentümer. In ihren Sälen empfingen sie russische Zaren, schwedische Könige und den deutschen Kaiser Wilhelm II.
Die Schwarzhäupter verließen Riga 1940 im Zuge der Umsiedlung der Deutschbalten. Bei den Kämpfen 1941 wurde das Haus beschossen und brannte aus, und 1948 sprengten die sowjetischen Behörden die Ruine. Fast fünfzig Jahre lang klaffte am Platz eine Lücke. Nach der wiedergewonnenen Unabhängigkeit Lettlands gruben Archäologen ab 1992 auf dem Gelände, und 1996 begann der Bau eines Nachbaus. Er wurde zum 800. Stadtjubiläum Rigas fertig und am 9. Dezember 1999 geweiht. Von 2012 bis 2016 diente das Haus dem lettischen Präsidenten als vorübergehender Amtssitz, während das Rigaer Schloss umgebaut wurde.
Worauf du achten solltest
- Der Giebel: der hohe Frontgiebel aus dem Umbau im Stil der niederländischen Renaissance um 1620, dicht besetzt mit Voluten, Figuren und Zierrat.
- Die astronomische Uhr an der Fassade, die mehr als nur die Uhrzeit anzeigt, unter anderem die Mondphasen.
- Die Wappen: die Wappen der Hansestädte Riga, Hamburg, Bremen und Lübeck, bewacht von Löwen, eine Erinnerung an Rigas Platz in der Hanse.
- Die Figuren: allegorische Statuen an der Fassade, darunter Neptun und Merkur, die Götter des Meeres und des Handels. Mehrere Skulpturen des 19. Jahrhunderts stammen aus der Werkstatt von August Volz.
- Das Portal: Die beiden Säulen am Eingang gehen auf das Jahr 1522 zurück. Die linke zeigt die Muttergottes mit Kind und darüber das Wappen Rigas, die rechte ein bewaffnetes Mitglied der Bruderschaft.
Der erste Weihnachtsbaum?
Riga beansprucht, dass die Schwarzhäupter 1510 den ersten geschmückten Weihnachtsbaum der Welt aufstellten, und eine Gedenktafel am Rathausplatz markiert die Stelle. Sieh das eher als Tradition denn als bewiesene Tatsache: Tallinn erhebt denselben Anspruch für seine eigenen Schwarzhäupter, mit der Jahreszahl 1441, und keine der beiden Geschichten ist eindeutig belegt. Die Bruderschaft hinterließ außerdem einen Spruch, der wahr wurde: Eine Inschrift am Haus bittet sinngemäß darum, es wieder aufzubauen, falls es jemals einstürzen sollte.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen für ein Foto der Fassade ohne Menschenmengen; für den ganzen Giebel geh Richtung Rathaus auf der anderen Seite des Platzes zurück.
- In den Sälen finden Konzerte und private Veranstaltungen statt, deshalb können manche Räume an bestimmten Tagen geschlossen sein. Informiere dich vorher, wenn du hineinwillst.
- Verbinde den Besuch mit der Petrikirche und dem Okkupationsmuseum Lettlands: Beide liegen nur ein paar Minuten entfernt.
In der Nähe
- Petrikirche: die gotische Kirche gleich hinter dem Platz, mit einem Aufzug im Turm zu einer Aussichtsplattform über der Altstadt.
- Rolandstatue: Der Ritter auf dem Rathausplatz ist eine Kopie; die steinerne Originalfigur steht in der Petrikirche.
- Okkupationsmuseum Lettlands: direkt am Platz, es erzählt von der sowjetischen und der nationalsozialistischen Besatzung zwischen 1940 und 1991.
- Rigaer Rathaus: auf der anderen Seite des Platzes, ebenfalls im Krieg verloren und Anfang der 2000er-Jahre in historischer Form wiederaufgebaut.
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