
Die Macca-Vilacrosse-Passage ist eine überdachte Ladenstraße im Zentrum Bukarests, mit gelblichem Glas gedeckt und von Cafés gesäumt, zwischen der Calea Victoriei und der Altstadt. Sie wurde 1891 eröffnet und hat eine ungewöhnliche Gabelform: Zwei Arme gehen von der Calea Victoriei ab und vereinen sich vor dem anderen Ausgang. Der Grund ist einfach: Der Besitzer eines Hotels mitten auf dem Grundstück wollte nicht verkaufen, also baute man die Passage drumherum.
Die Macca-Vilacrosse-Passage auf einen Blick
- Wo: zwischen der Calea Victoriei und der Strada Eugeniu Carada, am Rand der Altstadt um die Lipscani-Straße, nur ein kurzes Stück von der Rumänischen Nationalbank entfernt.
- Erbaut: 1891 fertiggestellt, an der Stelle eines Gasthofs aus dem frühen 19. Jahrhundert.
- Von: dem Architekten Felix Xenopol.
- Was sie heute ist: ein denkmalgeschütztes Bauwerk, dessen Erdgeschosse voller Cafés und Restaurants sind, mit Tischen unter dem Glasdach.
- Zeitbedarf: 10 bis 15 Minuten zum Durchgehen und Hochschauen; länger, wenn du einen Kaffee trinkst.
Vom Stadtgasthof zur überdachten Straße
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stand hier der Câmpineanu-Gasthof, an der Ecke des Podul Mogoșoaiei, der heutigen Calea Victoriei. Petros Serafim kaufte ihn und teilte seinen Besitz als Mitgift unter seinen Töchtern auf. 1843 heiratete seine Tochter Polixenia Xavier Villacrosse, einen gebürtigen Katalanen, der damals Chefarchitekt von Bukarest war, und der Gasthof trug fortan seinen Namen. Eine andere Tochter, Anastasia, heiratete Mihalache Macca, dem Luxusläden auf dem Nachbargrundstück gehörten.
Gegen Ende des Jahrhunderts wurde der alte Gasthof abgerissen und durch moderne Gebäude mit glasgedeckten Passagen nach dem Vorbild von Paris und anderen europäischen Städten ersetzt. Mitten auf dem Gelände stand ein kleines Hotel, das Pesht, und sein Besitzer wollte nicht verkaufen. Also entwarf der Architekt Felix Xenopol zwei Arme, die um das Hotel herumführen, benannt nach den Familien Macca und Villacrosse. Die Passage wurde 1891 fertig. Hier tagte die erste Börse Bukarests, bevor sie ein eigenes Gebäude bekam, und von 1950 bis 1990 hieß die Passage Pasajul Bijuteria, nach einem Juweliergeschäft an der Calea Victoriei. Nach 1989 kehrte der alte Name zurück.
Worauf du achten solltest
- Die Gabel: Stell dich auf die Calea Victoriei, dann siehst du zwei getrennte Eingänge wenige Meter auseinander. Geh durch den einen hinein und durch den anderen hinaus, um die Form zu verstehen.
- Das gelbe Glas: Das Dach wurde mit gelblichem Glas gedeckt, das der Passage selbst an grauen Tagen ein warmes, goldenes Licht gibt.
- Das hintere Ende: Am Ausgang zur Strada Eugeniu Carada treffen sich die beiden Arme in einer Rotunde mit buntem Glasdach, dahinter liegt ein monumentales Portal.
- Die Obergeschosse: Schau über die Markisen der Cafés auf den Stuckschmuck der Fassaden. Das Erdgeschoss war für Läden gedacht, die Zimmer darüber zur Miete.
- Die beiden Namen: Auf Schildern und Karten wird der zweite Name mal Vilacrosse, mal Villacrosse geschrieben; der Architekt selbst meist mit zwei l.
Napoleons Dolmetscher und seine Töchter
Rumänischen Quellen zufolge hatte Petros Serafim als Dragoman, also Dolmetscher, an der französischen Botschaft in Konstantinopel gearbeitet und wurde 1812 während des Russlandfeldzugs als Dolmetscher zu Napoleon geschickt. Nach Napoleons Niederlage wollte er nach Konstantinopel zurück, blieb aber in Bukarest hängen, heiratete eine Rumänin und bekam fünf Töchter. Zwei ihrer Mitgiften, der Gasthof und die Läden daneben, sind der Grund, warum eine der bekanntesten Passagen der Stadt die Namen zweier Schwiegersöhne trägt.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen, wenn du Fotos der leeren Passage willst; am Abend füllen die Cafétische fast den ganzen Raum.
- Die Terrassen gehören zu den Restaurants, also geh hindurch, ohne sie zu blockieren, und frag, bevor du Gäste an ihren Tischen fotografierst.
- Schau nach oben: Das Glasdach und die verzierten Obergeschosse sind das Interessanteste, und die meisten Besucher übersehen sie.
- Verbinde den Besuch mit einem Spaziergang über die Calea Victoriei und durch die Gassen rund um die Lipscani-Straße, die direkt hinter der Passage beginnen.
In der Nähe
- Nationalmuseum für Rumänische Geschichte: im ehemaligen Postpalast an der Calea Victoriei, wenige Gehminuten entfernt, mit einem Abguss der Trajanssäule in voller Größe.
- Stavropoleos-Klosterkirche: eine kleine Kirche von 1724 mit gemeißelten Steinbögen und einem ruhigen Innenhof, ein paar Minuten entfernt in der Altstadt.
- Cărturești Carusel: eine Buchhandlung in einem restaurierten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert an der Strada Lipscani, mit weißen, geschwungenen Galerien.
- Rumänische Nationalbank: der prächtige klassizistische Bankpalast an der Strada Lipscani, den die Passage mit der Calea Victoriei verbinden sollte.
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