
Der Schnoor ist Bremens ältestes erhaltenes Viertel: ein dichtes Geflecht aus engen, autofreien Gassen zwischen Dom und Weser, gesäumt von mehr als 100 winzigen Häusern. Früher lebten hier Fischer, Schiffer und Handwerker, heute ist er voller kleiner Läden, Galerien und Cafés. Sein Name ist Plattdeutsch für Schnur, und tatsächlich reihen sich die Häuser wie Perlen an einer Kette.
Der Schnoor auf einen Blick
- Wo: in der Bremer Altstadt, südöstlich von Dom und Marktplatz, zwischen der Weser und der Haltestelle Domsheide.
- Entstanden: besiedelt seit dem Mittelalter; die ältesten Häuser stammen aus dem 15. Jahrhundert, die meisten aus dem 17. und 18.
- Was er heute ist: ein geschütztes historisches Viertel kleiner denkmalgeschützter Häuser, mit Kunsthandwerk, Galerien, Cafés, einem kleinen Theater und einem Museum.
- Zeitbedarf: 45–60 Minuten zum Bummeln, länger mit Kaffee oder Museumsbesuch.
Von der Fischerinsel zum Denkmalviertel
Im Mittelalter war hier eine flache Insel zwischen der Weser und der Balge, einem Seitenarm des Flusses, und Fischer und Schiffer bauten ihre Katen. Im 13. Jahrhundert ließen sich Franziskaner nieder und bauten die Kirche St. Johann, die bis heute am Rand des Viertels steht. Die Balge wurde später zugeschüttet, doch Straßennamen wie Hinter der Balge und Balgebrückstraße erinnern an sie. Der Name Schnoor geht auf das alte Handwerk der Seil- und Taumacher für die Schifffahrt zurück; eine Nachbargasse, die Wieren, wurde nach den dort gefertigten Drahtseilen benannt. Die andere beliebte Erklärung ist einfach die Art, wie sich die Häuser entlang der Gassen aufreihen wie Perlen an einer Schnur.
Im 19. Jahrhundert kamen die engen Gassen mit dem wachsenden Verkehr nicht mehr zurecht, und der Schnoor wurde eines der ärmsten Viertel der Stadt. Den Zweiten Weltkrieg überstand er mit nur leichten Schäden, doch in den 1950er-Jahren verfielen viele Häuser. 1959 beschloss der Bremer Senat, das Viertel zu sanieren, und bot den Eigentümern finanzielle Hilfe für die Instandsetzung an. 1973 wurde der gesamte Schnoor als Ensemble unter Denkmalschutz gestellt, und seitdem gehört er zu Bremens wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Worauf du achten solltest
- Heini Holtenbeen: eine Bronzefigur eines Mannes mit Hut, 1990 von Claus Homfeld geschaffen, nahe dem Concordenhaus. Sie erinnert an Jürgen Heinrich Keberle (1835–1909), eines der bekanntesten Bremer Stadtoriginale.
- Der Katzengang: ein Durchgang, so schmal, dass man nur hintereinander hindurchgehen kann.
- Das Schifferhaus am Stavendamm, ein Schifferhaus, das zu den besterhaltenen des Viertels gehört.
- Die winzigen Grundstücke: Die meisten Häuser stehen auf nur rund 55 Quadratmetern, deshalb sind sie so klein.
- Das Landherrnamt von 1856 und davor das schwarze Betonmahnmal von 1982 für die jüdischen Bremerinnen und Bremer, die in der Pogromnacht im November 1938 ermordet wurden.
Heini Holtenbeen, Bremens Zigarrenstummel-Sammler
Keberle wurde 1835 in Bremen geboren und stürzte als Lehrling durch eine Dachluke. Seitdem hatte er ein steifes Bein, daher der Spitzname Holtenbeen, plattdeutsch für Holzbein, obwohl er nie eines hatte. Er verbrachte seine Tage auf dem Marktplatz vor der Börse, in der nicht geraucht werden durfte: Die Kaufleute gaben ihm beim Hineingehen ihre halb gerauchten Zigarren, und er drehte aus den Stummeln neue Zigarren und verkaufte sie. In schlechten Zeiten bat er Passanten höflich um ein kleines Darlehen. Einige Jahre wohnte er im Schnoor; er starb 1909 in einem Armenhaus.
Tipps für deinen Besuch
- Komm morgens, bevor die Läden öffnen, oder am frühen Abend, wenn die Gassen ruhiger sind und das Licht weich auf die alten Fassaden fällt.
- Trag Schuhe mit gutem Profil: Das Kopfsteinpflaster ist uneben und bei Nässe rutschig.
- Verlauf dich mit Absicht. Das Viertel ist klein, und in den Seitengassen und Höfen abseits der Hauptstraße Schnoor ist es am ruhigsten.
In der Nähe
- Schlachte: Bremens Uferpromenade an der Weser mit Biergärten und festgemachten Schiffen, wenige Gehminuten entfernt.
- Böttcherstraße: eine kurze Straße, in den 1920er- und 1930er-Jahren im Stil des Backsteinexpressionismus umgebaut, mit einem Glockenspiel aus Porzellanglocken.
- Marktplatz: Rathaus und Roland, seit 2004 UNESCO-Welterbe, und die Bronzefigur der Bremer Stadtmusikanten.
- St.-Petri-Dom: der Bremer Dom mit seinen zwei Türmen am Rand des Marktplatzes.
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