
Das Mausoleum der Galla Placidia ist ein kleiner kreuzförmiger Ziegelbau neben der Basilika San Vitale in Ravenna. Von außen wirkt es schlicht; innen ist jede Fläche mit Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert bedeckt, die zu den ältesten der Stadt gehören, unter einer tiefblauen Kuppel mit rund 570 goldenen Sternen um ein Kreuz.
Das Mausoleum der Galla Placidia auf einen Blick
- Wo: auf dem Gelände der Basilika San Vitale, im Nordwesten der Altstadt von Ravenna
- Erbaut: um 425–430 n. Chr., in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts
- Was es heute ist: Teil des UNESCO-Welterbes Frühchristliche Bauten von Ravenna (seit 1996), zu besichtigen mit einem Sammelticket für die Mosaikmonumente der Stadt
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten drinnen; der Raum ist winzig, lass deinen Augen Zeit für das gedämpfte Licht
Die Kapelle einer Kaiserin, aber nicht ihr Grab
Galla Placidia war die Tochter Kaiser Theodosius’ I. und regierte das Weströmische Reich als Regentin für ihren jungen Sohn Valentinian III., mit Ravenna als Hauptstadt. Die Überlieferung, aufgezeichnet vom Chronisten Agnellus im 9. Jahrhundert, sagt, sie habe dieses Mausoleum für sich, ihren Mann Constantius III. und ihren Bruder Honorius gebaut. Kein Dokument bestätigt das, und begraben ist sie hier fast sicher nicht: Sie starb 450 in Rom und wurde dort beigesetzt.
Ursprünglich war der Bau durch eine Vorhalle mit der Kirche Santa Croce verbunden, die sie gründete und von der heute nur wenig übrig ist; die Verbindung wurde 1602 abgerissen. Fachleute streiten bis heute, ob er als Mausoleum oder als Kapelle bzw. Oratorium errichtet wurde, später dem heiligen Laurentius geweiht. Der Boden hat sich über die Jahrhunderte gesenkt, sodass der Bau heute etwa anderthalb Meter tiefer liegt als einst – deshalb wirkt er von außen so gedrungen.
Worauf du achten solltest
- Die Kuppel: ein tiefblauer Nachthimmel mit goldenen Sternen, die zur Mitte hin kleiner werden, und einem goldenen Kreuz im Zentrum.
- Die vier geflügelten Wesen in den Ecken der Kuppel – Mensch, Löwe, Stier und Adler –, entnommen den Visionen Ezechiels und der Offenbarung.
- Den Guten Hirten in der Lünette über dem Eingang: ein junger, bartloser Christus in Gold und Purpur, der zwischen seinen Schafen sitzt und ein hohes Kreuz hält.
- Den heiligen Laurentius in der gegenüberliegenden Lünette, der auf den brennenden Rost zuschreitet, auf dem er das Martyrium erlitt, daneben ein Schrank mit den vier Evangelien.
- Paare von Hirschen, die zwischen grünen Akanthusranken an einer Quelle trinken, in den seitlichen Lünetten – ein Bild der nach Gott dürstenden Seele.
- Die Fenster aus dünnen Alabasterplatten, die das Tageslicht golden färben, und die drei Steinsarkophage an den Enden der Kreuzarme.
Die Kerze und die Kaiserin
Eine Legende, die selbst örtliche Historiker für sehr unwahrscheinlich halten, erzählt, der einbalsamierte Leichnam der Galla Placidia habe aufrecht in einem der Sarkophage gesessen und sei über tausend Jahre durch eine kleine Öffnung zu sehen gewesen – bis 1577 ein unvorsichtiger Besucher eine Kerze zu nah heranhielt und ihn in Brand setzte. Eine neuere Geschichte, ebenfalls nicht belegbar, besagt, die Sternenkuppel habe Cole Porter auf seiner Hochzeitsreise zu seinem Lied Night and Day inspiriert.
Tipps für deinen Besuch
- Buche im Frühling und Sommer vorab: Dann wird der Einlass manchmal nach Zeitfenstern geregelt, und Schulgruppen füllen den Vormittag.
- Besuche zuerst San Vitale und gleich danach das Mausoleum: Dasselbe Ticket gilt für beide, und sie liegen im selben Garten.
- Bleib eine Minute unter der Kuppel stehen, bevor du fotografierst: Die Sterne scheinen zu erscheinen, während sich deine Augen an das schwache Licht gewöhnen.
- Sprich leise: Der Raum ist klein und hallt, und viele Besucher kommen, um einfach zu sitzen und zu schauen.
In der Nähe
- Basilika San Vitale: die achteckige Kirche aus dem 6. Jahrhundert mit den berühmten Mosaikbildnissen von Justinian und Theodora; gleich gegenüber im Garten.
- Nationalmuseum Ravenna: im ehemaligen Kloster von San Vitale, mit römischen, frühchristlichen und byzantinischen Funden.
- Reste von Santa Croce: die ausgegrabenen Fundamente der von Galla Placidia gegründeten Kirche, direkt neben dem Mausoleum.
- Domus dei Tappeti di Pietra: die Mosaikböden eines byzantinischen Palastes, entdeckt unter einer Kirche, wenige Gehminuten entfernt.
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