
Das Serbische Museum ist ein kleines Museum in der Moustoxydi-Straße in Korfu-Stadt, das eines der ungewöhnlichsten Kapitel des Ersten Weltkriegs erzählt. Anfang 1916 wurden rund 150.000 erschöpfte serbische Soldaten zusammen mit ihrer Regierung nach Korfu gebracht, nachdem sie sich über die Berge Albaniens zurückgezogen hatten, und über zwei Jahre lang war die Insel praktisch Serbiens Hauptstadt im Exil. Das Museum bewahrt ihre Fotos, Uniformen, Fahnen und sogar die chirurgischen Instrumente ihrer Ärzte.
Das Serbische Museum auf einen Blick
- Wo: Moustoxydi-Straße, die breite Gasse, die die Einheimischen Plati Kantouni nennen, in der Altstadt, ein paar Gehminuten von der Spianada und dem Liston.
- Gebäude: ein dreistöckiges klassizistisches Haus, das die Gemeinde Korfu dem serbischen Volk für 99 Jahre überlassen hat; auf Serbisch heißt es Srpska kuća, das Serbische Haus.
- Was es heute ist: ein Museum von rund 120 Quadratmetern mit fast 400 Exponaten über die serbische Armee und Regierung auf Korfu von 1916 bis 1918.
- Zeitbedarf: 30–45 Minuten.
Vom Rückzug durch Albanien zur Korfu-Deklaration
Im Oktober 1915 griffen Österreich-Ungarn und Deutschland, bald gefolgt von Bulgarien, Serbien an. Die serbische Armee, der alte König und die Regierung zogen sich im Winter über die Berge Montenegros und Albaniens zur Adria zurück, und Hunger, Kälte, Krankheiten und Angriffe kosteten unterwegs sehr viele Soldaten und Zivilisten das Leben. Zwischen dem 18. Januar und dem 21. Februar 1916 brachten alliierte Schiffe die Überlebenden, etwa 150.000 Menschen, nach Korfu. Viele waren zu geschwächt, um sich zu erholen: Auf der kleinen Insel Vido gegenüber dem Hafen, wohin man die Schwerkranken brachte, starben in den ersten Wochen rund 100 Männer am Tag.
Die serbische Regierung unter Ministerpräsident Nikola Pašić ließ sich in Korfu-Stadt nieder, und das serbische Parlament tagte im alten Stadttheater. Eine serbische Druckerei stellte das Amtsblatt Srpske novine und sogar Banknoten her. Am 20. Juli 1917 unterzeichneten die serbische Regierung und das Jugoslawische Komitee die Korfu-Deklaration: Serben, Kroaten und Slowenen sollten nach dem Krieg in einem Staat leben. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wurde im Dezember 1918 ausgerufen. Da hatte die neu aufgestellte serbische Armee die Insel längst in Richtung Salonikifront verlassen, wo sie im September 1918 half, die feindlichen Linien zu durchbrechen.
Worauf du achten solltest
- Fotografien: der größte Teil der Sammlung, mit Lagern, Feldlazaretten, Paraden und dem Alltag der serbischen Soldaten auf Korfu.
- Uniformen, Gewehre und Munition serbischer Soldaten und Offiziere, viele davon vom Rückzug gezeichnet.
- Regimentsfahnen sowie die Gewänder und liturgischen Gegenstände der orthodoxen Armeepriester.
- Chirurgische Instrumente, die serbische Ärzte 1916 auf Vido benutzten – eine Erinnerung daran, wie viele Männer zu krank ankamen, um gerettet zu werden.
- Orden und Ehrenzeichen des Königreichs Serbien.
Das Blaue Grab
Vido ist klein und felsig, und es gab keinen Platz, alle dort Gestorbenen zu begraben. Viele wurden mit Booten hinausgefahren und im Meer versenkt; man geht davon aus, dass mehr als 5.000 serbische Soldaten in den Gewässern um die Insel liegen. Der serbische Dichter Milutin Bojić, der den Rückzug selbst mitgemacht hatte, schrieb über sie das Gedicht „Plava grobnica“ („Das Blaue Grab“), und der Name blieb. In den 1930er-Jahren wurde auf Vido ein serbisches Mausoleum für die Gebeine der auf der Insel begrabenen Soldaten errichtet.
Tipps für deinen Besuch
- Prüfe vorher die Öffnungstage: Das Museum ist klein und nicht an jedem Wochentag geöffnet.
- Nimm dir Zeit für die Beschriftungen. Der größte Teil der Geschichte wird über Fotos erzählt, der Besuch ist also kurz, aber dicht.
- Im Sommer fahren kleine Boote vom alten Hafen nach Vido, wo du das serbische Mausoleum und das Meer des Blauen Grabes sehen kannst. Das macht den Museumsbesuch viel greifbarer.
In der Nähe
- Spianada: Korfus riesiger offener Platz, mit Cricketfeld, der Maitland-Rotunde und Blick auf die Alte Festung.
- Liston: die Arkadenreihe mit Cafés an der Spianada, in der französischen Zeit nach dem Vorbild der Rue de Rivoli in Paris gebaut.
- Kirche des heiligen Spyridon: die Kirche des Inselheiligen, mit dem höchsten Glockenturm der Stadt und den Reliquien des Heiligen.
- Rathaus von Korfu: das venezianische Gebäude am Rathausplatz, zuerst eine Loggia für den Adel und später das erste Theater der Insel.
Korfu mit World City Trail entdecken
Unsere Schnitzeljagd in Korfu macht die Altstadt zu einem Spiel auf deinem Handy. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert etwa 2 Stunden, davon rund 26 Minuten zu Fuß. Sie führt unter anderem zur Spianada und zu den Arkaden des Liston, beide nur ein paar Minuten vom Serbischen Museum entfernt. Du kannst auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch oder Griechisch spielen.
Wenn dir ein anderes Format lieber ist: Auf Korfu gibt es auch einen selbstgeführten Stadtrundgang und ein Outdoor-Escape-Game.
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