Die Entdeckung der Grabstele in den 1930er Jahren bestätigte die historische Bedeutung von Bad Cannstatt als wichtiger römischer Militärstandort. Am nördlichen Rand des Römischen Reiches gelegen, befanden sich in der Gegend einst ein befestigtes Lager und eine geschäftige Siedlung. Die Grabstele wurde in einem antiken Gräberfeld in der Nähe dieses ehemaligen Vorpostens ausgegraben und wirft ein neues Licht auf die vielfältige und komplexe Präsenz der römischen Armee in diesem Gebiet. Der Fund ist besonders bemerkenswert, weil er einen Kataphrakten darstellt, einen schwer gepanzerten Reiter, einen Soldatentyp, der eher mit den östlichen Provinzen des Römischen Reiches in Verbindung gebracht wird.

Was ist das?
Die Stele ist zwei Brüdern gewidmet, Aurelius Saluda und Aurelius Regrethus, die im 3. Jahrhundert n. Chr. lebten. Sie waren Mitglieder der Ala nova firma catafractariaeine Einheit von Kataphrakten. Diese Einheit war ursprünglich in Mesopotamien stationiert, wurde aber zur Verteidigung gegen germanische Stämme wie die Alemannen an der Nordgrenze eingesetzt. Diese Reise vom Nahen Osten zu einer römischen Garnison im heutigen Deutschland unterstreicht die enorme Reichweite und den globalisierten Charakter der römischen Militärmaschinerie.

Ein Monument für zwei Brüder
Das Kataphraktengrabdenkmal (Grabstele) ist nicht nur ein Stück Stein, sondern ein wunderschön gemeißeltes Zeugnis des Lebens eines Soldaten. Die Stele ist aus Sandstein gefertigt und stellt einen der Brüder, wahrscheinlich Aurelius Saluda, in voller militärischer Kleidung dar. Er trägt eine römische Tunika und einen Mantel und hält einen Speer und einen Schild. Der Begriff "Kataphrakt" deutet zwar darauf hin, dass sowohl der Soldat als auch sein Pferd vom Kopf bis zu den Hufen mit einer Panzerung bedeckt waren, doch ist dies auf dem Denkmal nicht zu erkennen. Dieses Detail hat Historiker zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass der Zweck der Grabstele darin bestand, das Andenken des Soldaten zu ehren, und nicht darin, eine genaue Darstellung seiner vollständigen Kampfausrüstung zu liefern.
Das Denkmal wurde von ihrem dritten Bruder, Aurelius Abdedathus, in Auftrag gegeben und errichtet - ein rührender Akt familiärer Liebe und ein eindrucksvolles Zeugnis für den Erfolg einer Familie im römischen Militär.
Die Inschrift auf der Grabstele liefert die entscheidenden Details über die beiden Männer, ihre Einheit und ihre Herkunft. Diese Inschriften sind für moderne Historiker von unschätzbarem Wert, da sie die Bewegung und Zusammensetzung der römischen Militäreinheiten anhand von Primärquellen belegen. Die Stele dient als greifbares Bindeglied zwischen den Menschen, die in diesem Teil des Reiches lebten und starben, und den fernen Heimatländern, die sie zurückließen.

Ein unbezahlbares Juwel in Stuttgarts Sammlung
Heute ist die Grabstele eines Kataphrakten eines der wertvollsten Exponate des Museums. Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. Es ist Teil der umfangreichen römischen Sammlung des Museums, die im Alten Schloss untergebracht ist. Die Sammlung des Museums bietet einen umfassenden Einblick in das Leben während der römischen Besetzung der Region, und dieses Denkmal ist eines ihrer wichtigsten Stücke.
Die Präsenz der Stele in einem modernen Museum ermöglicht es den Besuchern, ein Stück Geschichte aus nächster Nähe zu betrachten, das eine zutiefst menschliche Geschichte von Ehre, Pflicht und Aufopferung erzählt. Für alle, die sich für römische Militärgeschichte, Archäologie oder die Geschichte Stuttgarts interessieren, ist die Besichtigung dieses Denkmals eine fesselnde Erfahrung. Es erinnert uns daran, dass selbst in einer Stadt, die für ihre modernen Innovationen bekannt ist, der Nachhall einer fernen Vergangenheit erhalten geblieben ist. Das Kataphraktengrabdenkmal ist ein starkes Symbol für die römische Präsenz in Bad Cannstatt und ein seltenes Beispiel für das vielfältige Leben, das die römischen Grenzgebiete prägte.
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