Klein-Venedig in Colmar: Boote, Gemüsegärtner und die Lauch

Half-timbered houses along the Lauch in Little Venice, Colmar

La Petite Venise, Klein-Venedig, ist das Viertel im Süden der Altstadt von Colmar, in dem Fachwerkhäuser die Ufer der Lauch säumen. Früher war es ein Arbeiterviertel von Metzgern, Gerbern, Fischern und Gemüsegärtnern, die das Wasser für ihre Arbeit nutzten, und die flachen Boote, die ihre Waren trugen, fahren heute Besucher auf demselben Flussabschnitt.

Klein-Venedig auf einen Blick

  • Wo: an der Lauch im Süden der Altstadt, vom Fischerviertel und der Markthalle bis zur Brücke Saint-Pierre und zur Krutenau.
  • Gebaut: die Häuser meist zwischen Spätmittelalter und 17. Jahrhundert; der Name Klein-Venedig ist ein viel späterer Spitzname.
  • Was es heute ist: ein geschütztes historisches Viertel mit Wohnhäusern, Restaurants und Cafés und die meistbesuchte Ecke Colmars.
  • Zeitbedarf: eine Stunde zu Fuß, dazu etwa eine halbe Stunde, wenn du eine Bootsfahrt machst.

Ein Fluss zum Arbeiten

Die Lauch kommt aus den Vogesen und fließt durch Colmar zur Ill. Im Mittelalter prägten ihre Wasserläufe ganze Viertel: Die Metzger arbeiteten am Wasser, die Gerber hängten Häute in den hohen Dachböden ihrer Häuser zum Trocknen auf, und die Fischer verkauften ihren Fang am Kai. Weiter südlich, in der Krutenau, lebten die Gemüsegärtner, die ihr Gemüse auf flache Boote luden und über den Fluss zu den Märkten der Stadt brachten.

Colmar überstand die Kriege 1870, 1914–1918 und 1939–1945 mit weitgehend unversehrtem Zentrum, und so behielt dieses Ufer seine Häuser, Brücken und Kais. 1865 wurde direkt über der Lauch eine Markthalle aus Backstein und Gusseisen gebaut, so angelegt, dass Boote in die Halle entladen konnten. Die Arbeitsboote sind verschwunden, aber kleine flache Boote fahren noch Rundfahrten ab der Brücke Saint-Pierre, und die Postkartenblicke brachten dem Viertel den Namen Klein-Venedig ein.

Worauf du achten solltest

  • Der Blick von der Brücke Saint-Pierre am Südende, mit alten Häusern, die sich im Fluss spiegeln: das klassische Colmar-Bild.
  • Die Krutenau, das alte Viertel der Gemüsegärtner, in dem die Straßen noch etwas Dörfliches haben.
  • Die Markthalle von 1865, über dem Fluss gebaut, heute eine Halle mit regionalen Erzeugern.
  • Blumenkästen und Holzbalkone über dem Wasser, besonders bunt zwischen Frühling und Herbst.
  • Der Roesselmann-Brunnen von Bartholdi auf der Place des Six-Montagnes-Noires, mit Fischen verziert.

Warum Venedig?

Hier gibt es keine Gondeln und keine Lagune: Klein-Venedig ist die Lauch mit ihren Seitenarmen zwischen den Häusern. Der Spitzname kommt daher, dass die Fassaden direkt aus dem Wasser aufsteigen und die Boote an den Türen vorbeigleiten. Es ist ein moderner Name für ein altes Handwerkerviertel, aber er hat sich durchgesetzt, und heute nennt in Colmar kaum jemand die Gegend anders.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm früh am Morgen oder am Abend; zwischen spätem Vormittag und Nachmittag sind die Brücken voll.
  • Mach eine Bootsfahrt ab der Brücke Saint-Pierre, um die Häuser und die Gärten der Krutenau aus Entenperspektive zu sehen.
  • Abends sind viele Fassaden beleuchtet, und die Spiegelungen im Wasser sind am schönsten.
  • Die Häuser sind Privatwohnungen: Halte Eingänge und Treppen frei und sei nachts leise.

In der Nähe

  • Fischerviertel: die bunten Zunfthäuser am Quai de la Poissonnerie, am Nordende von Klein-Venedig.
  • Koïfhus: das alte Zollhaus von 1480 mit seinem Dach aus glasierten Ziegeln, wenige Gehminuten nördlich.
  • Musée Bartholdi: das Geburtshaus des Bildhauers der Freiheitsstatue, etwa zehn Minuten zu Fuß.
  • Champ de Mars: Colmars großer Park mit Bartholdis Bruat-Brunnen, ein kurzer Spaziergang nach Westen.

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