Marienkirche in Berlin: ein Totentanz unter dem Fernsehturm

St. Mary's Church (Marienkirche) below the TV Tower in Berlin

Die Marienkirche ist die mittelalterliche Backsteinkirche, die ganz allein auf der freien Fläche unter dem Berliner Fernsehturm steht, nahe dem Alexanderplatz. 1294 erstmals erwähnt, gehört sie zu den ältesten Kirchen der Stadt und ist bis heute Gemeindekirche. In ihrer Turmhalle befindet sich ein 22 Meter langer Totentanz von etwa 1485, einer der letzten mittelalterlichen Totentänze nördlich der Alpen, die noch an ihrem ursprünglichen Ort sind.

Die Marienkirche auf einen Blick

  • Wo: Karl-Liebknecht-Straße, zwischen Fernsehturm und Neptunbrunnen, ein paar Gehminuten vom Alexanderplatz.
  • Erbaut: um 1270 begonnen und Anfang des 14. Jahrhunderts als frühgotische Hallenkirche vollendet; der Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert, seine Spitze von 1789–1790.
  • Was sie heute ist: eine evangelische Gemeindekirche, offen für Besucher und genutzt für Gottesdienste und Konzerte.
  • Zeitbedarf: 30–45 Minuten für Kirche, Totentanz und das Kreuz draußen.

Sieben Jahrhunderte in der alten Mitte

Die Marienkirche entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts für den neuen Teil der Doppelstadt Berlin-Cölln und wird 1294 erstmals schriftlich erwähnt. Die Stadtbrände von 1376 und 1380 beschädigten sie schwer, und die Kirche, die du siehst, ist größtenteils das Ergebnis des Wiederaufbaus danach. Der quadratische Steinunterbau des Turms kam im 15. Jahrhundert hinzu, und 1789–1790 setzte ihm Carl Gotthard Langhans, der Architekt des Brandenburger Tors, eine Spitze auf, die barocke und neugotische Formen mischt.

Die meiste Zeit stand die Kirche zwischen engen Gassen im dichten Kern des alten Berlin. Der Zweite Weltkrieg und die Neugestaltung Ost-Berlins in den 1960er-Jahren fegten dieses Viertel fort, und nebenan wuchs der Fernsehturm in die Höhe. Heute wirkt die Kirche auf der freien Fläche fast verloren, ein paar Stufen unter Straßenniveau, was zeigt, wie stark der Boden um sie herum im Lauf der Jahrhunderte angewachsen ist.

Worauf du achten solltest

  • Der Totentanz: ein Wandbild, etwa 2 Meter hoch und 22 Meter lang, in der Turmhalle, um 1485 gemalt, wohl nach einer Pestepidemie. Geistliche und Laien tanzen, nach Rang geordnet, in einer Reihe mit dem Tod. Es wurde 1860 unter Farbschichten entdeckt und steht heute hinter Glas.
  • Die Kanzel: 1703 von Andreas Schlüter aus Alabaster geschaffen, mit Reliefs von Johannes dem Täufer und Figuren von Glaube, Hoffnung und Liebe.
  • Das Taufbecken: ein Bronzetaufbecken von 1437, getragen von drei schwarzen Drachen, die für die durch die Taufe besiegten Dämonen stehen.
  • Die Orgel: 1720–1721 von Joachim Wagner gebaut, in einem reich geschnitzten Gehäuse, das 1723 fertig wurde.
  • Das Sühnekreuz: Ein Steinkreuz vor der Kirche erinnert an die Ermordung des Propstes Nikolaus von Bernau durch eine Berliner Menge im Jahr 1325.
  • Martin Luther: Eine Bronzestatue des Reformators steht neben der Kirche.

Der Mord, der Berlin die Messe kostete

1325 wurde Nikolaus von Bernau, ein Propst, der im Streit zwischen dem Papst und König Ludwig dem Bayern auf der Seite des Papstes stand, von einer Menge Berliner aus einem Haus gezerrt, erschlagen und verbrannt. Der Papst verhängte über die Stadt den Kirchenbann, der die meisten Gottesdienste untersagte. Etwa zehn Jahre später tat Berlin Buße, zahlte Entschädigung und stellte ein Sühnekreuz auf, und 1345 wurde der Bann endlich aufgehoben. Das verwitterte Kreuz an der Marienkirche erinnert an diese Geschichte.

Tipps für deinen Besuch

  • Die Kirche ist an den meisten Tagen für Besucher geöffnet, bei Gottesdiensten und Konzerten aber nur für Teilnehmende zugänglich. Kleide und verhalte dich wie in jeder Kirche, in der Gemeindeleben stattfindet.
  • Lies den Totentanz von links nach rechts: Jede Figur hat einen tanzenden Tod als Partner, und darunter stehen kurze Verse.
  • Für ein Foto, auf dem die Kirche neben dem Fernsehturm winzig wirkt, geh ein Stück Richtung Neptunbrunnen zurück.

In der Nähe

  • Fernsehturm: der 368 Meter hohe DDR-Turm von 1969 mit Aussichtsetage und Drehrestaurant, direkt nebenan.
  • Neptunbrunnen: Reinhold Begas’ prunkvoller Bronzebrunnen von 1891, mit Neptun und vier Frauen, die Deutschlands große Flüsse darstellen, ein kurzes Stück entfernt.
  • Rotes Rathaus: der Backsteinbau aus den 1860er-Jahren, Sitz des Regierenden Bürgermeisters, auf der anderen Seite des Platzes.
  • Nikolaiviertel: das wiederaufgebaute Altstadtviertel um die Nikolaikirche, den ältesten Kirchenbau Berlins, ein paar Minuten südlich.

Berlin mit World City Trail entdecken

Unsere Schnitzeljagd in Berlin macht die Innenstadt zu einem Spiel auf deinem Handy. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert etwa 3 Stunden, davon rund 65 Minuten zu Fuß, und führt unter anderem zum Brandenburger Tor, zum Reichstag und über Unter den Linden.

Entdecke Berlin beim Spielen

Verwandle die Sehenswürdigkeiten in diesem Artikel in eine selbstgeführte Schnitzeljagd, die du auf deinem Smartphone spielst.

11 € für eine Person, 5 € pro Person für Gruppen ab vier Personen.

Das Abenteuer in Berlin ansehen →

Wenn dir ein anderes Format lieber ist: In Berlin gibt es auch einen selbstgeführten Stadtrundgang und ein Outdoor-Escape-Game.

Die Schnitzeljagd in Berlin spielen →

Den selbstgeführten Stadtrundgang durch Berlin machen →

Das Outdoor-Escape-Game in Berlin spielen →

Fakten geprüft im Oktober 2026.

Warenkorb
Nach oben scrollen