
Die Sé Velha, die Alte Kathedrale von Coimbra, steht auf halber Höhe des Altstadthügels: ein gedrungener Steinblock mit Zinnen und wenigen Fenstern. Sie wurde im 12. Jahrhundert begonnen, als Coimbra Hauptstadt des jungen Königreichs Portugal war, und ist die einzige romanische Kathedrale des Landes aus der Zeit der Reconquista, die weitgehend unverändert erhalten ist. Von außen wirkt sie eher wie eine Festung als wie eine Kirche.
Die Sé Velha auf einen Blick
- Wo: am Largo da Sé Velha in der Oberstadt von Coimbra, oben an der steilen Rua de Quebra-Costas.
- Erbaut: ab der Mitte des 12. Jahrhunderts; der Hauptbau war Anfang des 13. Jahrhunderts fertig, der Kreuzgang wurde 1218 begonnen.
- Von: zugeschrieben Meister Robert, vermutlich einem Franzosen, der auch an der Kathedrale von Lissabon arbeitete; die Bauleitung hatten Meister Bernard und danach Meister Soeiro.
- Heute: eine Pfarrkirche und seit 1910 Nationaldenkmal; der Bischofssitz zog 1772 in die Neue Kathedrale um.
- Zeitbedarf: 15 Minuten von außen, 45 Minuten mit Innenraum und Kreuzgang.
Eine Kathedrale für ein neues Königreich
1139, nach der Schlacht von Ourique, erklärte sich Afonso Henriques zum König von Portugal und machte Coimbra zu seiner Hauptstadt. Er beschloss, eine neue Kathedrale anstelle eines baufälligen Vorgängers zu finanzieren, und Bischof Miguel Salomão half bei den Kosten. 1185 war der Bau so weit, dass sein Sohn Sancho I. hier gekrönt werden konnte. Zinnen und dicke Strebepfeiler spiegeln die Zeit wider: Die Grenze zum maurischen Süden war noch nah.
Um 1500 ließ Bischof Jorge de Almeida Wände und Pfeiler mit Fliesen aus Sevilla verkleiden, und in den 1530er-Jahren fügte der französische Bildhauer João de Ruão an der Nordseite die Renaissance-Porta Especiosa hinzu. Die romanische Struktur selbst blieb unangetastet. Nach der Vertreibung der Jesuiten aus Portugal zog der Bischof 1772 in ihre frühere Kirche, die zur Sé Nova, der Neuen Kathedrale, wurde; der alte Bau behielt den Namen Sé Velha.
Worauf du achten solltest
- Die Westfassade: ein turmartiger Mittelteil mit tiefem Rundbogenportal und einem passenden Fenster darüber, beide mit romanischen Motiven verziert, die arabischen Einfluss zeigen.
- Die Porta Especiosa an der Nordseite: ein dreigeschossiges Renaissanceportal aus den 1530er-Jahren, stark verwittert, aber noch fein im Detail.
- Die gemeißelten Kapitelle im Inneren, rund 380 an der Zahl, mit Pflanzen, geometrischen Mustern, Vögeln und einander zugewandten Tieren, aber fast ohne Menschenfiguren.
- Der vergoldete Hochaltar, zwischen 1498 und 1502 von den flämischen Künstlern Olivier de Gand und Jean d’Ypres geschnitzt, der die ganze Hauptkapelle ausfüllt.
- Das Grabmal der Vataça Lascaris, einer byzantinischen Adligen, die mit Königin Isabel von Aragón nach Portugal kam, gekennzeichnet mit einem Doppeladler.
Serenaden auf den Stufen
Die Sé Velha gehört zum Studentenleben Coimbras ebenso wie zu seiner Kirchengeschichte. Jedes Frühjahr beginnt das Studentenfest Queima das Fitas mit der Serenata Monumental: Um Mitternacht versammeln sich Studierende in schwarzen Umhängen auf den Stufen der Kathedrale und auf dem Platz davor, um schweigend dem Coimbra-Fado zuzuhören, der von Männern gesungen wird. Der Platz ist lange vor Beginn voll. Und 2019 entdeckten Forschende auf verfallenden Kunstwerken in der Kathedrale eine bis dahin unbekannte Pilzfamilie; sie wurde nach Aeminium, dem römischen Namen Coimbras, Aeminiaceae genannt.
Tipps für deinen Besuch
- Geh vom Almedina-Bogen die Rua de Quebra-Costas hinauf: Oben taucht die Kathedrale plötzlich auf, und du siehst die ganze festungsartige Front.
- Schau dir die Westfassade am späten Nachmittag an, wenn die tiefe Sonne die Reliefs am Portal hervorhebt.
- Lass den Kreuzgang nicht aus: Jeder seiner gotischen Spitzbögen umfasst zwei kleinere romanische Rundbögen, ein deutliches Zeichen des Stilwechsels.
- Sie ist noch eine aktive Kirche: Kleide dich angemessen und sei leise, wenn ein Gottesdienst oder eine Hochzeit stattfindet.
In der Nähe
- Nationalmuseum Machado de Castro: ein kurzer Anstieg bergauf, mit römischen Gängen unter dem Gebäude, dem Kryptoportikus des antiken Aeminium.
- Universität Coimbra: der Paço das Escolas und die Biblioteca Joanina oben auf dem Hügel, Teil einer UNESCO-Welterbestätte.
- Almedina-Bogen: das alte Stadttor am unteren Ende der Rua de Quebra-Costas, ein Rest der mittelalterlichen Mauern.
- Sé Nova: die frühere Jesuitenkirche, die 1772 die Sé Velha als Kathedrale ablöste, ein paar Minuten bergauf.
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