
Der Korenmarkt (Kornmarkt) ist der belebte Platz im Zentrum von Gent zwischen der Sint-Niklaaskerk und der Leie. Jahrhundertelang wurde hier Getreide verkauft, das über den Fluss angeliefert wurde, und 1340 verkündete der englische König Eduard III. auf diesem Platz seinen Anspruch auf den französischen Thron. Heute ist er Gents wichtigster Treffpunkt, gesäumt von Caféterrassen und dem türmchenreichen ehemaligen Postgebäude.
Der Korenmarkt auf einen Blick
- Wo: in der Altstadt, zwischen der Sint-Niklaaskerk und der Sint-Michielsbrücke, wo die Einkaufsstraßen Veldstraat und Kortemunt zusammentreffen.
- Entstanden: Der Getreidemarkt geht auf das 10. oder 11. Jahrhundert zurück; in den letzten Jahrzehnten wurde der Platz umgestaltet und weitgehend autofrei gemacht.
- Was er heute ist: ein Fußgängerplatz mit Caféterrassen, Straßenbahnen und dem ehemaligen Hauptpostamt, heute Geschäfte und ein Hotel.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten zum Umschauen, länger mit einem Getränk auf einer Terrasse.
Vom Getreideanleger zum Caféplatz
Der Platz ist nach dem Getreide benannt. Weizen und Roggen waren das Grundnahrungsmittel im mittelalterlichen Gent, das im 14. Jahrhundert mehr als 60.000 Menschen ernähren musste, und das Getreide kam per Schiff über Leie und Schelde. Es wurde in Speichern an den Kais gelagert und auf diesem Platz verkauft, dessen ältester Name, Korenaard, auf einen Anleger für Getreideschiffe hindeutet. Gent und Douai waren die einzigen Städte Flanderns mit einem Getreidestapelrecht: Ein fester Anteil allen durchkommenden Getreides, mindestens ein Viertel, musste zuerst auf dem örtlichen Markt angeboten werden. Das Privileg wurde 1761 abgeschafft, doch mit Getreide und Saatgut handelte man hier bis zum Zweiten Weltkrieg.
Auch Geschichte wurde hier geschrieben. Am 26. Januar 1340 rief sich Eduard III. von England, verbündet mit den flämischen Städten, hier zum König von Frankreich aus, ein Anspruch, der den Hundertjährigen Krieg auslöste. Später wurde der Korenmarkt eine Station für Postkutschen, und um 1900 begann die Stadt an seiner Westseite ein neues Hauptpostamt, entworfen von Louis Cloquet und rechtzeitig zur Weltausstellung 1913 in Gent fertig. Der Postbetrieb zog 2001 aus; heute beherbergt das Gebäude Geschäfte im Erdgeschoss und darüber ein Hotel.
Worauf du achten solltest
- Das alte Postgebäude: eine eklektische Mischung aus Neugotik und Neorenaissance mit reich verzierter Fassade und Uhrturm, auf der Seite des Platzes zur Leie hin.
- Die Sint-Niklaaskerk: die graue gotische Kirche an der Ostseite, einer der drei Türme der Stadt, im typischen Stil der Scheldegotik gebaut.
- Der Blick nach Osten: Von der Platzmitte siehst du Sint-Niklaaskerk, Belfried und Sint-Baafs-Kathedrale hintereinander aufgereiht.
- Die Terrassen: In den Häuserzeilen rund um den Platz sind heute fast nur Cafés und Restaurants, die bei gutem Wetter aufs Kopfsteinpflaster hinausreichen.
- Die Straßenbahn: Gents Trams fahren noch über den Platz, also pass beim Überqueren der Schienen auf.
Klein Turkije und Donkersteeg
Zwei Seitenstraßen gehen vom Korenmarkt ab. Klein Turkije (Klein-Türkei), eine Gasse voller Cafés, verdankt ihren Namen angeblich nicht dem Land, sondern einem alten Genter Ausdruck für Pleitegehen, weil dort früher Waren aus Konkursen versteigert wurden. Die Donkersteeg, die dunkle Gasse, ist eine schmale Einkaufsstraße mit Juwelieren, Lederwaren und Schokolade. Jedes Jahr im Juli ist der Platz außerdem eine der Hauptbühnen der Gentse Feesten, des zehntägigen Stadtfests.
Tipps für deinen Besuch
- Geh die eine Minute bis zur Sint-Michielsbrücke für den klassischen Blick zurück über den Korenmarkt und die drei Türme.
- Komm früh am Morgen für Fotos der Post ohne Menschenmassen, oder abends, wenn die Fassaden beleuchtet sind.
- Während der Gentse Feesten im Juli ist der Platz voller Bühnen und Menschen: toll fürs Fest, weniger fürs Sightseeing.
- Nutze den Korenmarkt als Ausgangspunkt: Graslei, Belfried und Gravensteen liegen alle nur einen kurzen Spaziergang entfernt.
In der Nähe
- Graslei und Korenlei: die beiden Flusskais gleich westlich des Platzes, wo sich Zunfthäuser und alte Getreidespeicher über die Leie hinweg gegenüberstehen.
- Sint-Michielsbrücke: die Brücke am Westende des Platzes, mit dem bekanntesten Blick Gents.
- Belfried von Gent: der mittelalterliche Glockenturm hinter der Sint-Niklaaskerk, Teil der UNESCO-Welterbestätte der Belfriede in Belgien und Frankreich, den du besteigen kannst.
- Gravensteen: die Burg der Grafen von Flandern, ein kurzer Spaziergang nach Norden über Kortemunt und Groentenmarkt.
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