
Der Rossio ist der lange rechteckige Platz am oberen Ende der Baixa, der Unterstadt von Lissabon, die nach dem Erdbeben von 1755 als Schachbrett neu gebaut wurde. Offiziell heißt er Praça D. Pedro IV, aber so nennt ihn fast niemand. Schau zuerst nach unten: Das schwarz-weiße Wellenpflaster von 1849 ist eines der bekanntesten Beispiele für portugiesisches Steinpflaster, und sein Muster wurde später an der Strandpromenade der Copacabana in Rio de Janeiro kopiert.
Der Rossio auf einen Blick
- Wo: am Nordende der Baixa, zwischen der Praça dos Restauradores und der Fußgängerzone Rua Augusta, am Fuß des Burgbergs.
- Entstanden: seit dem Mittelalter ein öffentlicher Platz; die heutigen Häuser stammen aus dem Wiederaufbau nach 1755, das Pflaster von 1849, die Säule von 1870 und die Brunnen von 1889.
- Was er heute ist: Lissabons belebtester Treffpunkt mit Cafés und Geschäften, dem Nationaltheater D. Maria II an der Nordseite und dem Bahnhof Rossio in der Nordwestecke.
- Zeitbedarf: 20–30 Minuten, länger, wenn du auf einer der Terrassen einen Kaffee trinkst.
Vom Pferdemarkt über die Inquisition zu den Caféterrassen
Der Name Rossio bedeutet ungefähr „Gemeindeland“. Im 13. und 14. Jahrhundert diente das offene Gelände am Fuß des Burgbergs der wachsenden Stadt als Markt, auch als Pferdemarkt. Um 1450 entstand an der Nordseite der Estaus-Palast, in dem ausländische Gesandte und Adlige wohnten. Später wurde er Sitz der portugiesischen Inquisition, und ab 1540 fanden auf dem Platz Autodafés und öffentliche Hinrichtungen statt. Die Ostseite nahm das Königliche Allerheiligen-Hospital ein, mit dessen Bau unter König Johann II. 1492 begonnen wurde.
Das Erdbeben und der Brand vom 1. November 1755 zerstörten fast das ganze Viertel. Unter dem Marquês de Pombal bauten die Architekten Eugénio dos Santos und Carlos Mardel die Baixa als regelmäßiges Straßenraster mit einheitlichen Fassaden wieder auf, und genau diese schlichten Fronten siehst du noch heute rund um den Platz. Der alte Inquisitionspalast brannte 1836 ab, an seiner Stelle entstand in den 1840er-Jahren das Nationaltheater. 1849 folgte das Wellenpflaster, 1870 die Säule Pedros IV. und 1889 die beiden Bronzebrunnen.
Worauf du achten solltest
- Das Wellenpflaster: kleine schwarze und weiße Steinwürfel im Muster „Mar Largo“ (offenes Meer). Stell dich in die Mitte des Platzes, und die Wellen scheinen unter deinen Füßen zu rollen.
- Die Säule Pedros IV.: Der bronzene König oben war Pedro IV. von Portugal und zugleich Pedro I., der erste Kaiser Brasiliens. Am Fuß der Säule sitzen vier Frauenfiguren für Gerechtigkeit, Weisheit, Stärke und Mäßigung.
- Die beiden Brunnen: Bronzebecken mit Meerjungfrauen und anderen Figuren, gegossen in Frankreich in der Gießerei Val d’Osne und 1889 aufgestellt, einer an jedem Ende des Platzes.
- Das Nationaltheater D. Maria II an der Nordseite: ein klassizistischer Bau des italienischen Architekten Fortunato Lodi mit einer Statue des Dramatikers Gil Vicente auf dem Giebel. Nach drei Jahren Renovierung wurde es im September 2026 wiedereröffnet.
- Der Bahnhof Rossio in der Nordwestecke: Seine neomanuelinische Fassade, 1886–1887 nach Plänen von José Luís Monteiro gebaut, hat zwei hufeisenförmige Portale. Von hier fahren die Züge nach Sintra.
Die Statue, die nicht Maximilian ist
Eine beliebte Legende behauptet, die Statue auf der Säule sei eigentlich für Kaiser Maximilian von Mexiko gegossen worden, der 1867 erschossen wurde, bevor sie fertig war, und Lissabon habe sie günstig übernommen. Historiker haben gezeigt, dass das nicht stimmt. Die Figur trägt die Kette des portugiesischen Turm- und Schwertordens, das portugiesische Wappen auf den Knöpfen und hält die Verfassungscharta von 1826 in der Hand, die Pedro Portugal gab.
Tipps für deinen Besuch
- Komm am Vormittag, wenn du ruhige Terrassen und klare Fotos vom Pflaster willst; abends füllt sich der Platz mit Leuten auf dem Weg ins Theater und in die Restaurants der Baixa.
- Das Wellenmuster von oben siehst du von der Plattform des Elevador de Santa Justa oder vom Castelo de São Jorge aus.
- Von der Südostecke führt die Rua Augusta in etwa zehn Minuten hinunter zur Praça do Comércio und zum Fluss.
In der Nähe
- Largo de São Domingos: der kleine Platz an der Nordostecke mit der Kirche São Domingos, deren Inneres noch die Spuren eines Brandes von 1959 zeigt, und einem Denkmal für die Opfer des Massakers von Lissabon 1506.
- A Ginjinha: eine winzige Bar am Largo de São Domingos, die seit 1840 Ginjinha ausschenkt, Lissabons Sauerkirschlikör.
- Praça dos Restauradores und Palácio Foz: Gleich nördlich des Rossio erinnert ein Obelisk an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Portugals von Spanien 1640, an der Westseite des Platzes steht der Palácio Foz.
- Elevador de Santa Justa: der eiserne Aufzug von 1902, der die Baixa mit dem höher gelegenen Viertel Carmo verbindet, ein paar Minuten zu Fuß entfernt.
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