Der Bahnhof Metz: der neoromanische Bahnhofspalast des Kaisers

The neo-Romanesque Metz-Ville railway station and its clock tower

Der Bahnhof Metz-Ville ist nicht das, was man von einem französischen Bahnhof erwartet: ein 350 Meter langer Bau aus grauem Stein, der wie eine Mischung aus romanischer Kirche und Kaiserpalast aussieht. Er entstand 1905 bis 1908, als Metz zum Deutschen Kaiserreich gehörte, als Herzstück eines neuen deutschen Viertels, das der Stadt den Stempel des Kaisers aufdrücken sollte. Er ist noch immer der Hauptbahnhof und zugleich ein geschütztes Baudenkmal.

Der Bahnhof Metz auf einen Blick

  • Wo: Place du Général de Gaulle, am Südrand der Innenstadt, im Kaiserviertel (Quartier Impérial).
  • Erbaut: 1905 bis 1908, eröffnet 1908; seit 1975 als Monument historique eingetragen.
  • Von: dem deutschen Architekten Jürgen Kröger, mit den Architekten Jürgensen und Bachmann und dem Bildhauer Schirmer.
  • Heute: der Hauptbahnhof von Metz, mit TGV- und Regionalverkehr; Fassade, Abfahrtshalle, Ehrensalon und das ehemalige Bahnhofsrestaurant stehen unter Schutz.
  • Zeitbedarf: 15 bis 20 Minuten für die Außenseite und die Abfahrtshalle.

Ein Bahnhof als Botschaft

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870–71 wurden Metz und die Mosel dem Deutschen Reich angegliedert. Um 1900 riss man die alten Befestigungen ab und plante südlich der Altstadt ein neues Viertel mit breiten Alleen und repräsentativen Bauten in deutschen Stilen. Der Bahnhof war sein Eckstein. Kaiser Wilhelm II. nahm großen Anteil, und es heißt, er habe den Uhrturm selbst skizziert. Der Bau war auch auf Truppenbewegungen ausgelegt, mit langen Bahnsteigen und großen Hallen für Soldaten und Pferde.

Kröger wählte einen neoromanischen Stil, der an Kirchen und Pfalzen des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches erinnert, und baute in hellgrauem Sandstein aus Niderviller, der sich vom gelben Jaumont-Kalkstein des alten Metz abhebt. Weil der Boden sumpfig war, stehen Bahnhof und Wasserturm auf mehr als 3.000 Stahlbetonpfählen. Die Abfahrtshalle hat die Form einer Kirche mit einem 40 Meter hohen Uhrturm, die Ankunftsseite gleicht einem Palast, ein bewusstes Bild geistlicher und weltlicher Macht. Die Privatgemächer des Kaisers im Gebäude wurden später zu Büros der Bahn.

Worauf du achten solltest

  • Der Uhrturm: rund 40 Meter hoch, über der Abfahrtshalle wie ein Kirchturm.
  • Die Rolandstatue: ein steinerner Ritter an der Ecke des Uhrturms, traditionelles Symbol kaiserlichen Schutzes über eine Stadt.
  • Das Karlsfenster: In der großen Halle zeigt ein Glasfenster Kaiser Karl den Großen auf seinem Thron.
  • Die Bauplastik: Kapitelle, Fratzen und Tiere um Türen und Fenster, im Stil romanischer Kirchenskulptur.
  • Der graue Stein: Vergleiche das kühle Grau des Bahnhofs mit dem warmen Gelb von Kathedrale und Altstadt.

Das Kaiserviertel

Der Bahnhof ist der beste Ausgangspunkt für das Kaiserviertel, eines der größten Ensembles deutscher Architektur des frühen 20. Jahrhunderts in Frankreich. Spazier die Avenue Foch entlang, vorbei an prächtigen Villen und Wohnhäusern in Neoromanik, Neorenaissance und Jugendstil, und achte auf die ehemalige Kaiserliche Post direkt nördlich des Bahnhofs, im selben grauen Sandstein gebaut. Zusammen mit der mittelalterlichen Altstadt steht das Viertel auf Frankreichs Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.

Tipps für deinen Besuch

  • Betrachte die Fassade von der gegenüberliegenden Platzseite, um die ganzen 350 Meter samt Uhrturm zu sehen.
  • Geh in die für alle offene Abfahrtshalle, um das gewölbte Innere und die Glasfenster zu sehen.
  • Das Licht am späten Nachmittag bringt die Bauplastik im grauen Stein am besten zur Geltung.

In der Nähe

  • Centre Pompidou-Metz: das Museum für moderne Kunst mit seinem auffälligen geflochtenen Dach, wenige Gehminuten hinter dem Bahnhof.
  • Avenue Foch: die breite Allee des Kaiserviertels, gesäumt von Villen aus der deutschen Zeit.
  • Porte Serpenoise: ein rekonstruiertes Stadttor in einem Park auf dem Weg vom Bahnhof zur Altstadt.

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