
Die Piazza Mercantile ist der Hauptplatz von Bari Vecchia, der Altstadt von Bari, nur ein paar Schritte vom Meer entfernt. Jahrhundertelang wurde hier gehandelt und regiert, und beide Seiten dieser Geschichte stehen noch: der Palazzo del Sedile, Sitz des Adelsrats, und in der Ecke die Säule der Gerechtigkeit, an der der Überlieferung nach Schuldner angebunden und öffentlich bestraft wurden.
Die Piazza Mercantile auf einen Blick
- Wo: am Südostrand von Bari Vecchia, neben der Piazza del Ferrarese und wenige Schritte von der Uferpromenade.
- Entstanden: seit dem Mittelalter Markt- und Bürgerplatz; das wichtigste Gebäude, der Palazzo del Sedile, stammt von 1543.
- Was sie heute ist: ein Fußgängerplatz mit Cafés und Restaurantterrassen, am lebhaftesten am Abend, wenn Bari zum Bummeln ausgeht.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten für die Säule und die Fassaden, länger, wenn du dich auf einen Drink hinsetzt.
Wo Bari handelte und richtete
Im Mittelalter war dies das politische Zentrum Baris und zugleich sein Marktplatz. Hier handelten die Kaufleute, und die führenden Familien der Stadt bauten ihre Häuser rund um den Platz; mehrere ihrer Palazzi säumen ihn bis heute. Das wichtigste Gebäude ist der Palazzo del Sedile, auch Sedile dei Nobili genannt, datiert auf 1543. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert war er Sitz des Stadtrats und wurde mehrmals umgebaut, deshalb passt er in keinen einheitlichen Stil: Achte auf Anklänge an den neapolitanischen Geschmack des 18. Jahrhunderts.
Recht wurde unter freiem Himmel gesprochen. Am hinteren Ende des Platzes steht die Colonna della Giustizia, die Säule der Gerechtigkeit, mit einem steinernen Löwen daneben, der römischen Ursprungs sein könnte. Der Überlieferung nach wurden Menschen, die ihre Schulden nicht bezahlen konnten, an die Säule gebunden und ausgepeitscht oder dem Spott preisgegeben, und Spuren am Stein werden als Hinweis gedeutet, dass auch Diebe hier angebunden wurden. Heute geht es sanfter zu: Abends sind die Terrassen voll, und der Platz gehört zu den lebendigsten Orten der Altstadt.
Worauf du achten solltest
- Den Palazzo del Sedile, den langen Amtsbau mit einem Turm an der Westseite. Seine Stilmischung zeigt, wie oft er in drei Jahrhunderten Nutzung umgebaut wurde.
- Die Säule der Gerechtigkeit in der Nordostecke des Platzes, eine schlichte Steinsäule, die der Pranger der Stadt war.
- Den steinernen Löwen am Fuß der Säule. Seine Herkunft ist unsicher, möglicherweise ist er ein hier wiederverwendetes römisches Stück.
- Die Palazzi alter Bareser Familien an den anderen Seiten des Platzes, mit Balkonen, Wappen und Bogentüren auf Straßenniveau.
- Nebenan auf der Piazza del Ferrarese ein sichtbar gelassenes Stück altes Pflaster mit Rillen, die Karren beim Einfahren in die Stadt hinterließen.
Säule der Gerechtigkeit oder Schandsäule?
Die Einheimischen kennen den Pfeiler unter beiden Namen: offiziell Colonna della Giustizia, im Volksmund colonna infame, Schandsäule. Die Geschichten darüber gehen auseinander, vom Auspeitschen der Schuldner bis dazu, dass sie dort einfach in Schande stehen mussten, und es gibt keinen einheitlich belegten Bericht darüber, wie sie genutzt wurde. Nimm die Details als Überlieferung. Klar ist die Botschaft: Auf einem Platz voller Kaufleute hielt die Stadt eine Mahnung bereit, was passiert, wenn man sein Wort bricht.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen für Fotos vom fast leeren Platz und kehre nach Einbruch der Dunkelheit zurück, um ihn am lebendigsten zu erleben.
- Bari Vecchia ist ein bewohntes Viertel, kein Freilichtmuseum. Sei in den Seitengassen leise und fotografiere nicht ungefragt die Haustüren der Leute.
- Anfang Mai, beim Fest des heiligen Nikolaus, ist die Altstadt voll, und die benachbarte Piazza del Ferrarese wird zu einem der Zentren der Feiern.
- Verbinde den Platz mit einem Spaziergang über die Uferpromenade, die gleich hinter der Piazza del Ferrarese beginnt.
In der Nähe
- Piazza del Ferrarese: der Nachbarplatz mit dem ehemaligen Fischmarkt von 1840 und dem alten Pflaster mit Karrenrillen.
- Basilica di San Nicola: die romanische Basilika, gebaut für die Reliquien des heiligen Nikolaus, die Seeleute 1087 nach Bari brachten, wenige Gehminuten durch die Altstadt.
- Cattedrale di San Sabino: Baris romanische Kathedrale mitten in der Altstadt, mit einer Krypta unter dem Altar.
- Castello Normanno-Svevo: die mächtige Burg am Westrand von Bari Vecchia, im 13. Jahrhundert unter Friedrich II. neu aufgebaut.
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