Bächle in Freiburg: mittelalterliche Wasserläufe und die Hochzeitslegende

A Bächle water channel in Freiburg old town

Die Bächle sind die schmalen, steingefassten Wasserläufe, die am Rand der Straßen durch die Freiburger Altstadt fließen und Wasser aus der Dreisam an Geschäften, Cafés und Straßenbahnhaltestellen vorbeiführen. Es gibt sie seit dem Mittelalter, und heute sind sie das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Eine Legende sagt: Wer versehentlich hineintritt, heiratet jemanden aus Freiburg.

Die Bächle auf einen Blick

  • Wo: in den meisten Straßen und Gassen der Altstadt, vom Schwabentor und Oberlinden bis zur Kaiser-Joseph-Straße, zum Münsterplatz und zum Rathausplatz.
  • Entstanden: vermutlich schon bei der Stadtgründung 1120; die erste schriftliche Erwähnung eines Bächles stammt von 1220.
  • Was es heute ist: ein offenes Wassernetz, das die Stadt pflegt; man kühlt sich darin die Füße, Kinder lassen Boote fahren. Früher lieferte es Wasser für Vieh, Felder und zum Löschen von Bränden.
  • Zeitbedarf: Du überquerst sie in der ganzen Altstadt ohnehin; plane 30–60 Minuten ein, wenn du dem Wasser gezielt folgen willst.

Von der mittelalterlichen Wasserversorgung zum Stadtsymbol

Archäologen gehen davon aus, dass es die Rinnen schon gab, als die Zähringer Freiburg 1120 gründeten, rund hundert Jahre bevor eine Urkunde von 1220 erstmals ein Bächle erwähnt. Das Wasser wird aus der Dreisam abgezweigt, gelangt am Schwabentor ins Netz und fließt mit dem natürlichen Gefälle durch die Stadt. Trinkwasser waren die Bächle nie, das kam aus Quellen in den Hügeln, aber sie tränkten Vieh, bewässerten Felder vor den Mauern, schwemmten Regenwasser und Schmutz fort und hielten Löschwasser bereit. Eine Feuerordnung von 1838 schrieb den Brunnenmeistern sogar vor, den Wasserlauf je nach Brandort zu lenken.

Jahrhundertelang flossen die Bächle mitten durch die Straßen; zwischen 1840 und den frühen 1850er-Jahren wurden sie an den Rand verlegt, wo die meisten noch heute liegen. Beim Bombenangriff vom 27. November 1944, als die Wasserleitungen zerstört waren, halfen sie beim Löschen, und Anfang der 1950er-Jahre flossen sie wieder. Seit die Innenstadt 1973 Fußgängerzone wurde, sind überdeckte Abschnitte wieder geöffnet worden, etwa 1986 in der Universitätsstraße. Die Bächleputzer der Stadt räumen zweimal täglich Laub und Müll heraus, und einmal im Jahr, im Herbst, wird das ganze Netz zum Reinigen und Reparieren trockengelegt.

Worauf du achten solltest

  • Die wechselnde Breite: rund 75 Zentimeter am Schwabentor, der breitesten Stelle, und nur etwa 15 Zentimeter in manchen engen Gassen.
  • Die Marktgasse, wo das Bächle noch mitten durch die Gasse läuft, wie es früher alle taten.
  • Oberlinden, der wichtigste Verteilpunkt des Netzes, mit einer 1729 gepflanzten Linde, die aus den Bächle bewässert wird.
  • Die kleinen Messingschieber im Stein: 142 davon regeln den Durchfluss, und Überlaufschwellen halten das Wasser aus den Kellern.
  • Das Krokodil im Gewerbekanal in der Gerberau: ein etwa ein Meter langer Granitkopf des Steinmetzes Ole Meinecke, 2001 als Schulprojekt entstanden und seit 2002 im Kanal.
  • Kinder, die an warmen Tagen kleine Boote durch die Bächle treiben lassen; für Kinder gibt es auch Bächleboot-Rennen.

Die Legende vom nassen Fuß

In Freiburg heißt es, wer aus Versehen in ein Bächle tritt, heiratet einen Freiburger oder eine Freiburgerin. Das ist nur eine Legende, aber eine beliebte: Sogar Altkanzler Gerhard Schröder trat im Juni 2001 auf dem Weg zum Rathaus in ein Bächle. Tatsächlich passiert das leichter, als man denkt, denn die Rinnen liegen eben mit dem Pflaster und sind kaum zu sehen, wenn man gerade an den Fassaden hinaufschaut.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm an einem warmen Nachmittag, wenn die Leute am Bordstein sitzen und die Füße ins Wasser halten. Die Füße kühlen ist in Ordnung, trinken solltest du das Wasser nicht.
  • Pass auf, wo du hintrittst, vor allem im Gedränge, im Dunkeln oder mit dem Handy in der Hand. Mit dem Fahrrad die Bächle im rechten Winkel überqueren, nicht daran entlangfahren.
  • Folge dem Wasser von der Kaiser-Joseph-Straße bergauf Richtung Oberlinden und Schwabentor: So kommst du durch einige der ruhigsten Ecken der Altstadt, darunter die Kanalgassen Fischerau und Gerberau.

In der Nähe

  • Freiburger Münster: die gotische Kirche auf dem Münsterplatz mit ihrem durchbrochenen Steinhelm und dem Bauernmarkt rund um das Gebäude.
  • Altes Rathaus: der rot gestrichene Renaissancebau am Rathausplatz, wenige Gehminuten vom Münster entfernt.
  • Schwabentor: eines der beiden erhaltenen mittelalterlichen Stadttore, am östlichen Rand der Altstadt, nahe der Stelle, an der das Wasser ins Netz fließt.
  • Martinstor: das andere mittelalterliche Tor, an der Kaiser-Joseph-Straße, durch dessen Bogen die Straßenbahn fährt.

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