
Der Palazzo d’Accursio ist Bolognas Rathaus, der lange, festungsartige Palast an der Westseite der Piazza Maggiore. Seit dem 14. Jahrhundert ist er Sitz der Stadtregierung, und im Inneren führt eine breite, sanft ansteigende Treppe nach oben, die Bramante zugeschrieben wird und so angelegt ist, dass Würdenträger zu Pferd hinaufreiten konnten.
Der Palazzo d’Accursio auf einen Blick
- Wo: an der Westseite der Piazza Maggiore, mit einer zweiten Front zur Piazza del Nettuno.
- Erbaut: in Etappen vom späten 13. bis zum 16. Jahrhundert, rund um das Haus des Juristen Accursio.
- Heute: Rathaus von Bologna, mit den Städtischen Kunstsammlungen im Obergeschoss und der Bibliothek Salaborsa im früheren Innenhof.
- Außerdem: der Uhrturm, den man bei Führungen besteigen kann.
- Zeitbedarf: 15 Minuten für Hof und Treppe, ein bis zwei Stunden mit Kunstsammlungen und Turm.
Vom Haus eines Juristen zum befestigten Rathaus
Der Palast ist nach Accursio benannt, einem berühmten Rechtslehrer der Universität Bologna im 13. Jahrhundert. 1287 verkaufte sein Sohn das Familienhaus an die Stadt, und die Kommune kaufte nach und nach den ganzen Block dazu; anfangs diente das Gebäude als öffentlicher Getreidespeicher. 1336 wurde es Sitz der Anziani, der Ältesten, die die Stadt regierten, und von da an lebten und arbeiteten Bolognas Herrscher hier. Als die Stadt unter päpstliche Herrschaft kam, wurde der Palast mit Mauern und Türmen wie eine Burg befestigt, um die päpstlichen Legaten zu schützen, die im Namen des Papstes regierten.
Nach einem Brand 1425 fügte der Architekt Fioravante Fioravanti einen neuen Flügel an, 1444 wurde der alte Accursio-Turm erhöht, und 1451 kam eine öffentliche Uhr dazu. 1530 wurde Kaiser Karl V. in einem Saal des Palastes mit der Eisernen Krone zum König von Italien gekrönt, vor seiner Kaiserkrönung in San Petronio gegenüber. Im 16. Jahrhundert entwarf Galeazzo Alessi das Hauptportal, und 1580 wurde darüber eine Bronzestatue des in Bologna geborenen Papstes Gregor XIII. aufgestellt. Am 21. November 1920 wurde der Palast zum Schauplatz eines Massakers, als faschistische Trupps die Menge angriffen, die einen neuen sozialistischen Stadtrat feierte, ein Ereignis, das heute als Wendepunkt im Aufstieg des Faschismus gilt.
Worauf du achten solltest
- Der bronzene Papst Gregor XIII. über dem Hauptportal, die Hand zum Segen erhoben.
- Die Terrakotta-Madonna mit Kind von Niccolò dell’Arca aus dem Jahr 1478, hoch oben an der Fassade zum Platz.
- Der Uhrturm und seine Glocke von 1493, die die Stunde schlägt und die Schläge etwa eine Minute später wiederholt.
- Die große rampenartige Treppe im Inneren, Bramante zugeschrieben, mit niedrigen, breiten Stufen für Pferde.
- An der Seite zur Piazza del Nettuno die Wand mit Fotos, die an die im Widerstand des Zweiten Weltkriegs gefallenen Partisanen erinnert.
Der Papst, der eine Zeit lang Heiliger war
Die Statue Gregors XIII. hätte beinahe nicht überlebt. 1796, als französische Truppen kamen und päpstliche Symbole zerstört wurden, rettete der Stadtrat sie, indem er den Papst in den heiligen Petronius verwandelte, Bolognas Schutzpatron: Eine Bischofsmitra ersetzte die Tiara, ein Bischofsstab kam hinzu, und eine neue Inschrift nannte die Figur Beschützer und Vater der Stadt. Die Verkleidung blieb rund ein Jahrhundert, und 1895 erhielt die Statue ihr ursprüngliches Aussehen zurück.
Tipps für deinen Besuch
- Geh in den Innenhof und die Bramante-Treppe hinauf: Sie gehört zum öffentlichen Gebäude und vermittelt ein gutes Gefühl für den Palast.
- Buche eine Führung, wenn du auf den Uhrturm willst; der Blick über die Piazza Maggiore und die roten Dächer gehört zu den besten der Stadt.
- Komm am Abend wieder, wenn sich die Piazza Maggiore füllt und die Fassade beleuchtet ist.
- Verbinde den Palast mit der Salaborsa nebenan, wo ein Glasboden römische und mittelalterliche Reste unter der Bibliothek zeigt.
In der Nähe
- Neptunbrunnen: Giambolognas bronzener Meeresgott auf der Piazza del Nettuno, direkt an der Ecke des Palastes.
- Basilika San Petronio: die riesige Kirche an der Südseite der Piazza Maggiore mit ihrer unvollendeten Fassade, eine Minute entfernt.
- Palazzo del Podestà und Palazzo Re Enzo: die mittelalterlichen Regierungspaläste gegenüber, mit dem Flüstergewölbe unter den Bögen.
- Die zwei Türme: Asinelli und Garisenda, die schiefen Türme, wenige Gehminuten östlich über die Via Rizzoli.
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