Bozner Dom: das glasierte Dach, das Leitacher Törl und der Turm

Bolzano Cathedral with its tiled roof and Gothic spire

Der Bozner Dom, die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, steht an der Südseite des Waltherplatzes, des Hauptplatzes von Bozen. Man erkennt ihn schon von weitem an seinem Dach aus bunt glasierten Ziegeln und an seinem 65 Meter hohen, durchbrochenen Turmhelm. Eines seiner Seitenportale ist nach dem Wein benannt: 1387 erhielt die Pfarre das Recht, direkt hier an der Kirche Wein auszuschenken.

Der Bozner Dom auf einen Blick

  • Wo: Pfarrplatz (Piazza della Parrocchia), an der Südseite des Waltherplatzes am Rand der Altstadt.
  • Erbaut: 1180 wurde hier eine romanische Kirche geweiht; die heutige gotische Kirche entstand ab etwa 1300, der Glockenturm zwischen 1501 und etwa 1519.
  • Von: Den Turm entwarf Burkhard Engelberg aus Augsburg, vollendet hat ihn Hans Lutz von Schussenried, der 1514 auch die steinerne Kanzel schuf.
  • Was er heute ist: die Pfarrkirche von Bozen und, seit der Bischof 1964 nach Bozen zog, neben dem Brixner Dom Konkathedrale der Diözese Bozen-Brixen.
  • Zeitbedarf: 20–30 Minuten für außen und innen.

Von der romanischen Pfarrkirche zur Konkathedrale

An dieser Stelle wird schon sehr lange gebetet: Unter dem Fußboden liegen die Reste einer frühchristlichen Basilika aus dem 6. Jahrhundert. 1180 wurde hier eine romanische Pfarrkirche geweiht. Ab etwa 1300 bauten Meister aus der Lombardei und aus Schwaben sie zu einer gotischen Hallenkirche mit drei gleich hohen Schiffen um, 1380 begann der Bau des Chors. Als der alte Glockenturm 1499 abbrannte, wurde 1501 ein neuer begonnen. Hans Lutz von Schussenried vollendete ihn um 1519 (manche Quellen nennen 1517) mit einem filigranen Steinhelm, der zum Wahrzeichen der Stadt wurde.

Der Barock brachte den marmornen Hochaltar (1710–1720) von Giambattista Ranghieri und hinter dem Chor die Gnadenkapelle (1743–1745). Die Luftangriffe der Alliierten 1943 und 1944 trafen die Kirche schwer: Dach, viele Fresken, die Glasfenster und das Altarbild gingen verloren, die Kanzel wurde teilweise zerstört. Der Turm blieb unbeschädigt. Das Dach wurde im ursprünglichen Muster neu gedeckt, die Kanzel 1949 wieder zusammengesetzt. Als die Diözese 1964 als Bozen-Brixen neu geordnet wurde, verlegte der Bischof seinen Sitz nach Bozen, und die Kirche wurde Konkathedrale.

Worauf du achten solltest

  • Das Dach: ein Muster aus bunt glasierten Ziegeln, das in der Sonne glänzt. Im Dezember 2008 lösten sich einige Ziegel, bis 2010 wurde das Dach restauriert.
  • Der Turm: 65 Meter gotische Steinmetzkunst mit sechseckigem Oberteil und durchbrochenem Helm. Achte auf die kleinen Figuren und Wasserspeier an den Brüstungen.
  • Das Leitacher Törl an der Seitenwand: ein gotisches Portal mit Spitzbogen und kleinen Statuen unter Baldachinen. Eine davon zeigt einen Bauern mit Haue und Rebmesser, eine Anspielung auf den Weinhandel.
  • Das Hauptportal: ein romanisches Portal, flankiert von zwei Löwen, mit Bronzetüren, die Michael Defner 1989 schuf.
  • Die Kanzel: Hans Lutz meißelte sie 1514 aus Sandstein, mit Reliefs der vier Kirchenväter (Augustinus, Hieronymus, Gregor und Ambrosius) und den Symbolen der Evangelisten.
  • Die Fresken: Zu den erhaltenen gotischen Malereien gehören Szenen aus dem Leben des heiligen Christophorus von Friedrich Pacher (1498) beim Eingang und Fresken italienischer Maler aus dem 14. Jahrhundert im Langhaus.

Die Madonna aus dem Sumpf

In der Gnadenkapelle hinter dem Hochaltar steht eine mittelalterliche Marmorstatue der stillenden Muttergottes, die als Madonna della Palude, die Madonna aus dem Sumpf, bekannt ist. Der Legende nach fand ein Fuhrmann sie im sumpfigen Gelände vor der Stadt, und seitdem wird sie vom Volk verehrt. Im Chor hängt außerdem ein Herz-Jesu-Bild von Carl Henrici, das seit den Kriegen gegen Napoleon als Schutz Tirols verehrt wird.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm an einem sonnigen Vormittag oder späten Nachmittag: Das glasierte Dach leuchtet nur im direkten Licht richtig. Den besten Blick auf den Turm hast du aus der Mitte des Waltherplatzes.
  • Der Dom ist eine aktive Kirche. Kleide dich angemessen und lauf während der Messe nicht herum.
  • Im Advent findet auf dem Waltherplatz der Bozner Christkindlmarkt statt, mit dem Dom als Kulisse; komm früh am Tag, wenn du Fotos ohne Gedränge willst.

In der Nähe

  • Waltherplatz: der Hauptplatz von Bozen mit dem Denkmal des mittelalterlichen Dichters Walther von der Vogelweide von Heinrich Natter (1889), direkt vor dem Dom.
  • Dominikanerkirche: ein paar Gehminuten westlich, bekannt für die Johanneskapelle mit Fresken der Giotto-Schule aus dem 14. Jahrhundert.
  • Laubengasse (Via dei Portici): die mittelalterliche Kaufmannsstraße der Altstadt mit ihren Bogengängen, ein kurzes Stück nördlich, bis heute voller Geschäfte.
  • Südtiroler Archäologiemuseum: das Museum von Ötzi, dem Mann aus dem Eis, der vor etwa 5.300 Jahren lebte, am anderen Ende der Altstadt.

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