Waltherplatz in Bozen: vier Namen, ein Dichter und ein verbanntes Denkmal

Piazza Walther in Bolzano with the Walther statue and the cathedral spire

Der Waltherplatz (Piazza Walther) ist der Hauptplatz von Bozen, eine weite Fläche zwischen den Lauben der Altstadt und dem gotischen Dom. Er ist nach Walther von der Vogelweide benannt, dem größten deutschsprachigen Lyriker des Mittelalters, dessen Statue aus weißem Marmor in der Mitte steht. Seine Geschichte spiegelt die der Stadt: In kaum zwei Jahrhunderten wechselte er viermal den Namen, und sein Denkmal wurde für ein halbes Jahrhundert verbannt.

Der Waltherplatz auf einen Blick

  • Wo: im Zentrum von Bozen, zwischen dem Dom im Süden und der Altstadt mit den Lauben im Norden.
  • Entstanden: 1808 während der kurzen bayerischen Herrschaft als Platz für die wachsende Stadt angelegt.
  • Was er heute ist: Bozens Hauptplatz und Treffpunkt, mit Caféterrassen, Hotels und im Winter dem bekannten Christkindlmarkt.
  • Zeitbedarf: 15 Minuten zum Umschauen, länger mit einem Kaffee auf einer der Terrassen.

Vier Namen in anderthalb Jahrhunderten

Als Bayern, Verbündeter Napoleons, über Tirol herrschte, ließ König Maximilian I. Joseph hier 1808 einen neuen Platz anlegen und nannte ihn nach sich selbst Maximiliansplatz. Nach der Rückkehr der Habsburger 1814 wurde er zum Johannsplatz, nach Erzherzog Johann von Österreich. 1889 wurde das Walther-Denkmal des Bildhauers Heinrich Natter enthüllt, und 1901 erhielt auch der Platz den Namen des Dichters. Die Statue blickt nach Süden, was viele als deutschsprachige Antwort auf das wenige Jahre später in Trient errichtete Dante-Denkmal verstanden.

Nachdem Südtirol zu Italien gekommen war, sahen die faschistischen Behörden im Denkmal ein Symbol deutscher Kultur. 1935 entfernten sie es und benannten den Platz nach König Viktor Emanuel III. um. Der Name Waltherplatz kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, das Denkmal aber erst in den 1980er-Jahren. Viele Gebäude rund um den Platz wurden bei den Luftangriffen 1943–1945 beschädigt und danach wieder aufgebaut, deshalb mischen sich hier ältere Fassaden mit Nachkriegsbauten.

Worauf du achten solltest

  • Die Statue Walthers von der Vogelweide aus weißem Marmor von Heinrich Natter, mit einem harfenähnlichen Instrument und dem Blick nach Süden.
  • Der durchbrochene gotische Turmhelm des Doms und seine bunt glasierten Dachziegel an der Südecke des Platzes.
  • Das Palais Campofranco an der Westseite, ein Bau aus dem 18. Jahrhundert, in dessen Innenhof ein Teil des Christkindlmarkts und im Sommer eine Bar stehen.
  • Das 1913 erbaute Hotel Stadt an der Nordseite mit seiner Caféterrasse zum Platz.
  • Bei klarem Wetter der Blick am Ende mancher Straßen auf den Rosengarten.

Wer war Walther von der Vogelweide?

Walther lebte etwa von 1170 bis 1230 und schrieb Minnelieder und politische Sprüche, die noch heute in deutschen Schulen gelesen werden. Über seinen Geburtsort weiß man fast nichts Sicheres. Eine Überlieferung verortete ihn lange in der Gegend von Lajen bei Klausen in Südtirol, weshalb Bozen ihn für seinen Hauptplatz wählte, doch die meisten Fachleute halten das heute für unbewiesen. Begraben ist er der Überlieferung nach in Würzburg.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm morgens, wenn das Licht auf die Domfassade fällt und die Terrassen ruhig sind, oder am frühen Abend zum Aperitif.
  • Von Ende November bis Anfang Januar füllen die Holzbuden des Christkindlmarkts den Platz; am Wochenende ist es voll.
  • Nimm den Platz als Ausgangspunkt: Dom, Lauben und Obstmarkt liegen alle nur wenige Minuten entfernt.
  • Für das beste Foto betrachte die Statue von der Südseite mit der Altstadt im Hintergrund.

In der Nähe

  • Bozner Dom: die gotische Kirche mit dem filigranen Turm und dem gemusterten Dach, direkt an der Ecke des Platzes.
  • Lauben (Via dei Portici): die mittelalterliche Einkaufsstraße mit Bogengängen, ein paar Minuten nördlich.
  • Obstmarkt: der Marktplatz für Obst und Gemüse mit dem Neptunbrunnen, am Westende der Lauben.
  • Südtiroler Archäologiemuseum: die Heimat von Ötzi, dem Mann aus dem Eis, ein kurzer Spaziergang westlich der Altstadt.

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