
Das römische Amphitheater von Cagliari liegt in einer natürlichen Mulde des Kalksteinhügels unterhalb des Castello-Viertels, direkt neben dem Botanischen Garten der Stadt. Anders als die meisten römischen Arenen wurde es nicht einfach aus Blöcken aufgemauert: Ein großer Teil der Sitzreihen und der unterirdischen Räume ist direkt in den Fels gehauen. Es zählt zu den wichtigsten römischen Bauwerken Sardiniens.
Das römische Amphitheater auf einen Blick
- Wo: Viale Sant’Ignazio, am Hang unterhalb des Castello-Viertels, neben dem Botanischen Garten der Universität Cagliari.
- Erbaut: 2. Jahrhundert n. Chr.; manche Forscher setzen den Baubeginn schon ins späte 1. Jahrhundert.
- Was es heute ist: eine archäologische Stätte im Besitz der Stadt. Das Innere ist seit Jahren weitgehend geschlossen; 2026 liefen Arbeiten an neuen Wegen und an der Restaurierung, und die Anlage war meist nur von oben zu sehen. Informiere dich also vor dem Besuch.
- Zeitbedarf: 20–30 Minuten von den Aussichtspunkten aus, bis zu einer Stunde, wenn Besuche im Inneren wieder möglich sind.
Von Gladiatorenkämpfen zum Steinbruch
Das Amphitheater entstand, als Karales, wie die Römer Cagliari nannten, die wichtigste Stadt der Provinz Sardinien war. Die Baumeister nutzten ein natürliches Tal im Hügel: Die Ränge wurden in seine Hänge gehauen, und nur der südliche Teil, wo das Gelände abfiel, wurde mit Blöcken aus örtlichem Kalkstein aufgemauert. Der gesamte Bau maß etwa 93 mal 79 Meter, die Arena rund 46 mal 31 Meter, und die Schätzungen zur Zuschauerzahl reichen von etwa 8.000 bis 10.000. Hier fanden Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und öffentliche Hinrichtungen statt. Die Plätze waren nach Stand verteilt, und das Podium direkt an der Arena blieb den angesehensten Bürgern vorbehalten.
Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Amphitheater nicht mehr genutzt und diente als bequemer Steinbruch. Jahrhundertelang holten Bauleute behauene Steine ab und brachen neue Blöcke aus dem Fels, weshalb die Südfassade verschwunden ist. Mitte des 19. Jahrhunderts ging das Gelände an die Stadt, und Kanonikus Giovanni Spano leitete 1866–1868 die ersten Ausgrabungen. Der Archäologe Doro Levi grub es 1937–38 erneut aus und sicherte es. In späteren Jahrzehnten diente es als Bühne für Sommerveranstaltungen, ist aber seit mehr als zehn Jahren weitgehend geschlossen. 2024 begann die Stadt, das Gelände zu reinigen und neue Wege zu planen, ein erster Schritt zu einer umfassenderen Restaurierung.
Worauf du achten solltest
- Die in den Fels gehauenen Ränge: Auf der Nordseite sind die Stufen der Cavea direkt in den Hang geschlagen. In römischer Zeit waren sie mit Marmorplatten verkleidet.
- Die Arena und die Grube darunter: Der Arenaboden bestand wohl aus abnehmbaren Planken, darunter lagen Maschinen, mit denen Kulissen und Tiere nach oben gehoben wurden.
- Die Tierkäfige: Vier kleine Nischen in der Arenamauer haben in den Boden gehauene Tränken und dienten wahrscheinlich als Käfige für wilde Tiere.
- Räume im Fels: Unter den Sitzreihen liegen in den Stein gehauene Kammern, vermutlich darunter eine Gefängniszelle mit eingemeißelten Griffen in den Wänden, an denen wohl Ketten befestigt waren, und ein kleines Heiligtum mit Nischen.
- Steinbruchspuren: Gerade, saubere Schnitte im Fels zeigen, wo spätere Bauleute Blöcke für ihre Häuser und Kirchen herausgelöst haben.
Ein Tunnel, eine Zisterne und ein christliches Graffito
Ein etwa 96 Meter langer Gang leitete Regenwasser vom Hang des Amphitheaters in eine große Zisterne im nahen Orto dei Cappuccini, dem alten Kapuzinergarten. Die Zisterne diente offenbar auch als Gefängnis: Rund dreißig Griffe für Fesseln sind erhalten, und ein Graffito zeigt ein Frachtschiff mit dem christlichen Christusmonogramm am Mast. Manche Forscher meinen, Verurteilte, darunter Christen, seien auf diesem Weg zur Arena geführt worden, doch das bleibt eine Theorie.
Tipps für deinen Besuch
- Prüf vor dem Besuch, was gerade zugänglich ist: Während der Arbeiten ändern sich die Öffnungsregeln, und manche Bereiche sind nur vom Weg oberhalb zu sehen.
- Komm am Vormittag oder am späten Nachmittag. Die felsige Mulde hat kaum Schatten und wird im Sommer heiß.
- Trag Schuhe mit gutem Profil: Wege und Felsflächen sind uneben.
- Verbinde den Besuch mit dem Botanischen Garten nebenan und geh danach bergauf ins Castello-Viertel.
In der Nähe
- Botanischer Garten (Orto Botanico): der Garten der Universität Cagliari direkt neben dem Amphitheater, ein schattiger Ort voller mediterraner und exotischer Pflanzen.
- Villa di Tigellio: die Reste römischer Stadthäuser in der Unterstadt, die traditionell mit dem sardischen Dichter Tigellius in Verbindung gebracht werden.
- Torre di San Pancrazio: der weiße Kalksteinturm, den die Pisaner 1305 am höchsten Punkt des Castello-Viertels errichteten.
- Bastione di Saint Remy: die große Terrasse mit Freitreppe, um 1900 auf den alten Stadtmauern erbaut, mit Blick über die Dächer und den Hafen.
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