
Das Hamburger Rathaus ist der Sandsteinpalast am Rathausmarkt, in dem Parlament und Regierung des Stadtstaats tagen. Es entstand zwischen 1886 und 1897, mehr als vier Jahrzehnte nachdem das alte Rathaus im Großen Brand von 1842 verloren gegangen war. Hinter der Fassade liegen 647 Räume, und das ganze Gebäude steht auf mehr als 4.000 Eichenpfählen im sumpfigen Hamburger Boden.
Das Hamburger Rathaus auf einen Blick
- Wo: am Rathausmarkt in der Altstadt, neben den Alsterarkaden und wenige Minuten von der Binnenalster.
- Erbaut: 1886–1897; der Grundstein wurde am 6. Mai 1886 gelegt, eingeweiht wurde das Gebäude am 26. Oktober 1897.
- Von: einer Gruppe von sieben Hamburger Architekten unter der Leitung von Martin Haller.
- Was es heute ist: Sitz der Hamburgischen Bürgerschaft und des Senats, der Regierung des Stadtstaats. Die Rathausdiele und der Innenhof sind öffentlich zugänglich, die Prunksäle sieht man bei Führungen.
- Zeitbedarf: 15–20 Minuten für Fassade, Diele und Innenhof; etwa eine Stunde mit Führung.
Vom Großen Brand zum neuen Rathaus
Hamburgs mittelalterliches Rathaus stand seit etwa 1290 an der Trostbrücke. Im Mai 1842 fegte der Große Brand durch die Altstadt, und das Rathaus wurde gesprengt, um die Flammen aufzuhalten. Es half nichts. Nach dem Brand wurde die Stadt neu geplant, und Rathausmarkt und Alsterarkaden entstanden nach venezianischem Vorbild. Bis zu einem Entwurf für ein neues Rathaus vergingen jedoch Jahrzehnte, und die Regierung arbeitete so lange in Provisorien.
1886 wurde endlich der Grundstein gelegt, für einen Entwurf eines Architektenteams unter Martin Haller im reich verzierten Stil der Neorenaissance. Der Mittelturm ragt 112 Meter über den Platz. Nur wenige Jahre vor der Fertigstellung, 1892, breitete sich die Cholera über das Trinkwasser aus und tötete mehr als 8.600 Menschen. Der Brunnen im Innenhof erinnert daran.
Worauf du achten solltest
- Die 20 Kaiserstatuen des Heiligen Römischen Reichs zwischen den Fenstern der Hauptfassade, von Karl dem Großen bis Franz II.
- Der lateinische Wahlspruch über dem Haupteingang: „Libertatem quam peperere maiores digne studeat servare posteritas“ – sinngemäß: Die Freiheit, die die Vorfahren errungen haben, möge die Nachwelt würdig zu bewahren suchen.
- Die Rathausdiele mit 16 Sandsteinsäulen, verziert mit 68 Porträts bedeutender Hamburger Bürger. Hier gibt es oft kostenlose Ausstellungen.
- Der Hygieia-Brunnen im Innenhof: eine Bronzefigur der griechischen Göttin der Gesundheit, ein Denkmal für die Cholera-Epidemie von 1892.
- Bei einer Führung: der Große Festsaal, 46 Meter lang, mit fünf großen Historienbildern und drei Kronleuchtern von je 1,5 Tonnen.
Der Phönix über dem Kamin
Einer der Prunksäle heißt Phönixsaal, nach dem Phönix, der über dem Kamin aus den Flammen steigt. Er steht für Hamburgs Wiederaufstieg nach dem Brand von 1842, der Katastrophe, die das alte Rathaus überhaupt erst zerstört hatte. Im Rathaus lebt außerdem eine der ältesten Traditionen der Stadt: das Matthiae-Mahl, ein festliches Bankett, das der Senat jedes Jahr im Großen Festsaal gibt und dessen Brauch bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.
Tipps für deinen Besuch
- Führungen gibt es auf Deutsch, Englisch und Französisch, sie dauern etwa eine Stunde. Bei offiziellen Anlässen fallen sie aus, schau also vorher in den Plan.
- Geh durch den Haupteingang und die Diele in den Innenhof: Dort ist es ruhiger als auf dem Platz, und du siehst den Hygieia-Brunnen am besten.
- Für ein Foto der ganzen Fassade mit Turm stellst du dich auf die andere Seite des Rathausmarkts oder schaust von den Alsterarkaden über das Alsterfleet.
- Komm nach Einbruch der Dunkelheit wieder, wenn die Fassade beleuchtet ist. Im Dezember findet auf dem Rathausmarkt einer der Weihnachtsmärkte der Stadt statt.
In der Nähe
- Alsterarkaden: die weißen Arkaden am Fleet neben dem Rathaus, mit Geschäften und Cafés, angelegt nach dem Brand von 1842.
- Binnenalster und Jungfernstieg: der innere Alstersee und seine Promenade, wenige Gehminuten nördlich, mit Alsterfontäne und Bootsfahrten.
- Mahnmal St. Nikolai: der Turm einer im Bombenkrieg 1943 zerstörten Kirche, heute ein Mahnmal für die Opfer des Krieges, mit einem Aufzug in den Turm.
- Hauptkirche St. Michaelis: Hamburgs bekannteste Kirche mit Aussichtsplattform im Turm, ein längerer Spaziergang westwärts durch die Innenstadt.
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