Kathedrale von Metz: die Laterne Gottes, Chagalls Fenster und der Graoully

Saint-Étienne Cathedral in Metz

Die Kathedrale Saint-Étienne in Metz ist die gotische Kathedrale aus goldgelbem Stein, die sich an der Place d’Armes über die Altstadt erhebt. Ihre Gewölbe reichen bis 41,41 Meter, eines der höchsten gotischen Langhäuser Frankreichs, und ihre Fenster umfassen rund 6.500 Quadratmeter Glasmalerei, vom 13. Jahrhundert bis zu Marc Chagall und darüber hinaus. Deshalb nennen die Metzer sie die Lanterne du Bon Dieu, die Laterne des lieben Gottes.

Die Kathedrale von Metz auf einen Blick

  • Wo: Place d’Armes, am oberen Ende der Altstadt, ein kurzes Stück oberhalb der Mosel.
  • Erbaut: Die gotische Kathedrale wurde um 1220 begonnen und im frühen 16. Jahrhundert weitgehend vollendet.
  • Was sie heute ist: die katholische Kathedrale des Bistums Metz, mit einer der größten Glasmalereiflächen aller französischen Kathedralen, einer Krypta und einem Domschatz.
  • Zeitbedarf: 45 Minuten bis eine Stunde drinnen, länger mit Krypta und Domschatz.

Zwei Kirchen unter einem Dach

Schon im 11. Jahrhundert stand hier eine romanische Kathedrale. 1220 begann Bischof Konrad von Scharfenberg einen gotischen Neubau, und in den folgenden drei Jahrhunderten taten die Baumeister etwas Ungewöhnliches: Sie verbanden die Kathedrale mit einer benachbarten Stiftskirche, Notre-Dame-la-Ronde, sodass aus zwei Kirchen ein langes Schiff wurde. Drinnen erkennst du noch, wo die eine endete, denn der Boden von Notre-Dame-la-Ronde wurde auf das Niveau der Kathedrale abgesenkt. Der helle Jaumont-Kalkstein aus der Gegend von Metz enthält Eisen und gibt den Mauern ihre warme gelbe Farbe.

Metz gehörte von 1871 bis 1918 zum Deutschen Kaiserreich, und das sieht man der Kathedrale an. In der Nacht zum 7. Mai 1877, nachdem bei einem Besuch Kaiser Wilhelms I. ein Feuerwerk vom Dach abgebrannt worden war, brannte der mittelalterliche Eichendachstuhl ab; die Steingewölbe hielten und retteten das Schiff. Danach ersetzten die Deutschen den klassizistischen Westeingang aus dem 18. Jahrhundert durch ein neugotisches Portal, das 1903 im Beisein Wilhelms II. eingeweiht wurde. Nach 1945 holte die Kathedrale moderne Künstler für neue Fenster, und sie gibt bis heute welche in Auftrag.

Worauf du achten solltest

  • Die große Westrose: geschaffen vom Glasmaler Hermann von Münster Ende des 14. Jahrhunderts. Er arbeitete spätestens ab 1381 in Metz und wurde 1392 in der Kathedrale begraben.
  • Die Renaissancefenster von Valentin Bousch im südlichen Querhaus, Anfang der 1520er-Jahre vollendet, voller Figuren und leuchtender Farben.
  • Chagalls Fenster: vor allem in den 1960er-Jahren im nördlichen Querhaus und im Chorumgang eingesetzt, meist mit Themen aus dem Alten Testament, in tiefem Blau und Rot.
  • Weiteres modernes Glas: Fenster von Jacques Villon (1957) in der Sakramentskapelle, abstrakte Fenster von Roger Bissière (1959) und Fenster der koreanischen Künstlerin Kimsooja in der Kapelle Saint-Nicolas, 2022 eingeweiht.
  • Der Prophet Daniel: Am neugotischen Marienportal erhielt die Statue des Daniel die Gesichtszüge Kaiser Wilhelms II. Such das Gesicht des Kaisers unter den Propheten.
  • Die Tour de la Mutte: der rund 90 Meter hohe Turm zur Place d’Armes, der als städtischer Glockenturm diente. Seine große Glocke, La Mutte, wurde 1605 gegossen und läutet seit der Restaurierung 2015 wieder.

Der Graoully

Der Legende nach hauste ein Drache namens Graoully in den Ruinen des römischen Amphitheaters und verbreitete mit seinem giftigen Atem Schrecken in Metz, bis der heilige Clemens, der erste Bischof der Stadt, ihn mit seiner Stola bändigte und in den Fluss trieb. Der Drache wurde zum Symbol von Metz: Ein altes Bildnis des Graoully wird in der Krypta der Kathedrale aufbewahrt, die 2026 neu gestaltet und wiedereröffnet wurde, und über der Rue Taison in der Altstadt hängt ein Drache.

Tipps für deinen Besuch

  • Komm an einem sonnigen Tag, am besten vormittags oder am späten Nachmittag, wenn Licht durch die Ost- oder Westfenster fällt. An grauen Tagen wirkt das Glas viel dunkler.
  • Nimm ein Fernglas mit oder nutze den Zoom deines Handys: Viele der schönsten Felder sitzen hoch oben im Obergaden.
  • Hier finden regelmäßig Messen und Gottesdienste statt. Bewege dich leise und meide während der Gottesdienste den Mittelgang.
  • Geh auch außen herum: Von der Place d’Armes aus siehst du die Länge der Doppelkirche und die Tour de la Mutte.

In der Nähe

  • Place d’Armes: der Platz aus dem 18. Jahrhundert vor der Kathedrale, entworfen von Jacques-François Blondel, mit dem Rathaus auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Die Markthalle: vor der Revolution als Bischofspalast begonnen und stattdessen zur Lebensmittelhalle geworden, direkt neben der Kathedrale.
  • Temple Neuf: die evangelische Kirche auf einer Moselinsel, Anfang des 20. Jahrhunderts unter deutscher Herrschaft gebaut, ein paar Gehminuten den Hügel hinunter.
  • Centre Pompidou-Metz: das Museum für moderne Kunst unter einem riesigen geflochtenen Dach, 2010 eröffnet, ein längerer Weg nach Süden am Bahnhof vorbei.

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