
Die Universität Padua wurde 1222 gegründet und gehört damit zu den ältesten Universitäten der Welt; ihr historischer Sitz ist der Palazzo Bo gegenüber dem Caffè Pedrocchi im Zentrum. Galilei lehrte hier 18 Jahre lang, hier entstand das erste feste anatomische Theater, und 1678 erhielt Elena Lucrezia Cornaro Piscopia als erste bekannte Frau einen Universitätsabschluss. Kommst du an einem Wochentag vorbei, siehst du wahrscheinlich frisch Graduierte mit Lorbeerkranz.
Die Universität Padua auf einen Blick
- Wo: Palazzo Bo, Via VIII Febbraio, im Zentrum zwischen der Piazza Cavour und den Marktplätzen, gegenüber dem Caffè Pedrocchi und dem Rathaus.
- Gegründet: 1222 von Lehrern und Studenten, die Bologna verlassen hatten; den Palazzo Bo nutzt die Universität seit dem späten 15. Jahrhundert.
- Heute: eine der größten Universitäten Italiens, deren Gebäude über die ganze Stadt verteilt sind. Der Palazzo Bo ist Sitz des Rektors und das zeremonielle Zentrum.
- Zeitbedarf: 10–15 Minuten für den Innenhof, etwa eine Stunde für eine Führung durch das Innere.
Gelehrte aus Bologna und eine freie Republik des Wissens
1222 verließ eine Gruppe von Rechtslehrern und Studenten Bologna und gründete in Padua eine eigene Schule. 1405 kam die Stadt an Venedig, und die Republik schützte die Universität, die Studenten aus ganz Europa offenstand, auch Protestanten. Aus dieser Zeit stammt ihr Wahlspruch Universa universis patavina libertas, etwa »Paduas Freiheit, ganz und für alle«. Kopernikus studierte hier Anfang des 16. Jahrhunderts Medizin, Andreas Vesalius lehrte hier Anatomie, bevor er 1543 sein großes Anatomiewerk veröffentlichte, und Galilei hatte von 1592 bis 1610 den Lehrstuhl für Mathematik inne; später nannte er diese Jahre die besten seines Lebens.
Der Name Bo geht auf ein Gasthaus mit einem Ochsen im Schild zurück (bò auf Venezianisch), das hier stand. 1594 baute die Universität darin ein hölzernes anatomisches Theater, das älteste feste der Welt. Am 25. Juni 1678 erhielt die venezianische Adlige Elena Lucrezia Cornaro Piscopia einen Abschluss in Philosophie; der Andrang war so groß, dass die Feier in den Dom verlegt wurde. Die Straße vor der Tür erinnert an den 8. Februar 1848, als Studenten und Bürger sich gegen die österreichische Herrschaft erhoben, und später erhielt die Universität als einzige Italiens die Goldmedaille für militärische Tapferkeit, für ihre Rolle im Widerstand.
Worauf du achten solltest
- Der Alte Hof (Cortile Antico): zwei Geschosse mit Renaissance-Arkaden, deren Wände und Gewölbe mit Hunderten Wappen ehemaliger Studenten und Rektoren bedeckt sind.
- Die Statue der Elena Cornaro Piscopia am Fuß der Treppe im Hof, eine Erinnerung an die erste Frau mit Studienabschluss.
- Das Anatomische Theater von 1594: steile, ovale Holzränge um einen kleinen Seziertisch, auf denen die Studenten standen und zusahen. Du siehst es bei einer Führung.
- Der Saal der Vierzig (Sala dei Quaranta), benannt nach seinen 40 Porträts berühmter ausländischer Studenten. Hier steht ein schlichtes hölzernes Katheder, von dem aus Galilei der Überlieferung nach lehrte.
- Die Aula Magna, der große Festsaal, dessen Wände und Decke ebenfalls dicht mit Wappen bedeckt sind.
Lorbeerkränze und papiri
Ein Studienabschluss heißt auf Italienisch laurea, nach dem Lorbeer, und in Padua tragen frisch Graduierte für einen Tag noch immer einen Lorbeerkranz. Freunde kleben oft einen papiro an die Wände rund um den Bo, ein großes Plakat mit einer Karikatur und frechen Versen über die Studienjahre, und manchmal muss der oder die Graduierte es auf der Straße laut vorlesen. An vollen Abschlusstagen ist die Gegend voller Familien, Blumen und Prosecco. Das gehört zur Tradition: genieß es, aber lass die Plakate hängen.
Tipps für deinen Besuch
- Das Anatomische Theater, der Saal der Vierzig und die Aula Magna sind nur mit Führung zu sehen; die Führungen sind beliebt, also buch vorher.
- Am lebhaftesten ist es an Wochentagnachmittagen in der Abschlusssaison; für einen ruhigen Blick in den Hof komm lieber früher am Tag.
- Verbinde den Besuch mit einem Kaffee gegenüber im Caffè Pedrocchi und danach mit den Märkten auf der Piazza delle Erbe und der Piazza della Frutta, beide nur ein paar Schritte entfernt.
In der Nähe
- Caffè Pedrocchi: das klassizistische Café direkt gegenüber, 1831 eröffnet und lange Treffpunkt von Studenten und Professoren.
- Palazzo della Ragione: der mittelalterliche Gerichtspalast zwischen Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta, mit einem der größten frei tragenden Dächer seiner Zeit, wenige Gehminuten entfernt.
- Botanischer Garten (Orto Botanico): 1545 von der Universität für Heilpflanzen angelegt und heute UNESCO-Welterbe, nahe der Basilika des heiligen Antonius.
- Scrovegni-Kapelle: die ganz mit Giottos Fresken ausgemalte Kapelle, ein kurzer Spaziergang nach Norden vorbei an der Piazza Garibaldi.
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