Witte Huis in Rotterdam: das Hochhaus von 1898, das 1940 überstand

The Witte Huis on the Wijnhaven in Rotterdam

Das Witte Huis (Weißes Haus) ist das zehnstöckige Bürogebäude am Wijnhaven in Rotterdam, an der Ecke zum alten Hafenbecken, dem Oude Haven. Es wurde 1898 fertiggestellt, ist 43 Meter hoch und gilt oft als eines der ersten Hochhäuser Europas. Im Mai 1940 gehörte es zu den wenigen Gebäuden der Innenstadt, die den deutschen Bombenangriff überstanden.

Das Witte Huis auf einen Blick

  • Wo: Wijnhaven 3, an der Ecke Geldersekade und Oude Haven, im Osten der Innenstadt.
  • Erbaut: 1897–1898; die Jahreszahl 1898 steht oben an der Nordfassade.
  • Von: dem Architekten Willem Molenbroek; die Fassadenfiguren schuf der Bildhauer Simon Miedema.
  • Was es heute ist: ein Bürogebäude und ein Rijksmonument (nationales Denkmal), das du von außen besichtigst.
  • Zeitbedarf: 15 Minuten für die Fassaden, länger, wenn du in einem Café am Oude Haven einkehrst.

Ein Turm auf weichem Boden

Ende des 19. Jahrhunderts boomte Rotterdam als Hafenstadt, und die Gesellschaft N.V. Het Witte Huis, die dem Gebäude ihren Namen gab, ließ am Wijnhaven ein Bürohaus errichten. Molenbroek entwarf einen eklektischen Bau nach dem Vorbild amerikanischer Bürohäuser, mit Jugendstil-Details. Skeptiker bezweifelten, dass der weiche Rotterdamer Boden zehn Stockwerke tragen könne, deshalb wurden vor Baubeginn rund 1.000 Pfähle in den Grund getrieben. Innen erschlossen ein zentrales Treppenhaus und zwei Aufzüge die Büros rund um den Kern, und das flache Dach diente als Aussichtsterrasse und für Reklametafeln.

Am 14. Mai 1940 zerstörte der deutsche Luftangriff fast die gesamte historische Innenstadt Rotterdams. Das Witte Huis war eines der wenigen Gebäude im Zentrum, das stehen blieb. Ganz unversehrt war es nicht: Die Figur der Arbeit an der Südfassade ging verloren, und die Figur der Seefahrt wurde später von der Nordfassade an ihre Stelle versetzt. Heute steht das Gebäude als nationales Denkmal unter Schutz, und in einer Stadt, die mit modernen Türmen neu aufgebaut wurde, erinnert es so deutlich wie kaum ein anderes daran, wie Rotterdam vor dem Krieg aussah.

Worauf du achten solltest

  • Die weiß glasierten Ziegel der oberen Etagen, denen das Haus seinen Namen verdankt, mit geometrischen Bändern aus gelben, roten und blauen Ziegeln. Die beiden unteren Geschosse sind mit Naturstein verkleidet.
  • Die Figuren von Simon Miedema in Höhe des ersten Stocks, auf Sockeln unter steinernen Baldachinen, mit vergoldeten Inschriften: die Seefahrt auf der Südseite, Fortschritt, Landwirtschaft und Gewerbe im Osten, der Handel im Norden.
  • Die runden Erker an den Ecken, die sich über alle Stockwerke ziehen und in kleinen Türmchen enden. An ihrem Fuß findest du Steinreliefs mit geflügelten Drachen.
  • Den Namen des Hauses in der Bogennische des Ostgiebels und die runden Zifferblätter in den Giebeln im Süden und Norden.
  • Bunte Fliesentableaus mit Jugendstilblumen, signiert von der Utrechter Firma Holland.
  • Die schmiedeeisernen Laternenarme mit Blumenmotiven und das eiserne Geländer, das am Dachrand entlangläuft.

Europas erster Wolkenkratzer?

Oft liest man, das Witte Huis sei Europas erster Wolkenkratzer gewesen. Mit 43 Metern war es 1898 für ein europäisches Bürogebäude außergewöhnlich hoch, daher der Titel, doch solche Behauptungen hängen davon ab, wie man einen Wolkenkratzer definiert, und lassen sich kaum belegen. Sieh es eher als Spitzname denn als Rekord. Besonders ist das Gebäude heute vor allem deshalb, weil es noch steht: als seltener Überlebender der Vorkriegsstadt.

Tipps für deinen Besuch

  • Den besten Blick auf das ganze Gebäude hast du von der anderen Seite des Oude Haven: Von dort siehst du die Ostfassade mit ihren Figuren und die Türmchen an den Ecken.
  • Komm an einem sonnigen Nachmittag, dann leuchten die weißen Ziegel und die bunten Fliesen am schönsten.
  • Es ist ein Bürogebäude, kein Museum. Genieße es von der Straße aus und geh nicht ungefragt in die Eingangshalle.
  • Verbinde den Besuch mit den Kubushäusern und der Markthal: Alle drei liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.

In der Nähe

  • Kubushäuser (Kubuswoningen): Piet Bloms gekippte gelbe Würfelhäuser über der Straße, fertiggestellt 1984. Eines davon kann man als Musterhaus besichtigen.
  • Markthal: die hufeisenförmige Markthalle, eröffnet 2014, mit Wohnungen im Bogen und einem riesigen Kunstwerk aus Obst, Gemüse und Blumen an der gewölbten Decke.
  • Oude Haven: Rotterdams ältestes Hafenbecken direkt neben dem Witte Huis, mit historischen Schiffen an den Kais und Caféterrassen im Sommer.
  • Laurenskerk: die spätgotische Kirche ein kurzes Stück entfernt, das einzige mittelalterliche Gebäude der Innenstadt, das noch steht.

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