
Der Palast der Großfürsten von Litauen ist der weiße Renaissancepalast neben der Kathedrale von Vilnius, am Fuß des Gediminas-Hügels. Vier Jahrhunderte lang war er Sitz der Herrscher Litauens und ein Zentrum des polnisch-litauischen Staates; 1801 wurde er abgerissen, und was du heute siehst, wurde auf den alten Fundamenten neu errichtet und 2018 vollendet.
Der Palast auf einen Blick
- Wo: im Bereich der Unteren Burg, zwischen Kathedralenplatz und Gediminas-Hügel, in der Altstadt von Vilnius.
- Erbaut: als gotischer Steinpalast im 15. Jahrhundert, im 16. Jahrhundert im Renaissancestil umgebaut; 1801 abgerissen; ab 2002 rekonstruiert und 2018 fertiggestellt.
- Von: Der Umbau im 16. Jahrhundert wird italienischen Architekten zugeschrieben, wahrscheinlich auch Bartolomeo Berrecci, der für Sigismund I. den Alten arbeitete.
- Was er heute ist: das Nationalmuseum – Palast der Großfürsten von Litauen, mit originalen Ruinen, archäologischen Funden, rekonstruierten Prunkräumen und Ausstellungen.
- Zeitbedarf: zwei bis drei Stunden für das Museum, 10 Minuten für das Äußere.
Vom Königshof zum Trümmerhaufen
Nach einem großen Brand 1419 entstand hier im 15. Jahrhundert ein Steinpalast als Residenz der Großfürsten. Unter Sigismund I. dem Alten und seiner italienischen Frau Bona Sforza wuchs er zu einem Renaissancepalast, und 1529 wurde ihr Sohn Sigismund II. August hier zum Großfürsten von Litauen ausgerufen. Er füllte den Palast mit einer der großen Bücher- und Tapisseriensammlungen Europas, und ein päpstlicher Gesandter schrieb, hier gebe es mehr Schätze als im Vatikan. Unter den Wasa-Königen wurde er im frühbarocken Stil umgestaltet, und 1634 wurde im Palast die erste Oper Litauens aufgeführt.
Der Niedergang begann 1655, als ein Moskauer Heer Vilnius einnahm und der Palast niedergebrannt und geplündert wurde. Rund 150 Jahre stand er halb verfallen. Nachdem das Großfürstentum dem Russischen Reich einverleibt worden war, ordneten die Behörden den Abriss an, und 1801 wurden die Mauern niedergerissen und die Ziegel verkauft. In den 1980er-Jahren begannen Archäologen, das Gelände systematisch auszugraben, und nach der Unabhängigkeit beschloss Litauen, den Palast über den erhaltenen Fundamenten neu zu bauen. 2002 begann der Bau, 2018, zum hundertsten Jahrestag des wiederhergestellten litauischen Staates, war er vollendet.
Worauf du achten solltest
- Die weißen Renaissancefassaden und der große Innenhof, nach alten Zeichnungen, Beschreibungen und archäologischen Befunden rekonstruiert.
- Innen die originalen Fundamente und Mauern des gotischen und des Renaissancepalasts in den ausgegrabenen Untergeschossen.
- Archäologische Funde vom Gelände: Kacheln, Waffen, Glas und Alltagsgegenstände des Hofes.
- Die rekonstruierten Prunkräume mit Möbeln der Zeit, die den Hof der Jagiellonen und Wasa zeigen.
- Der Blick vom Palast hinauf zum Gediminas-Turm auf seinem Hügel, der Oberen Burg, die einst diese Untere Burg schützte.
Ein Bau, der die Meinungen spaltet
Über den Wiederaufbau wurde jahrelang gestritten. Befürworter sahen darin die Wiederherstellung eines Symbols der Staatlichkeit des Großfürstentums, das unter russischer Herrschaft ausgelöscht worden war; Kritiker wandten ein, dass über das genaue Aussehen des Palasts wenig bekannt ist und es sich im Grunde um einen Neubau handelt. Wie auch immer: Das Museum ist der beste Ort in Vilnius, um das Großfürstentum zu verstehen, einst einer der größten Staaten Europas, und die originalen Reste im Untergeschoss sind echt.
Tipps für deinen Besuch
- Beginne unten bei den ausgegrabenen Ruinen und geh dann durch die Prunkräume nach oben: In dieser Reihenfolge ergibt die Geschichte Sinn.
- Plane genug Zeit ein; das Museum ist größer, als es vom Platz aus wirkt.
- Verbinde den Besuch mit dem Aufstieg auf den Gediminas-Hügel direkt hinter dem Palast.
- Besuch die Kathedrale nebenan am Morgen, vor dem Palast, wenn der Platz ruhig ist.
In der Nähe
- Kathedrale von Vilnius: die klassizistische Kathedrale mit ihrem freistehenden Glockenturm, direkt neben dem Palast.
- Gediminas-Turm: der Backsteinturm der Oberen Burg auf dem Hügel dahinter, mit Blick über die Altstadt.
- Kathedralenplatz: der Hauptplatz der Stadt mit der Statue des Großfürsten Gediminas.
- Bernhardinergarten: ein Park am Fluss, wenige Gehminuten östlich, mit Brunnen und alten Bäumen.
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