
An der Ecke von Marszałkowska-Straße und Aleje Jerozolimskie, am Rand des belebten Rondo Dmowskiego, steht ein Granitblock, an dem die meisten vorbeieilen: der Warschauer Entfernungsstein (Kamień odległości), manchmal auch als Obelisk Drogowskaz, Wegweiser-Obelisk, bezeichnet. Seine Tafeln geben die Entfernungen vom Zentrum Warschaus zu polnischen Städten und zu europäischen Hauptstädten an. Enthüllt wurde er 1955, in dem Jahr, in dem direkt dahinter der Kulturpalast eröffnet wurde.
Der Entfernungsstein auf einen Blick
- Wo: an der Ecke von Marszałkowska-Straße und Aleje Jerozolimskie, am Rondo Romana Dmowskiego, mit dem Kultur- und Wissenschaftspalast im Rücken.
- Entstanden: 1955 enthüllt, während der riesige Paradeplatz vor dem Kulturpalast angelegt wurde.
- Was er heute ist: ein steinerner Markierungsstein mit Tafeln voller Entfernungen vom Warschauer Zentrum und einer der bekanntesten Treffpunkte der Stadt.
- Zeitbedarf: 5 bis 10 Minuten, länger, wenn du auf den Tafeln deine eigene Heimatstadt suchst.
Ein Wegweiser für eine wiederaufgebaute Innenstadt
Am Ende des Zweiten Weltkriegs lag die Gegend um diese Kreuzung, wie fast die ganze Warschauer Innenstadt, in Trümmern. In den 1950er-Jahren wurde das Zentrum in einem neuen, monumentalen Maßstab wiederaufgebaut. Der Kultur- und Wissenschaftspalast, ein Geschenk der Sowjetunion, entstand an der Westseite der Marszałkowska, und davor wurde eine riesige Freifläche, der Plac Defilad (Paradeplatz), für Staatsfeiern und Paraden angelegt. Der Entfernungsstein wurde hier 1955 als Teil dieses Projekts enthüllt, um das neue Zentrum der Hauptstadt zu markieren.
Um 1970 setzte der Fotograf Edward Hartwig ihn in den Vordergrund eines seiner bekanntesten Warschau-Bilder, mit dem runden Pavillon der PKO-Bank, der Rotunde, an der Kreuzung dahinter. Das Foto gehört heute zur Sammlung des Museums Warschau. Die Stadt rund um den Stein hat sich seitdem völlig verändert: Glastürme, eine U-Bahn-Linie und neue Straßen umgeben ihn, doch der Stein selbst steht noch an seinem alten Platz.
Worauf du achten solltest
- Die Tafeln: Such die Liste der polnischen Städte auf der einen Seite und die eigene Tafel mit den europäischen Hauptstädten. Finde London, Paris oder deine eigene Hauptstadt und schau, wie weit du von zu Hause entfernt bist.
- Das Material: Der Stein ist ein massiver Block aus poliertem Granit, gemacht, um an einer der verkehrsreichsten Stellen der Stadt zu bestehen.
- Der Blick dahinter: Vom Stein aus hast du einen klassischen Blick auf den Kultur- und Wissenschaftspalast, nach seiner Fertigstellung jahrzehntelang das höchste Gebäude Polens.
- Die Rotunde: der runde Pavillon der PKO-Bank an der Ecke der Kreuzung, in den letzten Jahren neu gebaut, der auch auf Hartwigs Foto hinter dem Stein zu sehen ist.
Ist das Warschaus Kilometer null?
Der Stein wird oft als Kilometer null von Warschau beschrieben, als der Punkt, von dem aus die Entfernungen zu anderen Städten gemessen werden. Sieh das eher als populäre Beschreibung denn als Regel: Die Straßenschilder in Polen folgen ihrem eigenen System, und der Stein wurde als symbolische Markierung des neuen Stadtzentrums aufgestellt. So oder so zeigen die Zahlen auf seinen Tafeln, wie die Hauptstadt der 1950er-Jahre ihren Platz auf der Landkarte Europas sah.
Tipps für deinen Besuch
- Die Ecke ist sehr belebt: Halte Abstand vom Bordstein und nutze die Fußgängerüberwege oder Unterführungen rund um den Kreisverkehr, statt quer durch den Verkehr zu gehen.
- Komm früh am Morgen oder an einem Sonntag, wenn du den Stein ohne Menschenmengen fotografieren willst.
- Für das beste Foto setzt du den Stein in den Vordergrund und lässt dahinter den Kulturpalast aufragen.
- Verbinde den Stein mit einem Besuch der Aussichtsterrasse des Kulturpalastes, nur wenige Gehminuten entfernt.
In der Nähe
- Kultur- und Wissenschaftspalast: das Hochhaus aus den 1950er-Jahren, das die Skyline beherrscht, mit Aussichtsterrasse, Theatern und Museen.
- Die Rotunde: der runde Bankpavillon an der Ecke der Kreuzung, ein Wahrzeichen des Nachkriegs-Warschau.
- Wohnviertel Marszałkowska (MDM): die Wohnbauten im Stil des sozialistischen Realismus aus den 1950er-Jahren, südlich entlang der Marszałkowska, mit ihren großen Arkaden und dem Plac Konstytucji.
- Nowy Świat: Folge den Aleje Jerozolimskie nach Osten zu der eleganten Straße, die entlang des Königswegs nach Norden zur Altstadt führt.
Warschau mit World City Trail entdecken
Unsere Schnitzeljagd in Warschau macht die Stadt zu einem Spiel, das du auf deinem Handy spielst. Die Route verbindet 10 Stationen und dauert rund 3 Stunden, davon etwa 47 Minuten zu Fuß. Der Entfernungsstein, im Spiel als Obelisk Drogowskaz geführt, ist die letzte Station: Hier endet die Route, nach dem Sächsischen Garten. Weitere Stationen sind unter anderem das Königsschloss, der Altstädter Markt, die Barbakane und das Grab des Unbekannten Soldaten.
Wenn dir ein anderes Format lieber ist: In Warschau gibt es auch einen selbstgeführten Stadtrundgang und ein Outdoor-Escape-Game.
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Fakten geprüft im Oktober 2026.
