
St Andrew’s ist die große katholische Pfarrkirche in der Westland Row im Süden der Dubliner Innenstadt, ein paar Gehminuten vom Trinity College entfernt. Sie wurde 1832 begonnen, nur drei Jahre nach der Katholikenemanzipation, und war eine der größten und teuersten Kirchen ihrer Zeit. Leser des Ulysses kennen sie unter anderem Namen: James Joyce nennt sie All Hallows, und hier schlüpft Leopold Bloom im fünften Kapitel des Romans hinein.
St Andrew’s Church auf einen Blick
- Wo: Westland Row, neben dem Bahnhof Pearse Station, zwischen Trinity College und Merrion Square.
- Erbaut: 1832–1837; geweiht wurde die Kirche am 2. Januar 1834, bevor der Bau ganz fertig war.
- Von: John Bolger nach Plänen von James Leeson; die Statue des heiligen Andreas auf dem Portikus stammt von John Smyth.
- Was sie heute ist: die katholische Pfarrkirche der Westland Row, noch täglich in Gebrauch.
- Zeitbedarf: 20–30 Minuten.
Eine Kirche für die Zeit der Emanzipation
Bis zum Katholikenemanzipationsgesetz von 1829 waren Katholiken in Irland von den meisten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, und viele ihrer Kapellen lagen versteckt in Hintergassen. St Andrew’s sollte zeigen, dass sich das geändert hatte. Pfarrer Dr. Michael Blake legte 1832 den Grundstein, und das Projekt hatte einen mächtigen Unterstützer: Daniel O’Connell, Anführer der Emanzipationsbewegung und selbst Gemeindemitglied. Die Kirche kostete rund 20.000 Pfund, eine riesige Summe, und Zeitgenossen nannten sie das vielleicht größte und teuerste Gebäude seiner Art im Königreich.
Der Entwurf ist klassizistisch: eine Tempelfront mit dorischen Säulen zur Straße und dahinter ein weiter, heller Innenraum. Die Kirche erlebte Staatsbegräbnisse, Prominentenhochzeiten und große öffentliche Gottesdienste. Ab 1942 wurde das Innere restauriert und neu bemalt, nachdem im Januar 1940 Teile des Deckenschmucks herabgefallen waren. 2012 feierte die Gemeinde das 180-jährige Bestehen der Kirche.
Worauf du achten solltest
- Der Portikus: eine dorische Tempelfront, eingezwängt in die Häuserzeile der Westland Row, gekrönt von der Statue des heiligen Andreas mit seinem Kreuz.
- Die Orgel: 1870–71 von John White aus Dublin gebaut, mit Pfeifen aus der Werkstatt des französischen Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll.
- Der Innenraum: ein breiter Raum mit Emporen unter einer verzierten Decke, eher ein festlicher Saal als eine gotische Kirche.
- Die Umgebung: Die Eisenbahnbrücke der Pearse Station verläuft direkt neben der Kirche, eine Erinnerung daran, dass Irlands erste Eisenbahn, die Dublin and Kingstown Railway, 1834 an der Westland Row startete.
Leopold Blooms Kirche
Im Kapitel „Lotosesser“ des Ulysses, das am Morgen des 16. Juni 1904 spielt, betritt Bloom All Hallows in der Westland Row, so nannte Joyce St Andrew’s nach dem mittelalterlichen Priorat All Hallows, zu dessen Ländereien die Gegend einst gehörte. Bloom verfolgt von hinten eine Messe, sinniert über das Latein und die Kommunion und schlüpft wieder hinaus. Am Bloomsday, dem 16. Juni, kommen Joyce-Fans auf Blooms Spuren durch die Stadt oft hier vorbei.
Tipps für deinen Besuch
- Das ist eine belebte Pfarrkirche: Komm zwischen den Gottesdiensten, kleide dich angemessen und sei leise bei Betenden.
- Betrachte die Fassade von der anderen Straßenseite; die Westland Row ist schmal, aus der Nähe übersieht man den Portikus leicht.
- Verbinde den Besuch mit dem Merrion Square und der Oscar-Wilde-Statue oder einem Gang durch das Trinity College, beides nur ein paar Minuten entfernt.
In der Nähe
- Oscar Wildes Geburtshaus: Wilde wurde 1854 in der Westland Row 21 geboren, ein Stück die Straße hinunter; eine Gedenktafel markiert das Haus.
- Trinity College: Irlands älteste Universität, mit dem Book of Kells und der Bibliothek Long Room.
- Merrion Square: ein georgianischer Platz mit Park, bunten Haustüren und der liegenden Statue von Oscar Wilde.
- National Gallery of Ireland: irische und europäische Kunst am Merrion Square West, die ständige Sammlung ist kostenlos.
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