
Die Kapellbrücke ist die gedeckte Holzbrücke, die in der Luzerner Innenstadt schräg über die Reuss führt, mit dem steinernen Wasserturm direkt daneben im Fluss. Sie steht seit dem 14. Jahrhundert und gilt oft als älteste gedeckte Holzbrücke Europas, doch vieles, worüber du heute gehst, stammt von 1994: In der Nacht auf den 18. August 1993 zerstörte ein Brand den größten Teil der Brücke und viele ihrer Bilder aus dem 17. Jahrhundert.
Die Kapellbrücke auf einen Blick
- Wo: über die Reuss, dort, wo sie den Vierwaldstättersee verlässt, vom Luzerner Theater am linken Ufer bis zur St. Peterskapelle am rechten Ufer.
- Erbaut: um die Mitte des 14. Jahrhunderts; erstmals 1367 erwähnt, und laut Jahrringdatierung wurden ihre Hölzer nicht vor 1356 geschlagen. Nach dem Brand wiederaufgebaut und am 14. April 1994 wiedereröffnet.
- Was sie heute ist: eine frei zugängliche Fußgängerbrücke von rund 205 Metern Länge und das bekannteste Wahrzeichen Luzerns. Ursprünglich war sie etwa 279 Meter lang und Teil der Stadtbefestigung zum See hin.
- Zeitbedarf: 15 Minuten, um langsam hinüberzugehen und die Bilder anzuschauen, länger, wenn du von beiden Ufern fotografierst.
Von der Stadtbefestigung zum wiederaufgebauten Wahrzeichen
Die Brücke entstand als Teil der Luzerner Befestigung und riegelte die Stadt zusammen mit dem Wasserturm und der Hofbrücke, einer zweiten, inzwischen verschwundenen gedeckten Brücke weiter oben, zum See hin ab. Ihren Namen hat sie von der St. Peterskapelle an ihrem nördlichen Ende. Anfang des 17. Jahrhunderts entwarf Stadtschreiber Renward Cysat ein Bildprogramm für die Brücke: Ab etwa 1614 wurden dreieckige Tafeln in die Dachgiebel eingesetzt, mit Szenen aus der Schweizer Geschichte und aus dem Leben der Luzerner Stadtpatrone St. Leodegar und St. Mauritius. Die Stadt konnte sie nicht bezahlen, also stifteten wohlhabende Bürger je eine oder mehrere Tafeln. Viele davon malte Hans Heinrich Wägmann. Im 19. Jahrhundert verkürzten neue Uferbauten an der Reuss die Brücke mehrmals, deshalb ist sie heute rund 70 Meter kürzer als früher.
In der Nacht auf den 18. August 1993 brach Feuer aus, vermutlich durch eine achtlos weggeworfene Zigarette. Nur die beiden Brückenköpfe und der Wasserturm blieben verschont. Von den 111 Originalbildern, die an der Brücke hingen, verbrannten 86 vollständig; rund 25 wurden gerettet oder restauriert. Noch am selben Tag beschloss die Stadt den Wiederaufbau, und acht Monate später, am 14. April 1994, war die Brücke wieder für Fußgänger offen. Einige Lücken im Bilderzyklus wurden später mit Tafeln gefüllt, die zur Zeit des Brandes eingelagert waren.
Worauf du achten solltest
- Die bemalten Giebel: Schau beim Gehen nach oben. Die dreieckigen Tafeln sitzen unter dem Dach, und die Folge aus Schweizer Geschichte und Heiligenlegenden zieht sich über die ganze Brücke.
- Alt und neu: Die Bilder, die den Brand überstanden haben, heben sich von den Lücken und späteren Tafeln ab, und die Holzkonstruktion des Mittelteils stammt von 1993–1994.
- Der Wasserturm: ein achteckiger Steinturm von rund 34,5 Metern Höhe, um 1290–1300 erbaut, also vor der Brücke selbst.
- Der schräge Verlauf der Brücke, der der alten Verteidigungslinie folgt und nicht dem kürzesten Weg über den Fluss.
- Die Blumenkästen an der Außenseite der Brücke, die ihr im Sommer vom Ufer aus ihr farbiges Aussehen geben.
Der Wasserturm: Archiv, Schatzkammer und Gefängnis
Der Wasserturm ist älter als die Brücke und diente zuerst als Wachposten über den Schiffsverkehr auf dem See. Ab dem 14. Jahrhundert beherbergte er das Stadtarchiv, das erst 1919 auszog, und in der Turmstube lagen der Staatsschatz und die Kriegsbeute. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war er auch ein Gefängnis: Die Gefangenen wurden auf einem Sitz ins Verlies hinuntergelassen und nach verbüßter Strafe wieder heraufgezogen. Heute ist der Turm nicht öffentlich zugänglich.
Tipps für deinen Besuch
- Komm früh am Morgen: Ab dem späten Vormittag füllt sich die Brücke mit Reisegruppen, vor allem im Sommer.
- Für das klassische Foto von Brücke und Wasserturm stellst du dich auf den Rathausquai am rechten Ufer oder vor die Jesuitenkirche am linken Ufer.
- Schau dir die Bilder aus beiden Richtungen an: Manche Tafeln siehst du nur, wenn du in die andere Richtung gehst.
- Verbinde sie mit der Spreuerbrücke, der zweiten gedeckten Brücke flussabwärts, und geh am Fluss entlang zurück, um beide zu vergleichen.
In der Nähe
- Jesuitenkirche: die weiße Barockkirche am linken Reussufer mit einem hellen, reich geschmückten Innenraum.
- Spreuerbrücke: Luzerns zweite gedeckte Holzbrücke, mit einem Totentanz-Zyklus von Kaspar Meglinger aus dem 17. Jahrhundert.
- Museggmauer: die mittelalterliche Stadtmauer auf dem Hügel über der Altstadt mit ihrer Reihe von Türmen; die Uhr des Zytturms darf eine Minute vor allen anderen Uhren der Stadt schlagen.
- St. Peterskapelle: die Kapelle am rechten Brückenkopf, die der Brücke ihren Namen gab.
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